ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2013Achtsamkeit: Kompakte Ansammlung an Übungen

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Achtsamkeit: Kompakte Ansammlung an Übungen

PP 12, Ausgabe März 2013, Seite 140

Behrens, Stefan

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In der psychotherapeutischen Behandlung psychischer Störungen erweisen sich die auf Achtsamkeit bezogenen Interventionsmethoden stets durch ihre Ressourcenbezogenheit als überaus hilfreich. Beispielsweise zeigte sich die auf Marsha Linehan zurückgehende dialektisch behaviorale Therapie, die unter anderem Achtsamkeit als zentralen Wahrnehmungsfokus beschreibt, als wissenschaftlich evident wirksam in der Reduzierung der Selbstverletzungstendenz bei Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen. Später ließ sich diese Therapiemethode auch erfolgreich bei anderen Störungen, wie etwa Alkoholabhängigkeit und Essstörungen, adaptieren und ist heute eine gängige Interventionsmethode in der stationären wie ambulanten Psychotherapie.

Bernd Ubben betont im Geleitwort des Buches die Integration von Achtsamkeit und Akzeptanz in die heutige Verhaltenstherapie. Er beschreibt diese Fortentwicklung nach der Erweiterung um und der anschließenden wissenschaftlich-empirisch fundierten Ausformung speziell kognitiver Störungsauffassungen und Interventionen als die „3. Welle der Verhaltenstherapie“.

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Überaus knapp, ohne jegliche Redundanz oder unnötige vertiefende Ausschweifungen geben Lohmann und Annies einen strikt auf wissenschaftliche Evidenzen ausgelegten Überblick über die Anwendungsbereiche der Verhaltenstherapie. Im Zuge dessen wird sich auch sprachlich auf das Nötigste beschränkt, was hin und wieder eine Tendenz zur Generalisierung nach sich zieht und die Schnittmengen anderer wissenschaftlich fundierter Therapieansätze und Interventionsmethoden zu sehr abseits stellt. Eine ausführlichere Abgrenzung zu anderen Methoden und einen deutlich nachvollziehbaren Fingerzeig auf die Bedeutung der Integration achtsamkeitsfokussierter Inhalte in die Verhaltenstherapie als wichtigen Entwicklungsschritt hätte aber vielleicht auch den Rahmen einer Übersichtsarbeit überschritten.

Darauf folgend werden Möglichkeiten zur achtsamkeitsbezogenen psychotherapeutischen Behandlung bei „häufigen Störungsbildern“ skizziert, die in sich schlüssige, sinnvolle und auch praktikable Ansätze und Erweiterungen der gängigen verhaltenstherapeutischen Methoden beinhalten. Dabei wird ein knapper Überblick über die Störung, wie Zwangs- oder Angststörungen, sowie deren verhaltenstherapeutische Behandlung gegeben. Die jeweilige kurze Einführung in die „Ansatzpunkte für achtsamkeitsbasierte Interventionen“ werden je Störung schließlich um die „exemplarischen Übungen“ praxisnah ergänzt und Tipps zum „Transfer“ in den Alltag gegeben.

Tatsächliches Herzstück des Buches sind die „Achtsamkeitsbasierten Übungen“ im zweiten Teil. Jedoch scheint auch hier eine sehr übersichtliche Struktur, durch eine Einteilung in „Zeitaufwand“, „Ziel der Übung“ und eine knappe „Anmerkung“, die Praktikabilität der Übungen und die Vielseitigkeit zu begrenzen. Auch sollte ein Großteil der Übungen bereits bekannt vorkommen, sollte man sich als (angehender) Psychotherapeut bereits mit Entspannungs- und Imaginationsübungen beschäftigt haben. Dennoch ist eine kompakte Ansammlung der Übungen in gegebener Kürze durchaus praktisch. Stefan Behrens

Bettina Lohmann, Susanne Annies: Achtsamkeit in der Verhaltenstherapie. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln 2012, 113 Seiten, kartoniert, 24,95 Euro

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