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Wir danken Herrn Dr. Grotewohl für den Hinweis auf die vielfältigen Studiendaten bezüglich des Themenkomplexes der Reise-assoziierten Thrombose und möglicher thrombembolischer Komplikationen (VTE). Die Kontroversen im Bereich der „Flugreise-assoziierten Thrombose“ beziehungsweise des Economy Class-Syndrome begleiten uns, weil das Studiendesign der Untersuchungen in der Vergangenheit keine Kausalschlüsse zuließ. Unstrittig als Risikofaktor bleiben der Zusammenhang der Zeitdauer einer Immobilisation für die Entstehung einer VTE genauso wie möglicherweise zusätzliche, individuelle prädisponierende Faktoren (1). Inwiefern die milde Hypoxie der Flugreise bei gleicher Immobilisationsdauer einen zusätzlichen Risikofaktor im Vergleich zur Auto-, Bus-, Bahn- oder Schiffsreise darstellt, ist unbekannt (2). Demzufolge wurde im von uns verfassten Beitrag auf die Notwendigkeit der individuellen Betrachtung bei Berücksichtigung der allgemeinen Empfehlungen hingewiesen (3).

Die Kollegen Dres. Sand weisen auf die aus ihrer Sicht unzureichende medizinische Ausstattung an Bord von Verkehrsflugzeugen und eine fehlende Standardisierung der Dokumentation medizinischer Notfälle hin.

Im Zusammenhang mit der medizinischen Ausstattung an Bord von Verkehrsflugzeugen werden Empfehlungen der ICAO (International Civil Aviation Organization) offensichtlich mit gesetzlichen Vorschriften verwechselt. Aufgrund der regelmäßigen Audits in allen operativen Bereichen der Luftfahrt darf mindestens für die Industrienationen davon ausgegangen werden, dass die gültigen gesetzlichen Normen hinsichtlich der medizinischen Ausstattung an Bord eingehalten werden (3). Ob diese gesetzlichen Bestimmungen medizinisch ausreichend sind, ist eine andere Diskussion.

Der Rückschluss einer unzureichenden Dokumentation von medizinischen Zwischenfällen an Bord geht bei Sand et al. auf die Daten von zehn der insgesamt 1 300 angefragten Fluggesellschaften zurück (4). Airlines, die in der Medical Advisory Group der IATA (International Air Transport Association) präsent sind, haben an dieser Befragung nicht teilgenommen, repräsentieren aber mehr als 20 % des weltweiten Personenflugverkehrsaufkommens. Die IATA führt ein jährlich aktualisiertes Register medizinischer Notfälle anhand standardisierter Angaben der Fluggesellschaften durch. An diesem Register beteiligen sich gegenwärtig 26 Fluggesellschaften der Medical Advisory Group. Die Ergebnisse von Sand und Mitarbeitern (4) können somit nicht als repräsentativ für den Industriestandard angesehen werden.

Prof. Schmitz-Huebner weist noch einmal auf die rechtliche Verunsicherung von mitreisenden Ärzten bei medizinischen Notfällen an Bord hin. Die angesprochene schriftliche Enthaftungserklärung stellt nach unserer Kenntnis bei den großen europäischen und außereuropäischen Fluggesellschaften einen Standard dar. Sollte dieses Formular (bei Lufthansa auf der Rückseite des Notfallprotokolls in vier Sprachen) nicht unaufgefordert durch die Crew ausgehändigt werden, fragen sie bitte danach!

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0192

Prof. Dr. med. Jürgen Graf

Prof. Dr. med. Uwe Stüben

Dr. med. Stefan Pump

Medizinischer Dienst

Deutsche Lufthansa AG

juergen.graf@dlh.de

Interessenkonflikt
Die Autoren sind Angestellte der Deutschen Lufthansa.

1.
Cannegieter SC: Travel-related thrombosis. Best Pract Res Clin Haematol 2012; 25: 345–50. Epub 2012 Aug 27. CrossRef MEDLINE
2.
Gupta N, Ashraf MZ: Exposure to high altitude: a risk factor for venous thromboembolism? Semin Thromb Hemost 2012; 38: 156–63. Epub 2012 Feb 17. CrossRef MEDLINE
3.
Graf J, Stüben U, Pump S: In-flight medical emergencies.
Dtsch Arztebl Int 2012; 109(37): 591–602. VOLLTEXT
4.
Sand M, Morrosch S, Sand D, Altmeyer P, Bechara FG: Medical emergencies on board commercial airlines: is documentation as expected? Crit Care 2012; 16: R42. CrossRef MEDLINE
1. Cannegieter SC: Travel-related thrombosis. Best Pract Res Clin Haematol 2012; 25: 345–50. Epub 2012 Aug 27. CrossRef MEDLINE
2. Gupta N, Ashraf MZ: Exposure to high altitude: a risk factor for venous thromboembolism? Semin Thromb Hemost 2012; 38: 156–63. Epub 2012 Feb 17. CrossRef MEDLINE
3.Graf J, Stüben U, Pump S: In-flight medical emergencies.
Dtsch Arztebl Int 2012; 109(37): 591–602. VOLLTEXT
4.Sand M, Morrosch S, Sand D, Altmeyer P, Bechara FG: Medical emergencies on board commercial airlines: is documentation as expected? Crit Care 2012; 16: R42. CrossRef MEDLINE

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