ArchivDeutsches Ärzteblatt41/1998Neue Studien veröffentlicht: Appetitzügler und Herzschäden

SPEKTRUM: Akut

Neue Studien veröffentlicht: Appetitzügler und Herzschäden

Dtsch Arztebl 1998; 95(41): A-2496 / B-2150 / C-1997

Koch, Klaus

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LNSLNS Der Rückruf von drei Medikamenten zur Gewichtsabnahme war richtig. Zwei amerikanische Forschergruppen bestätigen nun, daß Übergewichtige häufiger Anomalien an ihren Herzklappen aufweisen, wenn sie versucht haben, mit Hilfe der Appetitzügler Phentermin und der beiden auch in Deutschland zugelassenen Medikamente Dexfenfluramin (Isomeride®) und Fenfluramin (Ponderax®) abzunehmen. Nach ersten Berichten über solche Schäden waren die drei Medikamente vor fast genau einem Jahr weltweit vorsorglich vom Markt genommen worden. Alleine in den USA hatten mehrere Millionen Übergewichtige die Mittel eingenommen. Allerdings liefern die jetzt im "New England Journal of Medicine" abgedruckten Studien sehr unterschiedliche Zahlen über die Häufigkeit der Herzschäden (1998; 339: 713, 719).

Ärzte der Universität Minneapolis fanden solche Klappenanomalien mit sehr empfindlichen Ultraschalluntersuchungen bei 23 Prozent von 233 Patienten, die die Medikamente bis zu mehreren Jahren eingenommen haben; meist waren die Veränderungen aber so klein, daß die Betroffenen sie nicht spürten. Von unbehandelten Kontrollpersonen wiesen nur 1,3 Prozent solche Defekte auf. Weniger dramatisch sind die Ergebnisse einer Auswertung der Krankenakten von etwa 9 800 Adipösen, die in den letzten Jahren mit diesen Appetitzüglern behandelt worden sind. Die Forscher fanden lediglich in elf Fällen Herzklappenfehler (0,12 Prozent). Demgegenüber fiel die Suche in den Akten von 9 200 unbehandelten Übergewichtigen negativ aus.


Mit Sorge beobachten Experten nun, wie sich die Schäden zukünftig entwickeln. Richard Devereux vom New York Hospital hofft in einem Kommentar, daß sich leichte Veränderungen bei Einnahme unter vier Monaten nur selten zu spürbaren Herzklappenfehlern auswachsen. Diese Hoffnung stützt eine dritte in der Zeitschrift abgedruckte Studie (siehe auch DÄ 37/1998), die bei Übergewichtigen keine statistisch eindeutige Zunahme von Klappenanomalien feststellen konnte, die nur etwa zweieinhalb Monate Dexfenfluramin eingenommen hatten. Weil viele Dicke in den USA aber die Medikamente jahrelang geschluckt und zudem zwei Präparate miteinander kombiniert haben, bereitet die American Heart Association die Kardiologen vorsorglich auf eine Welle von Herzschäden vor. Auf ihrer Jahrestagung wird sie das Thema mit dem Titel "Die heranwachsende Epidemie" behandeln. Klaus Koch

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