ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2013Vergewaltigung: Leichtfertig und unkritisch
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. . . In den überwiegenden Fällen geht es bei der „Pille danach“ nicht um die Problematik einer Vergewaltigung – bei der das Leid der betroffenen Frau unbedingt ernst zu nehmen ist und auch die Abgabe durchaus differenziert gesehen werden kann –, sondern um „Verhütungspannen“ oder ungeschützten Geschlechtsverkehr. Und hier ist in der Tat zu fragen, ob nicht zum einen auch auf das Leben des ungeboren Kindes hingewiesen werden sollte, welches sich in seinem frühesten und schutzlosesten Lebensabschnitt befindet und ob nicht in vielen Fällen die Pille danach viel zu leichtfertig und unkritisch verabreicht wird. Auch angesichts der Nebenwirkungen dieser zehnfachen Hormondosis einer herkömmlichen Pille und bestehender Kontraindikationen besteht für die Pille danach zu Recht eine Verschreibungspflicht.

Die Autorin schließt ihre Randnotiz mit den Worten „Was ist das für eine Ethik, die einer vergewaltigten Frau die Pille danach verwehrt?“. Hier sollte die Frage erlaubt sein: Was wäre das für eine Ethik, die unkritisch die Pille danach verschreibt, ohne auch nur einmal das womöglich entstehende Leben eines Kindes wenigstens zu erwähnen? Was könnte denn das Kind für die Art und Weise seiner Entstehung? Und wenn Sie als Leser dieser Zeilen heute erfahren würden, dass Sie durch eine Vergewaltigung entstanden wären (was in den Geburtenjahren 1945 bis 1947 zum Beispiel recht häufig der Fall war), würden Sie dann nicht mehr leben wollen? Was wäre das für eine Ethik, die die Frage nach der Notwendigkeit, Nebenwirkungen und Risiken der „Pille danach“ überhaupt erst gar nicht anspricht? . . .

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Dr. med. Michael Kiworr, 68199 Mannheim

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