ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2013Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Adhärenz wesentlich für den Verlauf

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Chronisch-obstruktive Lungenerkrankung: Adhärenz wesentlich für den Verlauf

Dtsch Arztebl 2013; 110(13): A-627

Siegmund-Schultze, Nicola

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Zu den wichtigsten Therapiezielen bei COPD gehört, Exazerbationen vorzubeugen, die das Mortalitätsrisiko erhöhen. Das schnell und über den ganzen Tag wirkende Anticholinergikum Glycopyrronium lässt sich einfach und zuverlässig anwenden.

Die chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD) gehört zu den häufigen Diagnosen in der Hausarztpraxis. Charakteristisch sind die Symptome chronischer Husten, Auswurf und Atemnot, anfangs nur unter Belastung. Aktuell wird die Prävalenz der COPD in Deutschland auf 13,2 Prozent geschätzt.

COPD-Prävalenz 13 Prozent

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Dabei leiden schätzungsweise fünf Prozent der Bevölkerung unter COPD im GOLD1-Stadium II und etwa ein Prozent unter den schweren und schwersten Formen (GOLD-Stadien III und IV). Das Bundesamt für Statistik weist 26 018 Sterbefälle durch COPD für 2011 aus. Dabei erhöht jede Exazerbation das Risiko für eine weitere und das Sterblichkeitsrisiko, wie eine aktuelle Kohortenanalyse mit 73 106 Patienten bestätigt hat (Thorax 2012; 76: 957–63).

Eines der Ziele der Behandlung von COPD-Patienten sei zum einen die Reduktion der Symptome, um die Belastungskapazität, die Mobilität und die Lebensqualität zu verbessern, sagte der niedergelassene Lungenfacharzt Dr. med. Rainer Gebhardt aus Berlin bei den 2. Novartis-Pneumologentagen in Berlin. Zum anderen gelte es, Exazerbationen zu therapieren und ihnen möglichst effektiv vorzubeugen, um Krankheits- und Mortalitätsrisiken zu reduzieren.

Um diese Ziele zu erreichen, sei die Therapieadhärenz von wesentlicher Bedeutung. Verschiedenen Schätzungen zufolge haben zehn bis 40 Prozent, maximal aber die Hälfte der COPD-Patienten eine gute Therapieadhärenz, bei der mindestens 80 Prozent der Medikamente verordnungsgemäß angewandt werden. Die Gründe für unzureichende Compliance sind vielfältig: Komorbiditäten gehörten zu den Ursachen, aber auch eine falsche Anwendung von Medikamenten, etwa durch mangelndes Inhalationstraining, erklärte Prof. Dr. med. Felix Herth von der Thoraxklinik Heidelberg. Dabei habe eine Studie mit 4 880 COPD-Patienten ergeben, dass die Adhärenz statistisch hochsignifikant mit einer Verringerung der Mortalität und der exazerbationsbedingten Klinikaufenthalte assoziiert sei (Thorax 2009; 64: 939–43).

Die Adhärenz ist unter anderem von der Zahl und der Anwendungsfrequenz der Medikamente abhängig. Die nur einmal am Tag erforderliche Inhalation des langwirksamen M1- und M3-Muskarin-Rezeptorantagonisten Glycopyrronium über das leicht handhabbare Inhalationsgerät Seebri® Breezhaler® könne dazu beitragen, die Therapieadhärenz zu erhöhen, berichtete Gebhardt über Erfahrungen aus der eigenen Praxis. Der Atemzugswiderstand sei gering, die Dosisfreisetzung konstant und unabhängig von der Atemflusslimitierung, der Patient könne über drei verschiedenartige Signale die Inhalation der kompletten Wirkstoffdosis zuverlässig kontrollieren. Die über das Mundstück abgegebene Dosis des Anticholinergikums beträgt 44 µg.

Schnelle, anhaltende Effekte

Wirksamkeit und Sicherheit des Medikaments seien in drei Phase-III-Untersuchungen des Studienprogramms GLOW2-I/II/III mit knapp 2 000 Patienten belegt worden, berichtete Herth. In diesen zulassungsrelevanten Studien betrug die Zunahme der Einsekundenkapazität (FEV1-Wert) bereits fünf Minuten nach Inhalation von Glycopyrronium bis zu 93 ml, nach 15 Minuten waren es 144 ml. Die Verbesserungen der Atemfunktionen durch Glycopyrronium waren im Tagesverlauf (24 Stunden) den Placeboanwendungen signifikant überlegen (p < 0,001, außer 16 und 22 Stunden), persistierten über die Behandlungsdauer der Studien (52 Wochen) und waren zu fast allen Zeitpunkten klinisch relevant. In der GLOW-II-Studie trat die Wirkung der neuen Substanz im Vergleich mit unverblindet verabreichtem Tiotropium signifikant schneller ein. Die Bronchodilatation hält ab der ersten Dosis mehr als 24 Stunden an.

Schutz vor Exazerbationen

Die gesundheitsbezogene Lebensqualität hatte sich bei Patienten der GLOW-III-Studie nach 52 Wochen im Vergleich zu Placebo signifikant und in vergleichbarem Maß wie unter Tiotropium gebessert, die Zeit bis zum Auftreten der ersten mittelschweren oder schweren Exazerbation wurde um 34 Prozent im Vergleich mit Placebo verlängert (Hazard Ratio [HR] 0,66; p = 0,001; Tiotropium: HR 0,61; p = 0,001).

Das Inhalationsgerät erzeugt bei der Wirkstofffreisetzung einen hohen Anteil ultrafeiner Partikel des Trockenpulvers (Partikeldurchmesser < 5 µm), die auch in kleinste Bronchiolen und Lungenalveolen vordringen. So ist auch bei Patienten mit schwerer COPD und geringen inspiratorischen Atemwegsflüssen eine zuverlässige Wirkstoffdeposition gewährleistet. Das Medikament ist im Herbst 2012 europaweit zugelassen worden

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

1GOLD Global Initiative for chronic obstructive lung disease

2GLOW Glycopyrroniumbromide in COPD airways clinical studies

Therapietreue als Herausforderung bei COPD:
Seebri®Breezhaler®-Presse-Vernissage während der 2. Novartis-Pneumonologentage in Berlin

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