ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2013Traumatherapie: Wohltuende Auffrischung mit Übungen

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Traumatherapie: Wohltuende Auffrischung mit Übungen

PP 12, Ausgabe März 2013, Seite 139

Baßfeld, Frank

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Traumatherapeutisches Basiswissen wird in diesem Buch auf 500 Seiten für alle sozialen Berufsgruppen gut vermittelt. Es ist verständlich und sehr gut strukturiert. Theoretische Grundlagen werden auf mehr als 100 Seiten dargestellt. In knapp weiteren 100 Seiten wird über Konsequenzen für die Praxis nachgedacht. Danach folgt der zweite Teil des Buches: Übungen. Die Seitenzahl von 300 ist enorm und zeigt sehr viele Differenzierungen im Ablauf sowie in der Anwendung auf.

Die Autoren erklären die Theorie manchmal an einem Schaubild von „Denker“ und „Häschen“. Letzteres steht für die Darstellung von Ängsten und anderen Gefühlen. Diese visuelle Darstellung kann dem Leser helfen, das eigene bereits vorhandene Wissen leichter zuzuordnen, um mit dem methodisch-didaktischen Ansatz der Autoren leichter mitzugehen. Die biologischen und psychischen Auswirkungen eines Traumas werden in leicht verständlicher Weise beschrieben, die Notfallreaktion einschließlich einer möglichen Dissoziation und entstehender Stresskurve mit einem Schaubild ergänzt. Das A und O in der Traumatherapie ist die Stabilität des Betroffenen. Im Kapitel „Stabilität erarbeiten“ geht es dann auch um „Integration durch Erweiterung der Handlungs- und Wahrnehmungsmöglichkeiten“. In einem anderen Kapitel wird die Auftragsorientierung im Kontakt mit dem traumatisierten Menschen auch durch die Fragestellung „Wer will was?“ angesprochen. Über die Selbstfürsorge wird auf circa 25 Seiten gesprochen.

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Der Übungsteil enthält zum Teil Fallbeispiele mit Transkripten. Zu jedem Übungsabschluss werden Auswirkungen, Schwierigkeiten, Besonderheiten im Kontakt mit unterschiedlichen sozialen Menschen/Gruppen meist über zwei bis vier Seiten differenziert. Ob das zu viel oder zu wenig ist, wird am Kenntnisstand und Berufsfeld des Lesers liegen. Orientierungsübung in Raum und Zeit, Anleitungen zu Dissoziationsstopps, Kontrolle von Flashbacks, Erarbeiten der Zeitlinie (damals, hier und jetzt), klassische Übungen wie „Tresor“, „Sicherer Ort“, „Ressourcenkoffer“ und „Innere Helfer“ sowie weitere Übungsanregungen bekommen immer eine gute Anleitung zur Anwendung.

Die Kapitelformulierung „Im Abstand betrachten und Verantwortung übernehmen“ ist einladend und besonders motivierend. Die bekannten Methoden, wie Bildschirmtechnik, Symptome zu externalisieren, Teilearbeit und Arbeit mit dem inneren Kind, werden als Einführung in die Methode als solche kompetent angeleitet.

Dieses Buch bietet Praktikern eine wohltuende Auffrischung, die Ergänzungen bietet. Die ressourcenorientierten Erklärungen sind ermutigend und laden zu einer Intensivierung von Theorie und praktischen Anwendungen ein.

Frank Baßfeld

Lydia Hantke, Hans-Joachim Görges: Handbuch Traumakompetenz. Basiswissen für Therapie, Beratung und Pädagogik. Junfermann, Paderborn 2012, 512 Seiten, kartoniert, 44,90 Euro

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