ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2013Noch Zu wenig CJK-Fälle werden neuropathologisch gesichert

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Noch Zu wenig CJK-Fälle werden neuropathologisch gesichert

Dtsch Arztebl 2013; 110(11): A-482 / B-430 / C-430

Siegmund-Schultze, Nicola

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Die Inzidenz der Creutzfeldt-Jakob-Erkrankungen (CJK) ist den Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) zufolge in den Jahren 2010 und 2011 im Vergleich zu den Vorjahren angestiegen. Hatte sie noch 2009 – wie in den Vorjahren – bei 0,11 Erkrankungen pro 100 000 Einwohnern gelegen, erhöhte sie sich 2010 auf 0,17 und im Jahr 2011 auf 0,19 Erkrankungen – jeweils pro 100 000 Einwohner. Als Grund nennt das Robert-Koch-Institut, dass sich die CJK-Diagnostik und das Meldeverhalten verbessert hätten (Epid Bull 2013; 4: 31–5).

Von den Erscheinungsformen der humanen spongiformen Enzephalopathien sind drei übermittlungspflichtig: die sporadische CJK, die iatrogene CJK und die variante CJK. Die Surveillance gemäß Infektionsschutzgesetz umfasst nicht die sehr seltenen hereditären und familiären Formen.

Von den übermittlungspflichtigen Formen wurden im Jahr 2010 dem RKI 129 Fälle gemeldet, für das Jahr darauf waren es 140 Fälle. In den Vorjahren (2005 bis 2009) lagen die Meldungen bei 91, 98, 99, 124 und 86 Erkrankungen.

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Wie auch in den vergangenen Jahren ist in Deutschland 2010/2011 kein Fall der varianten CJK aufgetreten. Sie wird durch den Verzehr BSE-kontaminierter Lebensmittel ausgelöst, Studien zufolge ist ebenfalls eine Übertragung durch Bluttransfusionen möglich. Auch iatrogen verursachte Erkrankungen sind dem RKI nicht bekannt geworden. Der letzte iatrogen verursachte Fall stammt von 2007. So handelt es sich bei den Meldungen um sporadische Erkrankungsformen. Die mittlere Überlebenszeit vom Symptombeginn bis zum Tod betrug 2010/11 drei Monate.

Mehr als 82 Prozent der Krankheitsfälle betrafen die Altersgruppe der über 60-Jährigen. Im vorvergangenen Jahr erkrankten zwei Personen zwischen 40 und 44 Jahren an einer CJK, eine Person war jünger als 34 Jahre.

Der Anteil labordiagnostisch bestätigter Fälle verringerte sich von im Mittel 39 Prozent zwischen 2001 bis 2009 auf 25 Prozent 2010 und 2011, der Anteil der neuropathologisch bestätigten Fälle sank von durchschnittlich 34 Prozent auf circa 18 Prozent 2010 und 2011. Die Zahl könne sich aufgrund der oft erheblichen Zeitverzögerung bei den Meldungen noch erhöhen. „Insgesamt werden aber zu wenige CJK-Fälle neuropathologisch gesichert“, schreibt das RKI. Nur diese nämlich seien mit der größtmöglichen Spezifität untersucht und könnten als gesichert gelten.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund Schultze

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