ArchivDeutsches Ärzteblatt11/2013Börsebius: Schlimm, schlimmer, CFD

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Börsebius: Schlimm, schlimmer, CFD

Dtsch Arztebl 2013; 110(11): A-520 / B-464 / C-464

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Bei einer Börsebius-Telefonberatung erzählte mir ein Leser, sein Anlageberater habe ihm eine besonders interessante „Occasion“ anvertraut, die er unbedingt wahrnehmen müsse, genau das würden derzeit viele Family Offices und Leute, die was vom Geldmachen verstehen, durchexerzieren. Es handele sich hierbei um „CFD“, also Contracts for Difference, bei denen es darum ginge, mit einem großen Kredithebel fulminante Gewinne zu erzielen (wobei das Wort Kredit mehr versteckt auftaucht, schönfärberisch werden vielmehr die „leverage“ gepriesen).

Die Spielregeln sind ganz einfach: Der Kunde wettet gegen einen Broker, ob eine bestimmte Aktie oder ein bestimmter Index steigt oder fällt. Dabei muss er nicht die gesamte Summe auf den Tisch legen, mit der er spielt, sondern er zahlt nur eine minimale Sicherheitsleistung, die sogenannte Margin.

In Deutschland sollen allein 40 000 Kunden im CFD-Geschäft tätig sein, und teilweise wird mit dem „Leverage 100“ (also 100facher Kredithebel) ein gigantisches Rad gedreht. Das Problem ist, geht die Spekulation schief, droht erbarmungslos eine Nachschusspflicht. Diese ist umso höher, je höher der gewählte Leverage-Faktor ist. Da kann der Zocker auch mal schnell Haus und Hof verspielen. In Großbritannien übrigens sind solche Papiere als „spread bets“ bekannt, Millionen Briten mischen in diesem hochriskanten Markt mit.

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Wie schön, dass der Anrufer von allein einsah, dass CFD nichts für ihn seien, er bliebe dann doch lieber bei „ETF“, da könne er ja nichts falsch machen. Und da an diesem Samstag gleich mehrere Anrufer ETF gut fanden, möchte ich an dieser Stelle wenigstens versuchen, dieses Anlagevehikel ins rechte – nämlich schiefe – Licht zu rücken.

ETF steht für „Exchange Trades Funds“. Das sind börsennotierte Indexfonds, die einen ganz bestimmten Index abbilden, etwa den Euro-Stoxx oder den DAX. Ein Vorteil der ETF sind die sehr niedrigen Gebühren und, natürlich, die dahinter liegende Story – dass nämlich das Fondsmanagement alle Titel, die zum ausgewählten Index gehören, auch kauft und somit eine Risikodiversifizierung vornimmt. Soweit, so falsch.

Bei der weit überwiegenden Zahl von ETF erwirbt der Indexfonds die zugrunde liegenden Aktien eben gerade nicht, sondern nur Derivate darauf. Im Zweifel also nur wertloses Papier, wohlfeile Versprechungen eben. Mit solchen Luftnummern fing die Finanzmarktkrise an und endete, wie wir alle wissen, mit harschen Verlusten für die Anleger. Ich bin immer wieder überrascht, welche gute Presse ETF haben, sachlich begründet ist das weiß Gott nicht. Merke also, wenn der Berater mit Abkürzungen herumwedelt, ob CFD, ETF oder was es sonst noch alles an Teufelszeug gibt, haben die Alarmglocken gefälligst zu läuten. Schrill und vernehmlich.

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