ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2013Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Schwere Exazerbationen bestimmen den natürlichen Verlauf

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Schwere Exazerbationen bestimmen den natürlichen Verlauf

Dtsch Arztebl 2013; 110(12): A-557 / B-496 / C-496

Vetter, Christine

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Wie das Auftreten schwerer Exazerbationen den natürlichen Verlauf einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) sowie die Mortalität beeinflusst, haben kanadische Wissenschaftler mittels einer Kohorte von 73 106 Patienten, die erstmals aufgrund einer COPD hospitalisiert wurden, untersucht. Das mittlere Alter der Studienteilnehmer lag bei 75 Jahren. Die Patienten wurden 17 Jahre lang nachverfolgt, 50 580 von ihnen verstarben in diesem Zeitraum. Die mittlere Zeit von der ersten schweren Exazerbation mit stationärer Behandlung bis zur zweiten betrug 5 Jahre. Die Zeitspanne nahm auf weniger als 4 Monate ab zwischen der 9. und der 10. schweren Verschlechterung der COPD. Insgesamt steigerte sich das Risiko einer weiteren Exazerbation nach dem zweiten Ereignis um das Dreifache und nach der zehnten Exazerbation sogar um das 24-Fache im Vergleich zur initialen COPD-Exazerbation. Die Mortalität betrug 50 % nach 3,6 Jahren und stieg auf 75 % nach 7,7 Jahren. Das Sterblichkeitsrisiko war vor allem in der ersten Woche nach der Klinikaufnahme sehr hoch: Die Mortalitätsrate lag in dieser Zeit bei 40/10 000/Tag, 3 Monate nach dem Ereignis betrug sie 5/10 000/Tag.

Medianer Zeitraum bis zur nächsten schweren Exazerbation der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung oder Tod
Medianer Zeitraum bis zur nächsten schweren Exazerbation der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung oder Tod
Grafik
Medianer Zeitraum bis zur nächsten schweren Exazerbation der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung oder Tod

Fazit: Die Studie belegt die massive Bedeutung von Exazerbationen für den Verlauf der COPD. Zwar ist gut bekannt, dass jede Exazerbation die Prognose des COPD-Patienten verschlechtert, die Studie von Suissa et al. macht aber eindringlich deutlich, dass alle Anstrengungen zu unternehmen sind, bereits die zweite Exazerbation zu verhindern, um das Sterblichkeitsrisiko zu senken. Dies gilt umso mehr, als die Mortalität bei Exazerbationen einer COPD ebenso hoch ist wie nach einem Herzinfarkt, eine Tatsache, die bislang noch zu wenig im allgemeinen Bewusstsein verankert sei, betont Prof. Dr. med. Helgo Magnussen, Pneumologisches Forschungsinstitut an der LungenClinic Grosshansdorf. „Maßnahmen zur Prävention eines Reinfarktes sind in der Kardiologie selbstverständlich, entsprechend konsequente Maßnahmen zur Prävention einer Reexazerbation bei der COPD bislang aber leider nicht“, sagt der Pneumologe. Christine Vetter

Suissa S, et al.: Long-term natural history of chronic obstructive pulmonary disease: severe exacerbations and mortality. Thorax 2012; 67: 957–63. MEDLINE

Die Studie wurde unterstützt von Boehringer Ingelheim.

Medianer Zeitraum bis zur nächsten schweren Exazerbation der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung oder Tod
Medianer Zeitraum bis zur nächsten schweren Exazerbation der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung oder Tod
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Medianer Zeitraum bis zur nächsten schweren Exazerbation der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung oder Tod

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