ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2013Bayer AG: Klagewelle schmälert den Gewinn

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Bayer AG: Klagewelle schmälert den Gewinn

Dtsch Arztebl 2013; 110(13): A-628 / B-557 / C-557

Prenzel, Petra

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Vor allem die Verhütungspille Yasmin bereitet dem Konzern Ärger.

Eine Flut von juristischen Klagen hat das Jahresergebnis des deutschen Chemie- und Pharmakonzerns Bayer stark belastet. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Verhütungspille Yasmin. Zehntausende Frauen in den USA sehen sich durch die Einnahme der Pille gesundheitlich geschädigt und gehen mit Sammelklagen gegen Bayer vor. Yasmin steht im Verdacht, Thrombosen zu verursachen. Um außergerichtliche Vergleiche mit circa 4 800 Frauen bezahlen zu können, stellte Bayer im vergangenen Geschäftsjahr 1,2 Milliarden Euro zurück. Insgesamt stiegen die Sonderbelastungen von 876 Millionen Euro im Jahr zuvor auf 1,7 Milliarden Euro. Das schmälerte den Gewinn des Unternehmens: Vor Steuern und Zinsen sank er um 4,6 Prozent auf 3,96 Milliarden Euro. Rechnet man die Sonderbelastungen heraus, wäre der Gewinn um 12,9 Prozent auf 5,67 Milliarden Euro gestiegen. Wie gut die Geschäfte liefen, zeigt das Umsatzplus von 8,8 Prozent auf etwa 39,8 Milliarden Euro – ein historischer Rekordwert.

Bayer-Vorstandschef Marijn Dekkers blickt optimistisch in die Zukunft. „Wir erwarten für 2013 und darüber hinaus eine Fortsetzung des Rekordkurses“, sagte er bei der Präsentation der Jahreszahlen im März in Leverkusen. Zu Bayer gehören die Konzernbereiche Agrarchemie, Gesundheit und Kunststoffe. In allen drei Bereichen seien sowohl der Umsatz als auch der bereinigte Gewinn gestiegen, berichtete der Konzernchef. Der Niederländer Dekkers leitet das Unternehmen seit 2010.

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In diesem Jahr werde der Umsatz währungsbereinigt um vier bis fünf Prozent auf einen Konzernumsatz von rund 41 Milliarden Euro steigen. Der Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen sowie Sondereinflüssen soll im mittleren einstelligen Prozentbereich steigen.

Trotz der hohen Rückstellungen ist das Risiko der amerikanischen Klageflut noch nicht gebannt. Im Februar war über die Klagen von circa 13 600 weiteren Frauen noch nicht entschieden worden. Finanzvorstand Werner Baumann sprach auf der Bilanzpressekonferenz von einer „Klageindustrie von US-Anwälten“. Bayer ist durch die Übernahme von Schering im Jahr 2006 zum weltgrößten Produzenten von Verhütungsmitteln aufgestiegen. Der Umsatz mit Verhütungsmitteln der Yasmin-Präparatefamilie lag im vergangenen Jahr bei etwa 1,1 Milliarden Euro.

Verkaufsverbot für Diane 35?

Hart trifft Bayer auch das drohende Verkaufsverbot für sein Aknemedikament Diane 35 in Frankreich. Das Medikament wird oft auch als Antibabypille verschrieben. Die französische Arzneimittelaufsicht hatte Bayer Ende Januar aufgefordert, Diane 35 innerhalb von drei Monaten vom Markt zu nehmen. Das Medikament wird für vier Todesfälle verantwortlich gemacht. Frauen entstünde ein vierfach erhöhtes Risiko von Blutgerinnseln, die Lungenembolien und Schlaganfälle auslösen könnten. „Wir stimmen nicht mit der Auffassung der französischen Behörden überein“, erklärte Finanzvorstand Baumann bei der Bilanzpressekonferenz. „Wir sind überzeugt, dass unsere Präparate sicher und wirksam sind, wenn sie ordnungsgemäß eingenommen werden“, ergänzte Konzernchef Dekkers.

Ärger in Indien

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Zulassung von Generikakonkurrenz für das Bayer-Medikament Nexavar in Indien. Das indische Patentamt hatte der Pharmafirma Nacto im März erlaubt, sein Generikum weiterhin zu verkaufen. Nexavar wird zur Behandlung von Leber- und Nierenkrebs eingesetzt. „Wir haben eine Menge Ärger mit einem Urteil wie diesem, da das im Kern besagt, dass in Indien Patentschutz überhaupt nichts bedeutet“, sagte Dekkers.

Dabei werden Geschäfte mit den sogenannten Schwellenländern für Bayer immer wichtiger. Dort stieg der Umsatz im vergangenen Jahr doppelt so stark wie in den Industrieländern. Auch in Nordamerika sei das Geschäft gut gelaufen, in Europa dagegen verhalten, berichtete der Konzern.

Dekkers betonte, dass Bayer auch in Zukunft alle drei Geschäftsbereiche behalten wolle. Das gelte auch für den Bereich Kunststoffe. In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Spekulationen gegeben, Bayer könnte die Kunststoffsparte verkaufen. „Es ist wichtig, dass Bayer ein diversifiziertes Geschäftsmodell hat“, sagte der Bayer-Chef. Für die Agrarsparte kündigte Dekkers kleine und mittlere Übernahmen an. Schon bald würden neue Produkte aus den Bereichen Pflanzenschutz und Saatgut auf den Markt kommen.

Petra Prenzel

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