ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2013Metastasiertes kolorektales Karzinom: Überlebensvorteil bei Resektion des primären Tumors

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Metastasiertes kolorektales Karzinom: Überlebensvorteil bei Resektion des primären Tumors

Dtsch Arztebl 2013; 110(12): A-558 / B-497 / C-497

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ein kleiner Teil der Patienten mit kolorektalem Karzinom im Stadium IV wird operiert mit kurativer Intention: Schätzungen zufolge sind es 5 bis 15 Prozent. Ziele der chirurgischen Behandlung sind im Allgemeinen palliativ im Sinne einer Verlängerung und Qualitätsverbesserung des Lebens und als Therapie von Komplikationen des Primärtumors wie Darmperforation, Hämorrhagien und Obstruktionen. In der französischen FFCD*-9601-Studie (Phase III) wurden verschiedene Erstlinien-Chemotherapien für die Behandlung von Patienten mit metastasierten, nichtresektablen kolorektalen Karzinomen verglichen. 294 Patienten wurden in vier verschiedene Arme systemischer Therapieregime randomisiert (Leukovorin plus 5-Fluorouracil [5-FU], 5-FU hochdosiert oder Raltitrexed jeweils als Monotherapie). Bei 216 Patienten, die zum Zeitpunkt der Erstdiagnose Metastasen aufwiesen (synchrone Metastasen), gab es die Option, vor Beginn der systemischen Behandlung den Primärherd zu entfernen. Bei 156 von ihnen erfolgte die Operation.

Die Gruppen der resezierten und nichtresezierten Patienten unterschieden sich nicht in wesentlichen Basischarakteristika mit Ausnahme der Tumorlokalisation: Der Anteil der Patienten mit Rektumkarzinom war niedriger in der Gruppe mit Resektion (14 versus 35 %). Primärer Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben (OS), sekundärer Endpunkt das progressionsfreie Überleben (PFS), beides kalkuliert nach Kaplan-Meier (Logrank-Test).

Nach einem Follow-up von median 33 Monaten (4–56 Monate) lebten durchschnittlich 16,3 % der operierten und 9,5 % der nichtoperierten Patienten (p < 0,0001), das 2-Jahresüberleben betrug 24 % bei den Operierten und 10 % bei den Nichtoperierten (p < 0,0001). Auch im sekundären Endpunkt unterschieden sich beide Gruppen statistisch hochsignifikant: Das PFS lag bei median 5,1 Monaten nach Resektion des Primärtumors und bei 2,9 Monaten in der Gruppe ohne Operation (p < 0,001). In der Multivariatenanalyse erwies sich die Resektion des primären Herdes als stärkster unabhängiger prognostischer Faktor für das PFS (Hazard Ratio [HR] 0,5; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 0,4–0,8; p = 0,0002) und auch für das Gesamtüberleben (HR 0,4; 95-%-KI 0,3–0,6; p < 0,0001).

Gesamtüberleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Patienten mit kolorektalem Karzinom und synchronen Metastasen nach Entfernen oder Belassen des Primärtumors
Gesamtüberleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Patienten mit kolorektalem Karzinom und synchronen Metastasen nach Entfernen oder Belassen des Primärtumors
Grafik
Gesamtüberleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Patienten mit kolorektalem Karzinom und synchronen Metastasen nach Entfernen oder Belassen des Primärtumors

Fazit: Die Entfernung des Primärtumors bei Patienten mit kolorektalem Karzinom und synchronen Metastasen ist in dieser retrospektiven Studie mit einem längeren Gesamt- und progressionsfreien Überleben assoziiert.

„Die Ergebnisse der FFCD-Studie suggerieren, ebenso wie die retrospektiv analysierten Daten der niederländischen CAIRO-/CAIRO-2-Studie, einen Vorteil für die Entfernung des Primärtumors vor Beginn einer Chemotherapie beim synchron metastasierten Kolonkarzinom“, kommentiert Prof. Dr. med. Jürgen Weitz, Direktor der Klinik für Viszeral-, Thorax- und Gefäßchirurgie des Universitätsklinikums Dresden. Ob und inwiefern sich die Resektion in der Palliativsituation günstig auswirke, sei bisher allerdings nicht prospektiv untersucht. Außerdem wäre wichtig zu prüfen, ob eine Operation sich auch in Kombination mit den modernen Systemtherapien als günstig erweist. Weitz: „Unsere randomisierte, multizentrische SYNCHRONOUS-Studie, an der sich Interessierte gern beteiligen können, soll helfen, diese Fragen zu beantworten.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Ferrand F, Malka D, Bourredjem A, et al.: Impact of primary tumour resection on survival of patients with colorectal cancer and synchronous metastases treated with chemotherapy: results from the mulitcenter, randomised trial Fédération Francophone de Cancérologie Digestive 9601. EJC 2013; 49: 90–7. MEDLINE

*FFCD: Fédération Francophone de Cancérologie Digestive

Gesamtüberleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Patienten mit kolorektalem Karzinom und synchronen Metastasen nach Entfernen oder Belassen des Primärtumors
Gesamtüberleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Patienten mit kolorektalem Karzinom und synchronen Metastasen nach Entfernen oder Belassen des Primärtumors
Grafik
Gesamtüberleben (Kaplan-Meier-Kurven) von Patienten mit kolorektalem Karzinom und synchronen Metastasen nach Entfernen oder Belassen des Primärtumors

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Deutsches Ärzteblatt plus
zum Thema

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema