ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2013MB-Monitor 2013: Mehr Ärzte in Deutschland nötig

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MB-Monitor 2013: Mehr Ärzte in Deutschland nötig

Dtsch Arztebl 2013; 110(12): A-533 / B-477 / C-477

Richter-Kuhlmann, Eva

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Hohe Arbeitsdichte und -belastung sowie unbezahlte Überstunden machen Deutschland für Ärztinnen und Ärzten nicht gerade attraktiv, warnt der Marburger Bund und verweist auf alarmierende Ergebnisse einer Umfrage.

Wir brauchen für eine gute Patientenversorgung mehr Ärztinnen und Ärzte in Deutschland beziehungsweise eine bessere Organisation der Arbeit in den Krankenhäusern und Arbeitszeitmodelle, die dem Wunsch der Ärzte nach weniger Stress Rechnung tragen.“ Das forderte Rudolf Henke, Erster Vorsitzender des Marburger Bundes (MB), anlässlich der Präsentation einer aktuellen Umfrage unter Mitgliedern zur Arbeitszeit Mitte März in Berlin.

Die im Januar und Februar durch das Institut für Qualitätsmessung und Evaluation, Landau, vorgenommene Online-Befragung von 3 309 Krankenhausärzten kam zu einem „alarmierenden Ergebnis“, wie Henke es ausdrückte: Fast drei Viertel der Klinikärzte fühlen sich der Umfrage zufolge durch ihre Arbeitszeiten im Krankenhaus gesundheitlich beeinträchtigt, viele zudem auch in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt. Etwa jeder zweite Krankenhausarzt arbeitet pro Woche inklusive Überstunden und Bereitschaftsdiensten durchschnittlich 49 bis 59 Stunden. Die Mehrheit würde gern ihre Arbeitszeit reduzieren.

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Einen Grund für die gefühlte Erschöpfung der befragten MB-Mitglieder sieht Henke in einer „überproportionalen Arbeitsdichte in Deutschland“. „Wir stehen im Begriff, Deutschland in ein Land der Fließbandmedizin zu verwandeln“, warnte er. Den jährlich fast 18 Millionen Behandlungsfällen in deutschen Krankenhäusern stünden 140 000 Ärztinnen und Ärzte und noch immer 12 000 unbesetzte Stellen im ärztlichen Bereich gegenüber. „Es müssen zusätzliche Stellen geschaffen werden“, meint Henke, auch wenn man dabei an finanzielle Grenzen stoße. Der MB-Vorsitzende wies darauf hin, dass es auch andere Länder geschafft hätten, familienfreundliche Arbeitszeiten an ihren Krankenhäusern zu etablieren.

Änderungsbedarf sieht der Marburger Bund zudem bei der systematischen Erfassung der Arbeitszeiten im Krankenhaus. Denn noch immer geschieht dies der Erhebung zufolge bei mehr als der Hälfte der Krankenhausärzte (53 Prozent) nicht. „Unser Eindruck ist, dass die Krankenhäuser diesen Missstand bewusst zulassen − frei nach dem Motto „was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“, sagte Henke. So hätte jeder fünfte Arzt erklärt, dass seine Überstunden weder vergütet noch mit Freizeit ausgeglichen werden.

Hohe Arbeitsdichte und nicht erfasste und nicht bezahlte Überstunden machten Deutschland aber auch ein Stück weit unattraktiver für ausländische Ärztinnen und Ärzte, betonte der MB-Vorsitzende. Dabei müsse man Anreize für deutsche wie für ausländische Ärzte schaffen. Denn: „Noch immer wandern mehr Ärzte und Ärztinnen aus Deutschland aus, als aus dem Ausland zu uns kommen“, sagte er.

Tatsächlich sind der Statistik der Bundes­ärzte­kammer zufolge im Jahr 2011 3 410 ursprünglich in Deutschland tätige Ärztinnen und Ärzte ins Ausland abgewandert. Die Zahl der in Deutschland gemeldeten ausländischen Ärztinnen und Ärzte stieg 2011 jedoch nur um 3 039. Die Bundes­ärzte­kammer erfasst seit 2005 die Zu- und Abwanderung von Ärztinnen und Ärzten aus dem und ins Ausland. 2011 waren insgesamt 28 355 ausländische Ärzte bei den Ärztekammern gemeldet.

„Die Abwanderung hat weiter zugenommen und liegt auf dem höchsten Niveau seit Beginn der Erfassung. Das belastet die Situation des Ärztemangels in Deutschland“, bekräftigte Armin Ehl, Hauptgeschäftsführer des MB. Die Förderung der Zuwanderung von ausländischen Ärztinnen und Ärzten unterstützt der MB ausdrücklich. Dennoch müssten einheitliche Regeln für die Sprachkenntnisse ausländischer Ärzte und ein einheitliches Verfahren für die Prüfung der medizinischen Kenntnisse der Ärzte aus außereuropäischen Staaten gelten, sagte Ehl.

Der Marburger Bund begrüßt auch die vorläufige Stellungnahme der Bundes­ärzte­kammer zum Verordnungsentwurf der Bundesregierung, mit dem die Berufszugangsregelungen in Deutschland vereinheitlicht werden sollen. Ihm zufolge sollen ausländische Ärztinnen und Ärzte ihre Deutschkenntnisse durch das medizinische Staatsexamen oder eine Kenntnisprüfung kombiniert mit einen Sprachtest auf dem Level „B2“ nachweisen. „Man sollte nicht die Möglichkeit schaffen, sich einer mündlichen Prüfung zu entziehen“, betonte Henke. Gute Sprachkenntnisse seien bei der Arbeit im Krankenhaus unerlässlich.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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