ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2013Elsa Brändström (1888–1948): Tausenden wurde sie Lebensretterin

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Elsa Brändström (1888–1948): Tausenden wurde sie Lebensretterin

Dtsch Arztebl 2013; 110(13): A-625 / B-555 / C-555

Löschke, Petra

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Am 26. März vor 125 Jahren wurde der „Engel von Sibirien“ geboren.

Zeichnung: Elke R. Steiner
Zeichnung: Elke R. Steiner

Den Leitsatz „Il faut payer de sa personne“ gab General Brändström, schwedischer Gesandter in St. Petersburg, seinen Kindern auf den Weg. Er bedeutet in etwa: Tue alles von ganzem Herzen – deine Persönlichkeit ist die Währung deines Lebens. Seine Tochter Elsa nahm diesen Leitsatz ernst. So war es bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs für sie selbstverständlich, sich ausbilden zu lassen und als Schwester des St.-Georg-Ordens russische Verwundete zu pflegen. Als sie im Lazarett auch deutsche Kriegsgefangene sah, war sie erschüttert. Die medizinische Versorgung war schlecht, und die Bedingungen, unter denen die Verwundeten den Weg in die Gefangenenlager antraten, waren katastrophal. Brändström wurde Schwester des Schwedischen Roten Kreuzes und begann ihren langen und zähen Kampf um das Überleben und die Heimkehr dieser Männer.

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Von 1915 bis 1920 reiste Elsa Brändström Tausende Kilometer unter strapaziösen Umständen durch Russland. Durch beherztes Eingreifen verhinderte sie die Erschießung von Gefangenen. In einem Lager konnte sie die hygienischen und medizinischen Bedingungen so verändern, dass die Sterberate der Gefangenen von 80 auf 18 Prozent sank. Stets ging es ihr dabei auch um die Stärkung des Lebenswillens und der Würde der Kriegsgefangenen. Für Tausende von ihnen wurde sie zur Lebensretterin. Das brachte ihr den Namen „Engel von Sibirien“ ein.

Eine Frau mit großer Tatkraft

Sie hatte erkannt, dass viele Gefangene seelische Schäden davongetragen hatten. Aus diesem Grunde errichtete sie 1922 ein Arbeitssanatorium in der Uckermark und ein Kurheim in Bad Marienborn bei Schmeckwitz, um den Heimkehrern auf ihrem Weg zurück ins Leben zu helfen. In Alt-Mittweida gründete sie ein Heim für deren Kinder und Waisen. In den sieben Jahren des Bestehens wurden hier 2 933 Kinder betreut.

1934 ging sie mit ihrem Mann in die USA und entzog sich so dem Zugriff der Nationalsozialisten. In den USA stand sie vor den Nazis flüchtenden Menschen bei. Sie initiierte auch in dieser Situation Hilfe zur Selbsthilfe und ermutigte etwa Immigrantenfrauen, ihre Fähigkeiten zum Unterhalt der Familie und zur Unterstützung anderer einzusetzen.

1945 versuchte Elsa Brändström, die Not der Kinder in Deutschland zu lindern. Auch wenn sie in den USA dabei zunächst auf Unverständnis und Ablehnung stieß, packte sie gespendete Lebensmittel und Kleidung in Holzkisten und organisierte den Transport über Schweden nach Deutschland. Aus dieser Aktion ging die Organisation CARE hervor, die in der Wortkombination „CARE-Pakete“ vielen noch in guter Erinnerung ist.

Elsa Brändström war eine Frau mit großer Tatkraft. Ihre Hilfe war unsentimental und praktisch. Gleichzeitig besaß sie eine ungewöhnliche Ausstrahlung und hatte die Gabe, jedem das Gefühl der Zuwendung zu vermitteln, Hoffnung zu wecken und Würde zu verleihen. Sie war und ist Vorbild durch ihr Handeln. Ihre Rede über „Liebestätigkeit als völkerversöhnende Macht“ schließt sie 1925 mit den Worten: „Sich kennenlernen und verstehen sind die Brückenköpfe, an die Menschen glauben und sich für sie begeistern zu können, sind die Pfeiler, auf denen die Liebesarbeit ruhen muss, wenn sie der Völkerversöhnung dienen soll.“

Petra Löschke

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