ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2013Vergewaltigung: Moralisches Handeln
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Wir sind von der Nachrichtenindustrie, ob in Printmedien, Radio, Fernsehen oder Internet gewohnt, dass oft keine Zeit und keine Ressourcen für sorgfältige Recherche vorhanden sind beziehungsweise den Journalisten zugestanden werden . . . Dass aber in „unserem“ DÄ, wo Sachverstand beileibe reichlich vorhanden ist, auch noch drei Wochen nach dem „Skandal“ um zwei katholische Krankenhäuser in Köln keine vollumfängliche Darstellung der belegten Fakten gebracht wird, sondern im Stil Bericht und Kommentar vermischt werden, kann nicht unwidersprochen bleiben!

  • Es ging um Dokumentation, nicht um Verordnung der Pille danach, denn die hatte die junge Frau schon (wie Sie richtig schreiben).
  • Die Dokumentation konnte die fragliche Klinik nicht leisten, da sie nicht im ASS-Verbund ist. Eine Annahme der telefonisch angekündigten Patientin wäre so, als wenn ich ein Polytrauma-Opfer annehme, obwohl ich weder ein Intensivbett noch einen Neurochirurgen im Dienst habe!
  • Sie schreiben, eine Verordnung der „Pille danach“ müsse so organisiert werden, „dass die Patientin nicht zusätzlich belastet werde“. Das war ja nie der Fall! Durch einen weiteren Telefonanruf bei einer anderen Klinik wurde vielleicht die Kollegin in der Notfallambulanz, nicht aber die Patientin belastet: Sie stand ja nicht vor der Kliniktür und wurde weggeschickt, wie es glauben gemacht wurde!
  • Sind Sie sich sicher, dass dem „Patientenwohl“ der Frau am meisten gedient ist, wenn sie eine Abtreibung schnell und ohne viel Aufhebens bekommt? Braucht sie nicht viel mehr intensive Begleitung, Gespräche, auch um die Frage, was mit dem Kind wäre, so sie wirklich schwanger wäre? Oft sind die Vergewaltigenden keine Fremden, sondern Männer aus dem Umfeld. Wie steht die Frau im weiteren zu ihnen? Will sie Anzeige erstatten, ja oder nein? Und will sie vielleicht sogar dem Kind das Leben schenken? Dies ist nicht so unvorstellbar, wie es gerne glauben gemacht wird! Das ist moralisches Handeln, nicht die schnelle Abspeisung der Frau mit einer Pille! . . .

Wir haben unter der Ärzteschaft vielfältige ethische und religiöse Überzeugungen. Das darf, ja muss in unserer pluralen Gesellschaft auch so sein! . . .

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Wenn in den Medien zwei katholische Krankenhäuser und die dort arbeitenden Kollegen in den letzten Wochen ohne Kenntnis der Details äußerst heftig kritisiert wurden, sollte sich das DÄ hinter unsere Kollegen stellen, anstatt sich der Schelte aus Halbwissen anzuschließen! Es gab keinen Skandal außer der Medien-Hetze!

Prof. Dr. Dr. Hans Pistner,
Dr. Ines Pistner,
99094 Erfurt

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