ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2013Notfallsanitäter: Kaum ein Unterschied
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. . . Ich befinde mich derzeit im praktischen Teil der Ausbildung zum Rettungsassistenten und verfolge daher mit großem Interesse die Diskussion um das neue Notfallsanitätergesetz . . .

Im Entwurf des Notfallsanitätergesetzes sind die Kompetenzen des neuen Notfallsanitäters genauestens beschrieben, jedoch kann ich bei Betrachtung meiner Tätigkeit im Rettungsdienst kaum einen Unterschied zum derzeitigen Aufgabenspektrum des Rettungsassistenten erkennen.

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Die einzige Neuerung und damit Kompetenzerweiterung ist die in
§ 4 Absatz 2 Satz 2 c NotSanG beschriebene eigenständige Durchführung heilkundlicher Maßnahmen nach Delegation durch den zuständigen ärztlichen Leiter Rettungsdienst. Herr Dr. Wesser, Sie schreiben, dass diese Handlungskompetenz zu weit in den ärztlichen Bereich verschoben wird. Dabei kann jeder ärztliche Leiter Rettungsdienst frei entscheiden, inwieweit er seine Notfallsanitäter heilkundliche Maßnahmen am Patienten ergreifen lässt. Das kann von der liberalen Freigabe vieler Medikamente und Maßnahmen über die bisher empfohlenen Maßnahmen gemäß der Stellungnahme der BÄK von 1992 bis hin zum völligen Verbot oder besser zum nicht Freigeben heilkundlicher Maßnahmen, soweit sie nicht vom § 34 StGB gedeckt sind, reichen. Daher ist Kraft des vorliegenden Gesetzentwurfes keine Erweiterung der Kompetenzen des Notfallsanitäters in Richtung der unkontrollierten Ausübung der Heilkunde zu befürchten. Herr Dr. Wesser, Sie befürworten in Ihrem Text eine durch die längere Ausbildungszeit „deutlich verbesserte Kompetenz“. Aber Sie sehen anhand meiner Darstellung, dass lediglich das Fachwissen des Notfallsanitäters erweitert wird, daraus aber bisher eher keine Erweiterung der Kompetenzen resultiert. Sie gehen ja sogar noch weiter und lehnen es ab, dass der Notfallsanitäter selbst über den Notarzteinsatz entscheidet. Sie wollen also die bisherigen Kompetenzen des Rettungsassistenten sogar noch beschneiden. Denn die Einschätzung des Gesundheitszustandes und die daraus resultierende Entscheidung über den Notarzteinsatz wollen Sie die Leitstelle treffen lassen (die auch „nur“ von Rettungsassistenten respektive Notfallsanitätern besetzt ist).

Bei lebensbedrohlichen Zuständen ist selbstverständlich ein Notarzt mit fundierten Fachkenntnissen notwendig. Es kann aber gerade im ländlichen Bereich durchaus sein, dass der Patient eher davon profitiert, vom Notfallsanitäter anbehandelt, sofort und ohne zeitliche Verzögerung durch Wartezeit und eine nochmalige notärztliche Untersuchung und Therapie in die Notaufnahme gefahren zu werden und dort spezifisch durch Fachärzte behandelt zu werden. Viele Patienten profitieren vom Faktor Zeit. Und auch wenn Sie keinen Personalmangel im Notarztdienst sehen, kann die Wartezeit auf den Notarzt häufig die Transportzeit ins Krankenhaus übersteigen und damit einen unnötigen Zeitnachteil in der Patientenbehandlung verursachen. Auch wenn damit dem Recht auf notärztliche Behandlung Genüge getan wurde, kann dies einen großen Nachteil für den Patienten bedeuten! Durch eine gewisse Entscheidungsfreiheit des Notfallsanitäters oder Rettungsassistenten wird dann nicht die ärztliche Arbeit substituiert, sondern im Gegenteil, deren Einsetzen erheblich beschleunigt . . .

Ferdinand Worel, 14169 Berlin

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