ArchivDeutsches Ärzteblatt13/2013Mentorenprogramme: Renaissance an der Uni

POLITIK

Mentorenprogramme: Renaissance an der Uni

Dtsch Arztebl 2013; 110(13): A-601 / B-535 / C-535

Richter-Kuhlmann, Eva

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Um den medizinischen Nachwuchs für die ärztliche Tätigkeit zu begeistern, erlebt ein altes Prinzip eine Neubelebung: Mentoren betreuen individuell Studierende.

Ja, es herrscht Ärztemangel in Deutschland. Die entscheidende Frage ist aber: Wie gehen wir damit um?“, sagt Dr. med. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen. Richtig und wichtig seien Gegenmaßnahmen, wie Koordinierungsstellen Allgemeinmedizin, die die Weiterbildung zum Hausarzt erleichterten, Netzwerkbildung, Stipendienvergabe und nicht zuletzt auch der Einsatz von Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland. „Doch es fehlt den Studierenden oft der Bezug zur späteren Tätigkeit als Arzt, manche haben keine genauen Vorstellungen von den späteren Arbeitsfeldern“, beschreibt sie ein weiteres Problem.

Alltag zum Anfassen

Anzeige

Deshalb hat die Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen auf Initiative von Lundershausen Ende 2011 ein Mentorenprojekt ins Leben gerufen, das sich bereits an der Uni an Studierende richtet. Mit ihm soll künftigen Medizinern frühzeitig die Möglichkeit gegeben werden, durch direkten Kontakt zu gestandenen Kollegen aus dem stationären und dem niedergelassenen Bereich, den ärztlichen Alltag unmittelbar kennenzulernen. Die Mentoren seien wiederum gefordert, ein ärztliches Leitbild zu entwickeln, das die Studierenden motiviert, im Arztberuf tätig zu werden. Auch die Lan­des­ärz­te­kam­mer Schleswig-Holstein hat ein Mentoringprogramm ins Leben gerufen, zunächst für junge Ärztinnen. Dabei werden Tandems gebildet aus einer berufserfahrenen Mentorin und der Mentee. Mittlerweile gibt es etwa 50 davon.

Zu den Studierenden, die das Angebot der Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen nutzen, gehört Sebastian Findeklee aus Jena. Er hospitiert in der Praxis von zwei Frauenärzten und nahm bereits unentgeltlich an einem Ultraschallkurs sowie Vorträgen und Schulungen teil. „Meine Mentoren haben sich viel Zeit für persönliche Gespräche mit mir genommen und mich auch äußerst kompetent in Sachen Weiterbildungsstätte beraten“, berichtet Findeklee. Kontakt zu ihnen will er auch während der Weiterbildungszeit halten. „Dies ist insbesondere deshalb interessant, weil ich später möglicherweise im niedergelassenen Bereich arbeiten werde, gerne auch in Thüringen.“

Trotz der rundum guten persönlichen Erfahrungen kennt Findeklee jedoch kaum einen Kommilitonen, der ebenfalls an dem Mentorenprogramm teilnimmt. Damit es künftig noch mehr Studierende nutzen können, werden inzwischen in Thüringen bereits Studienanfänger darauf aufmerksam gemacht. Auch die Studienpläne an den Universitäten sollten so ausgerichtet werden, dass der „Mentorentag“ fester Bestandteil werde, berichtet Lundershausen.

Viele medizinische Fakultäten bieten ebenfalls seit einiger Zeit Mentorenprogramme an, beispielsweise die Fakultäten in Dresden, Frankfurt am Main, Halle, Jena, Leipzig, Magdeburg und München. „Mentorenprogramme an Universitäten sind sehr sinnvoll. Es wäre schön, wenn sie noch häufiger in Anspruch genommen würden“, meint Dr. med. Dagmar Schneider, Leiterin der Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin bei der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, aus ihrer Erfahrung mit Studierenden. Koordinierungsstellen für die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin sind bereits in fast allen Bundesländern angesiedelt und bieten den künftigen Hausärzten meist auch Mentoren an.

Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #645176
Kret08
am Freitag, 5. April 2013, 09:50

Mentorenprogramm auch in Lübeck

Sehr geehrte Kollegin,
ich wollte nur darauf hinweisen, dass auch in Lübeck seit Jahren ein Mentorenprogramm für Medizinstudent/Innen exisiert.
Beste Grüße Dr.C.Schuster

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema