ArchivDeutsches Ärzteblatt12/2013Europakongress unter neuer Präsidentschaft: Evolution statt Revolution

POLITIK

Europakongress unter neuer Präsidentschaft: Evolution statt Revolution

Dtsch Arztebl 2013; 110(12): A-542 / B-484 / C-484

Spielberg, Petra

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„Es geht auch um die Frage, wie die Gesundheitssysteme gestärkt aus der Krise hervorgehen können.“ Helmut Brand, Präsident des European Health Forums. Foto: EHFG 2012
„Es geht auch um die Frage, wie die Gesundheitssysteme gestärkt aus der Krise hervorgehen können.“ Helmut Brand, Präsident des European Health Forums. Foto: EHFG 2012

Helmut Brand ist neuer Präsident des Europäischen Gesundheitskongresses in Gastein. Während seiner Amtszeit will der deutsche Arzt das Gesundheitsmandat der EU weiterentwickeln.

Welches Europa wollen wir in der Gesundheitspolitik haben?“ Das ist eine zentrale Frage, die dem neuen Präsidenten des European Health Forums Gastein (EHFG), Prof. Dr. med. Helmut Brand, auf den Nägeln brennt. Seit vergangenem Herbst leitet der gebürtige Deutsche und Vorstand der Abteilung für Internationale Gesundheit der Universität Maastricht den jährlich im österreichischen Gastein stattfindenden europäischen Gesundheitskongress.

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Das EHFG wurde 1998 gegründet und gilt als der wichtigste gesundheitspolitische Kongress der Europäischen Union (EU). Brand hat die Leitung von dem österreichischen Internisten und Gesundheitspolitiker, Prof. Dr. med. Günther Leiner, übernommen. Vor seinem Wechsel nach Maastricht war er in Deutschland unter anderem als Politikberater sowie in leitender Funktion im öffentlichen Gesundheitsdienst tätig.

Grundsätzlich umgestalten will Brand das europäische Gesundheitsforum nicht. „Es wird keine Revolution geben, ich setze auf Evolution: Das Gasteinertal als Veranstaltungsort, das generelle Format des Kongresses, die Einbindung der vier Säulen Politik, Forschung, Industrie und Zivilgesellschaft – all das kommt hervorragend an und soll beibehalten werden.“

Dennoch will er auch neue Akzente setzen, vor allem um das Thema Gesundheit wachzuhalten, das nach Ansicht von Brand in der Diskussion um die Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise viel zu kurz kommt. „Die derzeitige wirtschaftspolitische Situation bietet eine große Chance gerade auch für Reformen im Gesundheitswesen, bei denen es weniger um Kosteneinsparungen gehen sollte als um die Frage, wie die Gesundheitssysteme gestärkt aus der Krise hervorgehen können.“ Public Health müsse die Lösungsstrategien zur Bewältigung der Finanz- und Wirtschaftskrise mahnend begleiten, fordert Brand.

Für reformbedürftig hält er auch das erstmals in den EU-Verträgen von Maastricht im Jahr 1992 fixierte Gesundheitsmandat der EU. Die Weiterentwicklung dieses Mandats soll aus zwei Gründen ein zentraler Diskussionspunkt auf dem diesjährigen EHFG werden. „Zum einen, weil sich die Herausforderungen für Public Health und für die Gesundheitssysteme seit Maastricht massiv verändert haben. Zum anderen wegen der aktuellen Diskussionen über eine Weiterentwicklung der europäischen Architektur an sich.“ Brand spielt dabei auf die Vision von den Vereinigten Staaten von Europa an.

Vor diesem Hintergrund ist es dem EHFG-Präsidenten ein wichtiges Anliegen, das Europäische Parlament als institutionellen Ansprechpartner in gesundheitspolitischen Fragen auf europäischer Ebene zu stärken. Eine weitere Rolle sollte nach Meinung Brands der Ausbau des europäischen Gesundheitsinformationssystems spielen, damit Daten über Gesundheitsindikatoren als Basis für politische Strategien rasch und flächendeckend zur Verfügung stehen.

Ausgebaut werden soll aber auch der Blick über die EU-Grenzen hinaus: „Europäische Gesundheitsthemen auch im globalen Kontext zu sehen und die globale Vernetzung voranzutreiben, all das gewinnt enorm an Bedeutung, zum Beispiel auch vor dem Hintergrund der derzeit diskutierten europäisch-amerikanischen Freihandelszone“, sagt Brand. Hier müsse sich die EU gesundheitspolitisch klar positionieren, um rechtzeitig die Weichen mitstellen zu können.

Erste Ansätze für eine globale Zusammenarbeit sind schon vorhanden. So gibt es einen langjährigen Austausch des EHFG mit dem Südosteuropäischen Gesundheitsnetzwerk SEEHN, einen gesundheitspolitischen Dialog mit den GUS-Staaten sowie eine gewachsene Zusammenarbeit mit Taiwan. Eine Zukunftswerkstatt in Form von Hintergrundgesprächen mit Entscheidungsträgern sowie Diskussionsveranstaltungen zwischen den jährlichen Kongressen sollen das bisherige EHFG-Programm künftig ergänzen.

Petra Spielberg

Der Kongress

Das European Health Forum Gastein wurde 1998 gegründet und gilt als der wichtigste gesundheitspolitische Kongress der Europäischen Union. In den letzten Jahren haben an der jährlich stattfindenden Veranstaltung jeweils etwa 600 Entscheidungsträger aus 45 Staaten teilgenommen. Diskutiert wurde über Themen wie „Die Zukunft der Gesundheitssysteme“, „Public Health“, „Gesundheit und soziale Sicherheit“, „Innovationen oder die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Gesundheits- und Sozialsysteme“.

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