ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2013Praxiskonto: Es fehlt an Service und Transparenz

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Praxiskonto: Es fehlt an Service und Transparenz

Dtsch Arztebl 2013; 110(11): A-518 / B-462 / C-462

Vetter, Michael

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Mehr Beratung und weniger böse Überraschungen wünschen sich die Ärzte von ihrer Bank. Foto: dpa
Mehr Beratung und weniger böse Überraschungen wünschen sich die Ärzte von ihrer Bank. Foto: dpa

Das Kundenverhältnis zwischen Praxisinhaber und Bank hat in vielen Fällen unter der Finanz- und Wirtschaftskrise gelitten.

Nicht repräsentativ, aber durchaus aussagefähig: Der Autor dieses Beitrags hat die Ansprüche und Wünsche an die Bankinstitute durch Ärzte, mit denen er im Laufe der vergangenen Jahre unmittelbar zu tun hatte, zusammengefasst und verdichtet. Darin spiegeln sich Konsequenzen aus der Finanz- und Wirtschaftskrise und dem damit einhergehenden Vertrauensverlust in die Finanzbranche ebenso wider wie die Unsicherheiten der Ärzte vor den bevorstehenden Kreditvergaberichtlinien zu Basel III.

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Um dem Leser die Themen strukturiert näherzubringen, werden diese in die drei Finanzbereiche Zahlungsverkehr, Geldanlage und Kreditgeschäft unterteilt:

  • Zahlungsverkehr: Ärzte wünschen sich mehr Informationen über das eigene Kontoführungsmodell und Hinweise, wie es zu optimieren ist. Viele Ärzte haben ihr ursprüngliches Kontoführungsmodell bisher offenbar so gut wie gar keiner kritischen Prüfung unterzogen.

Unsicherheit herrscht häufig auch bezüglich der Möglichkeiten, wesentliche Bankdienstleistungen durch „Electronic-Banking“-Produkte zu unterstützen. Durch die rapide voranschreitende Entwicklung in der Datenverarbeitung sehen Praxisinhaber hier zum Teil erhebliche Optimierungsmöglichkeiten.

Welche Modalitäten gelten, wenn sie ihr Konto vorübergehend überziehen, ist vielen Ärzten nicht bekannt. Sie klagen über kommentarlose Rückgaben von Lastschriften oder hohe Überziehungszinsen. Hierbei handelt es sich offenbar um eine „Blackbox“. Das Prozedere wird bankseitig kaum vermittelt.

Auch welche Alternativen es zum meist kostspieligen Überziehungs- oder Kontokorrentkredit auf dem Praxiskonto gibt, wissen die wenigsten Ärzte. Gleiches gilt für die Frage, wie sich die Zinssätze für diese Kredite zusammensetzen. Auch hier wird offensichtlich zu wenig mit dem Kunden geredet und erklärt.

Wenn das Praxiskonto seit längerem einen Debetsaldo ausweist, sollte die Bank von sich aus Hinweise zu möglichen Umschuldungen geben, meinen manche Ärzte. Andere halten einen solchen Service zwar für wünschenswert, aber nicht zwingend erforderlich, weil der Kunde seine Kontodispositionen selbst im Griff haben sollte.

Erfahrungsgemäß wünschen sich viele Praxisinhaber auch Zusatzdienstleistungen wie die Beratung bei Einzel- und Gemeinschaftskonten, Kontovollmachten oder auch Verfügungen über das Ableben des Kontoinhabers hinaus. Eigentlich handelt es sich hierbei um Randthemen, die aber im Laufe der Jahre oft ein größeres Gewicht erhalten als erwartet (Regelung der Nachfolge beziehungsweise Erbfolge, Änderung der Praxishierarchien et cetera).

  • Geldanlage: Die Ärzte wünschen von ihrer Bank die vollständige Kostentransparenz bei jeder Form von Geldanlage. Dies betrifft sowohl die unmittelbar erkennbaren Transaktions- und Verwaltungskosten als auch jene Kosten, die etwa in Wertpapierkursen oder in Investmentfonds „versteckt“ sind. Dieser Wunsch nach Transparenz gilt auch für die Darstellung der Vor- und Nachteile der heutzutage so unübersichtlich vielen unterschiedlichen Geldanlageformen.

Eingefordert wird zudem, dass die Bank auch über Angebote von Finanzanbietern informiert, die nicht aus dem eigenen Haus oder Bankengruppe stammen.

Viele Ärzte setzen ebenfalls voraus, dass die Bank das eigene Anlageverhalten „überwacht“, also zum Beispiel gegebenenfalls Strategieänderungen anregt. Dazu zählt auch, dass die Bank sich meldet, wenn sich höhere Geldbeträge auf dem Praxiskonto befinden, die entweder gar nicht oder nur minimal verzinst werden.

  • Kreditgeschäft: Die Ärzte erwarten ein hohes Maß an Transparenz im Vorfeld von Kreditentscheidungen. Diese Transparenz sollte neben den Kriterien der individuellen Kreditentscheidung die jeweiligen Zinsen und sonstigen Gebühren ebenso umfassen wie weitere wichtige im Kreditvertrag formulierte Details (eventuelle Kreditverkäufe, Kreditsicherheiten, vorzeitige Tilgungen et cetera).

Als nahezu selbstverständlich erachten fast alle Praxisinhaber die bankseitige Begleitung des Kreditengagements und des jeweiligen Kreditbedarfs während der gesamten Kreditlaufzeit (zum Beispiel Umschuldungsvorschläge, Einbindung von öffentlichen Kreditgebern beziehungsweise von Bürgschaftsbanken) sowie eine regelmäßige Darstellung der Entwicklung der Kreditwürdigkeit und der Bonität.

Michael Vetter

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