ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2013Psychosomatik: Konstruktive Kooperation gefordert
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Die DGPPN hat ihren Namen erweitert um den Begriff „Psychosomatik“. Auf den ersten Blick scheint das vernünftig: Natürlich stimmt die Behauptung des Präsidenten der DGPPN, dass „ . . . psychosomatische Aspekte im Fachgebiet Psychiatrie und Psychotherapie im Sinne der Interaktion von psychischen und körperlichen Faktoren eine herausragende Rolle spielten“. So harmlos, wie diese Erklärung anmutet, ist es aber nicht. Es geht um die „Versorgung auf dem psychosomatischen Gebiet“, die angeblich „in erheblichem Umfang von diesen Fachärzten geleistet“ wird, und für die „angesichts der gesundheitspolitischen Situation“ eine „Weiterentwicklung innerhalb des Faches“ erforderlich sei. (Zitate aus der Pressemitteilung der DGPPN vom 24.11.2012).

Auf diesen Anspruch reagieren die psychosomatischen Fachgesellschaften DGPM und DKPM zu Recht alarmiert: Psychosomatik ist eben nicht eine Subdisziplin von Nervenheilkunde, sondern ein eigenes Fach. Menschen mit psychosomatischen Krankheitsbildern sind nicht primär nervenkrank, sie gehören nicht primär zum Psychiater. Sie sind besser untergebracht bei Therapeut(inn)en, die speziell dafür ausgebildet sind, körperliche und seelische Ursachen integrativ zu betrachten und behandeln. Und die gibt es in Deutschland in großer, wenn sicher auch nicht überall ausreichender Zahl. Die zum 1. Januar 2013 im Rahmen der neuen Bedarfsplanung beschlossene zusätzliche Zulassung von circa 1 150 bis 1 350 Psychotherapeuten bundesweit, mit einer festgelegten Quote von 12,5 Prozent für den Facharzt Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, trägt dem Rechnung. In diese Richtung sollte es weitergehen, zum Wohl der Betroffenen. Dagegen ist mit der Umbenennung der psychiatrischen Fachgesellschaft gesundheitspolitisch ein Versorgungsanspruch verbunden, der sich deutlich und explizit gegen die Belange der psychosomatisch-tätigen Ärztinnen und Ärzte und vor allem der betroffenen Patient(inn)en wendet.

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Die DGPFG (Deutsche Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe) unterstützt den Protest von DGPM und DKPM gegen den Versuch der „Vereinnahmung“ durch die Psychiatrie, die sich in der Namenserweiterung ausdrückt, und fordert statt der Konfrontation die Fortsetzung einer konstruktiven Kooperation, wie wir sie in der DGPFG interdisziplinär pflegen.

Dr. med. Claudia Schumann,
PD Dr. med. Martina Rauchfuß,
Dr. med. Wolfgang Lütje,
Vorstand der DGPFG e.V. (Deutsche Gesellschaft
für psychosomatische Frauenheilkunde und Geburtshilfe), 01067 Dresden

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