ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2013Reine wissensorientierte Aufklärung zeigt eher geringe Langzeiteffekte
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In der Arbeit von Stamm-Balderjahn et al. wird deutlich aufgezeigt, wie mit ärztlicher Aufklärung ein primär-präventiver Effekt erzielt werden konnte. An der Studie konnten Schüler und Berufsschüler zwischen 12 und 21 Jahren teilnehmen (Durchschnittsalter war circa 16 Jahre). Ein relativ großer Teil der nichtrauchenden Schüler hatte noch nie geraucht (circa 80 %). An dem Präventionsprogramm „Schüler in der Klinik“ sollten Jugendliche über gesundheitliche, persönliche und gesellschaftliche Aspekte des Tabakkonsums aufgeklärt werden. Die Aufklärung erfolgte in einer zweistündigen interaktiven Veranstaltung in einer Berliner Lungenklinik. Es erfolgte eine ärztliche Aufklärung.

Die kinderpsychologische Forschung zeigt, dass eine reine wissensorientierte Aufklärung eher geringe Langzeiteffekte zeigt (1) und eine Vielzahl von Risikofaktoren bei der Suchtprävention zu beachten sind (2). So spielen frühe Auffälligkeiten in der Emotionsregulation (bereits im Kindergartenalter) (3) ebenso eine erhebliche Rolle wie die positive Einstellung zum Rauchen (2) oder ein starkes Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Normfreiheit.

Vor allem sozial-emotionale Aspekte der Entwicklung im Kindesalter müssen berücksichtigt werden, um die Suchtprävention nachhaltig wirksam zu gestalten. Die sozial-emotionale Kompetenz bezieht sich vor allem auf folgende Aspekte: Fähigkeiten zum Aufbau positiver Beziehungen zu Gleichaltrigen, Selbstkontrolle, kooperatives Verhalten, positive Selbstbehauptung und angemessenes Durchsetzungsvermögen. Erfolgreiche Präventionsprogramme sind zeitlich umfangreich (etwa 25 Sitzungen) und in vielen Fällen werden sie einem Kind/Schüler wiederholt im Entwicklungsverlauf angeboten (Schulanfang, Grundschule, Pubertätsbeginn). Zur Effektstabilisierung müssen die Inhalte der Prävention alters- und entwicklungsangemessen wiederholt angeboten werden. Selbstverständlich sind die Inhalte auf die Lebenswelt der Kinder maßgeschneidert auszuarbeiten. Eine ärztliche Aufklärung von zwei Stunden in einer Lungenklinik kann dabei einen wichtigen Ausgangspunkt bilden, jedoch müssen dann sozial-emotionale Kompetenzen (bezogen auf das Suchtthema) im Schulalltag vermittelt und wiederholt eingeübt werden.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0194

Prof. Dr. phil. Franz Petermann

Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen
fpeterm@uni-bremen.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Petermann F, Petermann U: Prävention. Kindh Entwickl 2011; 20: 197–200. CrossRef
2.
Webster-Stratton C, Taylor T: Nipping early risk factors in the bud: Preventing substance abuse, delinquency, and violence in adolescence through interventions targeted at young children (0–8 years). Prev Sci 2001; 2: 165–92. CrossRef MEDLINE
3.
Petermann F, Kullik A: Frühe Emotionsregulation: Ein Indikator für psychische Störungen im Kindesalter? Kindh Entwickl 2011; 20: 186–96. CrossRef
4.
Stamm-Balderjahn S, Groneberg DA, Kusma B, Jagota A, Schönfeld N: Smoking prevention in school students—positive effects of a hospital-based intervention. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(44): 746–52. VOLLTEXT
1. Petermann F, Petermann U: Prävention. Kindh Entwickl 2011; 20: 197–200. CrossRef
2. Webster-Stratton C, Taylor T: Nipping early risk factors in the bud: Preventing substance abuse, delinquency, and violence in adolescence through interventions targeted at young children (0–8 years). Prev Sci 2001; 2: 165–92. CrossRef MEDLINE
3. Petermann F, Kullik A: Frühe Emotionsregulation: Ein Indikator für psychische Störungen im Kindesalter? Kindh Entwickl 2011; 20: 186–96. CrossRef
4.Stamm-Balderjahn S, Groneberg DA, Kusma B, Jagota A, Schönfeld N: Smoking prevention in school students—positive effects of a hospital-based intervention. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(44): 746–52. VOLLTEXT

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