ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2013Medienabhängigkeit: Kritische Analyse der Omnipotenz

BÜCHER

Medienabhängigkeit: Kritische Analyse der Omnipotenz

PP 12, Ausgabe März 2013, Seite 139

Eichenberg, Christiane

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Prävalenz der Internetsucht im Erwachsenenalter beträgt in Deutschland etwa ein Prozent, zusätzlich können 4,6 Prozent als problematische Internetnutzer bezeichnet werden. Bei Jugendlichen und Adoleszenten sind die Prävalenzen höher. Entsprechend findet man auch zunehmend mehr Patienten mit medienassoziierten Störungen und Problemen in psychotherapeutischen Praxen wieder. Inzwischen liegen gut evaluierte Behandlungsmanuale vor, um Therapeuten Hilfestellungen in Diagnostik und Therapie dieser besonderen Patientengruppe zu geben.

Der Autor dieses Buches nähert sich der Problematik aus medienwissenschaftlicher Perspektive, greift dabei aber als Psychiater und Psychotherapeut dezidiert psychotherapeutische Aspekte auf. Anhand vieler Beispiele und unter Bezugnahme von Theorien unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen (zum Beispiel Geschichtswissenschaft, Soziologie, Psychoanalyse, Medienökologie und -philosophie, Kunstwissenschaft) belegt er, dass sich nach der Kultivierung und Zivilisierung mit der Medialisierung eine neue Epoche der Menschheit ankündigt. So sei das Internet zum neuen kollektiven Lebensmittelpunkt geworden, der dann individuell problematisch würde, wenn die Person dem Medium diene und nicht umgekehrt. In diesem Zusammenhang postuliert der Autor – Mitbegründer des Fachverbandes Medienabhängigkeit – Medienabhängigkeit als eigenständiges Störungsbild.

Anzeige

Bert te Wildts kritische Analyse der Omnipotenz des Medialen mit ihren spezifischen (konstruktiven wie destruktiven) Funktionen und Effekten ist eine lohnende Lektüre für alle, die neben den klinischen Aspekten auch Interesse an sozialwissenschaftlichen Erklärungen für die Verführungen der modernen Medien haben. Christiane Eichenberg

Bert te Wildt: Medialisation. Von der Medienabhängigkeit des Menschen. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2012, 271 Seiten, kartoniert, 29,99 Euro

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema