ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2013Tinnitus-Therapie: Akustische CR-Neuromodulation

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Tinnitus-Therapie: Akustische CR-Neuromodulation

Dtsch Arztebl 2013; 110(12): A-570 / B-506 / C-506

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Für Tinnitus-Patienten bietet das am Forschungszentrum Jülich entwickelte Verfahren der akustischen CR(Coordinated Reset)-Neuromodulation eine erfolgversprechende Behandlungsmöglichkeit. Der Therapieansatz beruht darauf, dass chronisch subjektiver Tinnitus durch eine (partielle) Deafferentierung ausgelöst wird. Dies führt zur Ausbildung krankhafter neuronaler Synchronisation in auditorischen und nichtauditorischen Hirnarealen sowie neuronalen Reorganisationsvorgängen. Die Behandlung zielt auf eine wirksame Desynchronisation und ein Verlernen von pathologisch neuronaler Synchronität und Konnektivität in den betroffenen Zielregionen des Gehirns ab.

Bei dem Verfahren der akustischen CR®-Neuromodulation hört der Patient Therapiesignale über kleine medizinische Kopfhörer. Foto: ANM
Bei dem Verfahren der akustischen CR®-Neuromodulation hört der Patient Therapiesignale über kleine medizinische Kopfhörer. Foto: ANM

Bei der Behandlung wird zunächst das Tinnitus-Profil des Patienten bestimmt. „Anschließend wird für jeden Patienten individuell das CR-Therapiesignal berechnet, das an die dominante Tinnitusfrequenz und das Hörvermögen angepasst ist“, erläuterte Prof. Dr. med. Kai Helling, Römerwallklinik, Fachklinik für HNO-Erkrankungen in Mainz, der seit mehr als zwei Jahren die CR-Therapie anwendet. Auf einem mobilen Schallgenerator werden die CR-Therapiesignale programmiert und über medizinische Kopfhörer täglich vier bis sechs Stunden appliziert. Drei Viertel der für die Therapie geeigneten Patienten hätten davon deutlich profitiert, bei einigen sei der Tinnituston phasenweise sogar verschwunden, berichtete Helling.

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In Simulationen konnte gezeigt werden, dass das Verfahren seine Wirkung über ein breites Spektrum von Stimulationsstärken erreicht.1 Gesunde Neuronennetzwerke werden von der Therapie nicht beeinflusst. „Die Ergebnisse verdeutlichen, dass es für die positiven therapeutischen Effekte keine Rolle spielt, ob die betroffenen Nervenzellen direkt gereizt werden oder über Nervenfasern, die die Signale weiterleiten“, erläuterte Prof. Dr. med. Peter Tass, Direktor des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich. „Die CR-Technologie erzielt ihre Wirkung unabhängig davon, ob die Reize elektrisch, also über implantierte Elektroden, oder nichtinvasiv, etwa über akustische Reize wie bei der Tinnitusbehandlung, verabreicht werden.“

Dies war auch ein Ergebnis der RESET-Studie: Danach verringerte die akustische CR-Neuromodulation sowohl die Symptome bei chronisch-tonalem Tinnitus als auch die krankhaft erhöhte neuronale Synchronisation in Tinnitus-assoziierten Hirnarealen deutlich.2 Bereits nach zwölf Wochen Anwendung zeigten voxelbasierte Hirnstromanalysen signifikant positive Effekte der Therapie auf elektroenzephalographische Spektren als Biomarker. Zu verzeichnen waren eine deutliche Rückbildung der pathologischen Hirnrhythmen sowie der pathologischen Interaktion zwischen auditorischem Cortex und nichtauditorischen Arealen. Im gleichen Zeitraum konnten signifikante Verbesserungen in den klinischen Tinnitus-Parametern gezeigt werden. Über den Verlauf von zehn Monaten stabilisierten und verbesserten sich diese Effekte.

Infos: www.tinnitus-aktuell.de, www.anm-medical.com EB

1 Popovych OV, Tass PA: Desynchronizing Electrical and Sensory Coordinated Reset Neuromodulation. Front. Hum. Neurosci. 2012 (6:58). doi:10.3389/fnhum.2012.00058.

2 Tass PA et al.: Counteracting tinnitus by acoustic coordinated reset Neuromodulation. Restorative Neurology and Neuroscience 30, 2, 2012, 137–59.

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