ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2013Atemwegsinfektionen bei Kindern: Metapneumoviren können gelegentlich dominieren

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Atemwegsinfektionen bei Kindern: Metapneumoviren können gelegentlich dominieren

Dtsch Arztebl 2013; 110(12): A-557 / B-496 / C-496

Meyer, Rüdiger

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Das humane Metapneumovirus (hMPV) wurde als Verursacher schwerer Infektionen der unteren Atemwege bei Kindern im Jahr 2001 entdeckt. Das US-Center for Disease Control and Prevention hat untersuchen lassen, wie häufig die Infektionen zur Erkrankung führen. In den Städten Cincinnati, Nashville und Rochester wurden mehr als 10 000 Patienten untersucht, die wegen unterer Atemwegsinfektion ambulant, in der Notfallaufnahme oder in der Klinik behandelt wurden. In allen drei Gruppen wurden bei 6 bis 7 Prozent der kranken Kinder Metapneumoviren mit Polymerase-Kettenreaktion nachgewiesen.

Die Hospitalisierungsrate durch hMPV-Infektionen wurde auf 1 pro 1 000 Kinder in den ersten 5 Lebensjahren geschätzt. Damit wären hMPV-Erkrankungen der unteren Atemwege bei hospitalisierten Kindern genauso häufig wie Influenza und Parainfluenza (je 1/1 000), nach respiratorischen Syncytialviren (RSV), Corona- und Rhinoviren. Mit 55 auf 1 000 ambulant therapierte Kinder und 13 auf 1 000 in Notfallambulanzen behandelte Patienten waren die Infekte außerhalb der Klinik noch häufiger.

Die Erkrankungen treten meist in den Wintermonaten auf. Der Gipfel folgt mit circa einem Monat Verspätung auf RSV-Infektionen. Im Allgemeinen sind die Infektionen für das Kind ungefährlich. Schwere Verläufe wurden bislang bei Frühgeborenen und Kindern mit chronischen Erkrankungen wie Immunschwäche beobachtet. Risikofaktoren hatten 40 % der stationär und 22 % der ambulant behandelten Kinder. Die Krankheitslast ist nach Einschätzung der Autoren so hoch, dass sie eine Prävention einschließlich Impfung sinnvoll erscheinen lassen. Eine attenuierte Lebendvakzine sei in klinischer Erprobung.

Fazit: Das humane Metapneumovirus war in einer großen Kohortenuntersuchung in den USA ein häufiger Erreger unterer Atemwegsinfekte bei Kindern bis zum 5. Lebensjahr.

„Auch in Deutschland kann hMPV in der kalten Jahreszeit regelmäßig nachgewiesen werden“, kommentiert Dr. med. Benedikt Weißbrich vom Konsiliarlabor für Respiratorische Syncytial-, Parainfluenza- und Metapneumoviren an der Universität Würzburg. „Für Deutschland fehlen Daten aus größeren epidemiologischen Untersuchungen“, erläuterte Weißbrich. „Unser Eindruck ist, dass die hMPV-Infektionsraten von Saison zu Saison stark schwanken. Im Winter 2011/2012 war die Rate bei Kindern vergleichsweise hoch, in diesem Jahr überwiegen dagegen RSV und Influenzaviren. Es ist zu beobachten, dass das hMPV auch in Deutschland immer wieder mal der dominierende Erreger ist.“ Aktuell gebe es Bestrebungen, zirkulierende respiratorische Viren allgemein besser zu erfassen.

Rüdiger Meyer

Edwards KM, Zhu Y, Griffin MR, et al.: Burden of human metapneumovirus infection in young children. NEJM 2013; 368: 633–43. MEDLINE

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