ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2013Diabetes mellitus: Nationale Strategie gefordert

POLITIK

Diabetes mellitus: Nationale Strategie gefordert

Dtsch Arztebl 2013; 110(11): A-492 / B-434 / C-434

Richter-Kuhlmann, Eva

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Deutschland braucht eine Nationale Diabetes-Strategie, meint diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und wendet sich mit einer breit angelegten Kampagne an die Politik.

„Diabetes STOPPEN – jetzt!“ Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) und Dietrich Monstadt (CDU) unterstützen die Kampagne. Foto: © Schuering/diabetesDE
„Diabetes STOPPEN – jetzt!“ Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) und Dietrich Monstadt (CDU) unterstützen die Kampagne. Foto: © Schuering/diabetesDE
class="Grundschrift_Initial">Ärzte und Patienten drängen auf die Realisierung einer Nationalen Diabetes-Strategie für Deutschland. Trotz Empfehlung der Europäischen Union gebe es sie hierzulande nicht, während sie in 16 von 27 europäischen Ländern bereits umgesetzt werde, mahnt die Organisation diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe.

Um auf dieses Defizit aufmerksam zu machen, startete die Organisation Anfang März die Kampagne „Diabetes STOPPEN – jetzt!“. Mit ihr will sie das Thema Diabetes mellitus so in die gesellschaftliche Diskussion bringen, dass es nach der Bundestagswahl in diesem Jahr bei den Koalitionsverhandlungen berücksichtigt wird. „Immerhin ist mindestens jeder zehnte Wähler von Diabetes betroffen – das sollte den Politikern ein Gespräch innerhalb des anstehenden Wahlkampfes wert sein“, sagte Prof. Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe und Chefarzt am Kinderkrankenhaus „Auf der Bult“ in Hannover.

Teilweise erhält die Initiative bereits Rückendeckung aus der Politik. „Wir brauchen einen Nationalen Diabetes-Plan“, bekräftigte Renate Künast, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, bei der Vorstellung der Kampagne am 5. März in Berlin. Auch Dietrich Monstadt (CDU/CSU), Mitglied im Gesundheitsausschuss des Bundestages, versprach, sich für neue Präventionsanreize einzusetzen.

Die Kampagne umfasse drei übergeordnete Themenblöcke, erläuterte Danne: Die bestmögliche Versorgung der Menschen mit Diabetes soll gesichert, Maßnahmen zur Förderung des gesunden Lebensstils gefordert und die Selbsthilfe gestärkt werden.

Im Einzelnen stellte die Deutsche Diabetes-Hilfe 20 Forderungen auf. Dazu gehören mehr Lehrstühle für Diabetologie und andere endokrinologische Ausbildungsstätten, die Einrichtung eines „Facharztes für Innere Medizin und Diabetologie“ sowie eine bundesweite Vereinheitlichung der Curricula.

Um einen gesunden Lebensstil zu fördern, fordert sie, den Mehrwertsteuersatz für ungesunde Produkte anhand ihres Fett- und Zuckergehaltes zu erhöhen und jeden Tag eine volle Stunde Sport beziehungsweise Bewegung in der Schule zu etablieren. Verpflichtend sollen Qualitätsstandards für die Schulverpflegung und die Deklaration von Brot- oder Kohlenhydrateinheiten auf allen verpackten Lebensmitteln eingeführt werden. Darüber hinaus verlangt sie, an Kinder gerichtete Werbung für übergewichtsfördernde Lebensmittel und Getränke zu verbieten. Diesen Forderungen pflichtete Künast mit Ausnahme der Etablierung einer Zucker- und Fettsteuer bei: „Von der Stadtentwicklung über die Schule bis zur Lebensmittelwirtschaft – es muss gesellschaftlich ein anderes Bewusstsein für Ernährung und Bewegung geschaffen werden“, sagte die Politikerin.

Initiative fordert Stimmrecht der Patienten im G-BA

Beim dritten Themenblock, der Stärkung der Selbsthilfe, fordert die Initiative vor allem ein Stimmrecht der Patienten im Gemeinsamen Bundes­aus­schuss (G-BA). Bislang haben diese lediglich ein Anhörungsrecht. An die Krankenkassen appelliert die Deutsche Diabetes-Hilfe, stärker mit der Selbsthilfe zu kooperieren und Sportangebote für Kinder mit Typ-1-Diabetes gezielt und so früh wie möglich zu fördern.

Unterstützung erhält die Initiative auch vom Deutschen Hausärzteverband. Dessen Bundesvorsitzender, Ulrich Weigelt, forderte eine neue Versorgungslandschaft. Bislang arbeiteten die Behandler von Diabetes nicht ausreichend Hand in Hand. Notwendig sei eine sektorenübergreifende Versorgung, die den Patienten in den Mittelpunkt stelle, sagte er.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Die Kampagne bietet unter www.diabetes-stoppen.de Informationen und Handlungsanleitungen, anhand derer sich Interessierte in die Kampagne einbringen können. Teil der Aktion ist außerdem die „Post an die Bundeskanzlerin“.

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