ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2013Kalzifizierung von Herzklappen: Einfluss des Polymorphismus im Lipoprotein-a-Gen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Kalzifizierung von Herzklappen: Einfluss des Polymorphismus im Lipoprotein-a-Gen

Vetter, Christine

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Kann die Kalzifizierung von Herzklappen durch eine genetische Disposition begünstigt werden? Diese Frage ist in einer genomweiten Assoziationsstudie (GWA) untersucht worden. Eingeschlossen waren 6 942 Teilnehmer mit Kalzifizierung der Aortenklappe und 3 795 Teilnehmer mit Kalzifizierung der Mitralklappe, jeweils gesichert mittels Computertomographie. Es ergab sich eine signifikante Assoziation zwischen einem Einzelnukleotidpolymorphismus (SNP) in dem für Lipoprotein (Lp) a kodierenden Gen mit einer Kalzifizierung der Aortenklappe (Odds Ratio pro Allel 2,05, p = 9,0 × 10–10). Der Befund wurde in verschiedenen ethnischen Kohorten repliziert. Es zeigte sich außerdem eine Assoziation der genetisch determinierten Lp-a-Spiegel mit einer Aortenkalzifizierung.

In prospektiven Analysen wurde ferner eine Assoziation des Lp-a-Genotyps mit einer erworbenen Aortenklappenstenose (Hazard Ratio [HR] 1,68; 95-%-Konfidenzintervall [KI] 1,32–2,15) sowie einem Aortenklappenersatz (HR 1,54; 95-%-KI 1,05–2,27) nachgewiesen. Auch diese Befunde wurden in einer weiteren Kohorte bestätigt.

Die GWA-Studie ergab auch eine signifikante Assoziation von zwei SNPs im proinflammatorischen Gen IL1F9 mit einer Kalzifizierung der Mitralklappe (p = 1,5 × 10–8 und p = 1,8 × 10–8). Dieser Befund wurde bislang nicht eindeutig repliziert.

Fazit: Für die Entwicklung einer degenerativen Aortenklappenstenose gibt es eine genetische Komponente, die mit dem Lipidstoffwechsel assoziiert ist und damit auch eine Brücke zur Arteriosklerose der Gefäße schlägt, erläutert Prof. Dr. med. Christian Hamm, Herz- und Thoraxzentrum der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Noch lasse sich daraus keine therapeutische Konsequenz ziehen, da es keinen wirksamen medikamentösen Ansatz gebe, das Lipoprotein a zu beeinflussen. Andererseits sei das Risiko bei diesem seltenen Genotyp (5–6 %) auch nur um etwa zwei Drittel erhöht. Deshalb, sagte Hamm, helfe diese Erkenntnis in der klinischen Praxis bei dem häufigsten Klappenfehler im Alter derzeit noch nicht weiter, eröffne aber wichtige, neue Forschungsperspektiven. Christine Vetter

Thanassoulis MD, Campbell CY, et al.: Genetic associations with valvular calcification and aortic stenosis. NEJM 2013; 368: 503–12. MEDLINE

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