ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2013VTE-Risiko gering, aber vorhanden
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„Eine allgemeine Empfehlung zum Tragen von Thrombosestützstrümpfen oder Einnahme von Antikoagulanzien erscheint nicht gerechtfertigt, weil VTE bei Passagieren ohne Risikofaktoren und Flugdauern > 8 Stunden nicht beobachtet wurden.“

Diese Aussage kann so nicht stehen bleiben, denn die Wahrscheinlichkeit, durch stundenlanges Sitzen eine Thrombose zu entwickeln, ist zwar in der Regel gering, aber vorhanden.

Das prominenteste Opfer war Präsident Nixon, der 1974 nach einer Flugreisenthrombose eine Lungenembolie erlitt. So ein Gerinnsel muss sich auch nicht unmittelbar nach Beendigung des Fluges lösen, sondern es besteht genauso die Möglichkeit, dass die tödlichen Folgen erst auftreten, wenn der Passagier das Flugzeug längst verlassen hat (sogenannte Thrombose des ersten Ferientages). Hier ist es natürlich schwer, einen Zusammenhang zwischen den ungünstigen Sitzverhältnissen an Bord und der Thrombose zu beweisen.

Am Flughafen Heathrow sind etwa 18 % der Todesfälle nach einem Langstreckenflug auf eine Lungenembolie zurückzuführen. Eine Studie am Tokioter Flughafen hält zumindest fest, dass von 20 Millionen Fluggästen jährlich etwa 100 bis 150 wegen Gerinnseln in Behandlung waren. In den letzten acht Jahren starben 25 Personen wegen Thrombosen nach einem Langstreckenflug. In anderen Studien waren Flugreisenthrombosen für 7–8 % der Komplikationen verantwortlich.

Eine rückblickende Untersuchung der World Health Organisation´s Research into Global Hazards of Travel und andere Veröffentlichungen (2) ergaben, dass die Inzidenz der tiefen Beinvenenthrombose circa 1: 1000 und stark altersabhängig ist (3–5 : 1 000 bei über 60-Jährigen). Bei entsprechender Disposition ist immer mit der Möglichkeit einer Thrombose/Embolie zu rechnen.

Eine Vorschädigung liegt laut der Bonner Venenstudie bei jeder fünften Frau und jedem sechsten Mann vor. Nur jeder Zehnte hat vollkommen gesunde Venen.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0191c

Dr. med. Jens-H. Grotewohl

Betriebsarztpraxis Frankfurt/Main

j.grotewohl@DeutschePost.de

Interessenkonflikt
Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Graf J, Stüben U, Pump S: In-flight medical emergencies.
Dtsch Arztebl Int 2012; 109(37): 591–602. VOLLTEXT
2.
Lomangino, N: Venous thromboembolic disease; risk for passengers and aircrew. Fed AirSurg MedBull 01–01.
1.Graf J, Stüben U, Pump S: In-flight medical emergencies.
Dtsch Arztebl Int 2012; 109(37): 591–602. VOLLTEXT
2.Lomangino, N: Venous thromboembolic disease; risk for passengers and aircrew. Fed AirSurg MedBull 01–01.

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