ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2013Börsebius: Göttliche Wegelagerer

GELDANLAGE

Börsebius: Göttliche Wegelagerer

Dtsch Arztebl 2013; 110(13): A-630 / B-558 / C-558

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Just gestern Abend bin ich in Lissabon eingetroffen, und gleich springt mir der Name einer Bank mehrfach ins Auge: „Banco Espirito Santo“*. Wie es kommt, dass mich dieser Name, selbsterklärend genug, unwillkürlich an die Commerzbank denken lässt, weiß ich auch nicht so recht.

Vielleicht hat es damit zu tun, dass es das deutsche Geldinstitut auf himmlische Art und Weise schafft, quasi vom Teufel zum engelsgleichen Wesen zu mutieren. Die Nachricht, das von Martin Blessing geführte Haus werde in wenigen Monaten die stillen Einlagen des Staates vollständig zurückzahlen, hat schon fast göttlichen Charakter. Wie wir alle wissen, hat der Staat im Zuge der Finanzkrise das fast marode Institut mit Milliarden gerettet, und nun soll alles gut werden, nichts ist schiefgegangen, nichts draufgezahlt, bei allen Heiligen, wer hätte das gedacht?

Nichts ist gut. Alles vielmehr eine Farce. Zunächst einmal hat die Commerzbank das Geld, das sie zurückzahlen will, weiß Gott nicht oder noch nicht verdient. Das nötige Kleingeld holt sich die Commerzbank vielmehr über eine, genauer gesagt mehrere milliardenschwere Kapitalerhöhungen von seinen Aktionären. Es ist klar, dass damit gewaltige Verwässerungseffekte verbunden sind. Bisherige Aktionäre blicken somit derzeit auf Kursverluste im hohen zweistelligen Prozentbereich. Ein Analyst meinte jüngst, den Aktionären werde mit den Erhöhungen schlicht und ergreifend in den Hintern getreten. Wohl wahr.

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Und nun zurück zum Staat. Dieser ist ja mit einer Sperrminorität an der Bank beteiligt. Und um diese zu sichern, musste er die Rückzahlungen von stillen Einlagen durch Aktienkäufe „wettmachen“, sowie die bisherigen Kapitalerhöhungen mit zeichnen. Das heißt in aller Schlichtheit, der Staat zahlte frisches Geld ein, das kaum da, fast schon wieder futsch ist. Bisher zahlte Deutschland an die Commerzbank auf diese Art und Weise 5,1 Milliarden Euro, die jetzt nur noch 1,75 Milliarden wert sind. Mit anderen Worten. Erst wenn die Aktie wieder bei 3,47 Euro stünde, wäre der Verlust egalisiert. Glaubt das jemand wirklich? Der Bund und somit die Steuerzahler, also wir alle, finanzieren also die eingangs genannten guten Nachrichten bei der Commerzbank mit eigenen gewaltigen finanziellen Beiträgen. Eine moderne Form der Raubritterei also. Das kann ja wohl alles nicht richtig sein.

Falls die Commerzbank irgendwann eine Namensänderung in Erwägung zöge: Wie wäre es denn mit Banco de Ladra? Klingt gut für deutsche Ohren, und wer weiß schon, dass damit die Bank der Wegelagerer gemeint wäre. Endlich mal ein Name, bei dem Werbung und Wirklichkeit nahe beieinander stehen. Gewissermaßen die Bank an Ihrer Seite. Oder hinter Ihnen.

*Der Name „Banco Espirito Santo“ geht auf Gründer „José Maria do Espírito Santo e Silva“ zurück, hat also per se nichts Göttliches, zumal das Haus mit Lotteriegeschäften groß wurde.

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