ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2013Morbus Parkinson: Frühe tiefe Hirnstimulation bessert die Lebensqualität

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Morbus Parkinson: Frühe tiefe Hirnstimulation bessert die Lebensqualität

Dtsch Arztebl 2013; 110(13): A-615 / B-547 / C-547

Heinzl, Susanne

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Bei Morbus Parkinson im fortgeschrittenen Stadium mit schweren, Levodopa-induzierten motorischen Komplikationen bessert die tiefe Hirnstimulation (THS) Bewegungsstörungen. Unklar war bislang, ob auch Patienten in früheren Erkrankungsstadien von der THS profitieren können. Diese Frage wurde in der EARLYSTIM*-Studie untersucht.

Bei der THS werden in einem stereotaktischen Eingriff bilateral Elektroden in das zerebrale Zielgebiet implantiert und mit einem Impulsgeber verbunden. Dieser erzeugt elektrische Reize, die die Aktivität der Nervenzellen wenige Millimeter im Umkreis der Elektroden blockieren. So wird die krankhaft veränderte Nervenzellaktivität, die den gestörten Bewegungsabläufen bei Parkinson zugrunde liegt, gezielt gehemmt. Die Stimulationsparameter des Impulsgebers können von außen angepasst werden.

251 Patienten in Deutschland und Frankreich (Durchschnittsalter: 52 Jahre, mediane Dauer der Erkrankung: 7,5 Jahre) wurden randomisiert mit THS plus Medikamenten oder nur medikamentös behandelt. Primärer Endpunkt war die Lebensqualität, ermittelt mit dem Parkinson’s Disease Questionnaire (PDQ-39). Nach zwei Jahren wiesen die operierten Patienten eine um 26 % verbesserte Lebensqualität im Vergleich zu den nur medikamentös therapierten auf (p = 0,002). Auch wichtige sekundäre Endpunkte wie motorische Störungen (p < 0,001), Aktivitäten des täglichen Lebens (p < 0,001), Levodopa-induzierte, motorische Komplikationen (p < 0,001) und Zeitdauer mit guter Beweglichkeit und ohne Dyskinesien (p = 0,01) besserten sich durch THS signifikant im Vergleich zu Medikamenten allein.

Schwere unerwünschte Wirkungen traten bei 54,8 % der THS-Gruppe und bei 44,1 % der Patienten mit alleiniger medikamentöser Therapie auf. Bei 17,7 % der Patienten kam es zu schweren Nebenwirkungen im Zusammenhang mit der Implantation der Elektroden oder des Impulsgebers, es traten aber keine bleibenden Schäden auf.

Lebensqualität (LQ) von Parkinsonpatienten, erhoben mit dem Parkinson’s Disease Questionnaire (PDQ-39): Positive Werte zeigen Verbesserungen an
Lebensqualität (LQ) von Parkinsonpatienten, erhoben mit dem Parkinson’s Disease Questionnaire (PDQ-39): Positive Werte zeigen Verbesserungen an
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Lebensqualität (LQ) von Parkinsonpatienten, erhoben mit dem Parkinson’s Disease Questionnaire (PDQ-39): Positive Werte zeigen Verbesserungen an

Fazit: „Diese Studie ist ein weiterer Meilenstein für die Therapie von Parkinsonpatienten“, kommentiert Prof. Dr. med. Heinz Reichmann, Dresden. „Die Studie belegt eindeutig, dass die Kombination von tiefer Hirnstimulation plus Medikamenten der alleinigen Einnahme von Medikamenten überlegen ist. Dies war bisher für Patienten gültig, bei denen Medikamente allein nicht mehr in der Lage waren, motorische Fluktuationen zu verhindern. Nun wissen wir, dass der Einsatz von tiefer Hirnstimulation auch schon früher sinnvoll ist. Wir müssen also unser Konzept, die tiefe Hirnstimulation als Spättherapie anzuwenden, überdenken.“

Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Schuepbach WMM, Rau J, et al.: Neurostimulation for parkinson’s disease with early motor complications. NEJM 2013; 368: 610–22. MEDLINE

*EARLYSTIM = Controlled Trial of Deep Brain Stimulation in Early Patients with Parkinson’s Disease

Lebensqualität (LQ) von Parkinsonpatienten, erhoben mit dem Parkinson’s Disease Questionnaire (PDQ-39): Positive Werte zeigen Verbesserungen an
Lebensqualität (LQ) von Parkinsonpatienten, erhoben mit dem Parkinson’s Disease Questionnaire (PDQ-39): Positive Werte zeigen Verbesserungen an
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Lebensqualität (LQ) von Parkinsonpatienten, erhoben mit dem Parkinson’s Disease Questionnaire (PDQ-39): Positive Werte zeigen Verbesserungen an

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