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Nach der Definition der Europäischen Leitlinien handelt es sich bei dem von Herrn Dr. Weth beschriebenen Brustkrebsfall um ein typisches Intervallkarzinom: Der Tumor wurde außerhalb des Krebs-Früherkennungsprogramms nach einer negativen Screening-Untersuchung und vor der nächsten regulären Screening-Runde diagnostiziert, dabei habe das Karzinom auch bei nachträglicher erneuter Befundung kein sichtbares Korrelat in der Screening-Mammographie gezeigt. Es handelt sich hinsichtlich der Kategorisierung daher um ein sogenanntes „echtes Intervallkarzinom“. Die Annahme, dass der Tumor bereits zum Zeitpunkt des Screenings in einer im Ultraschall detektierbaren Größe bestanden habe, ist eine Vermutung.

Eine aktuelle Ultraschallstudie aus dem nationalen Mammographie-Screening-Programm zeigt, dass bei Betrachtung größerer Untersuchungszahlen (n = 2 803) die Entdeckung zusätzlicher Mammakarzinome im Rahmen der Abklärungsdiagnostik durch eine systematische beidseitige Ultraschalluntersuchung mit 0,21 % gering ist (6/2 803) (1), wenngleich einzelne Brustkrebserkrankungen bei negativer Screening-Mammographie durch eine ergänzende Sonographie diagnostiziert werden.

Gegenstand einer sich gegenwärtig durch uns in Vorbereitung befindenden Publikation ist unter anderem die Verteilung der verschiedenen histologischen Subtypen des Mammakarzinoms in Abhängigkeit von der Modalität der Entdeckung. Wir stimmen Dr. Weth zu, dass invasive lobuläre Mammakarzinome (ILC) etwa 20 % der Brustkrebserkrankungen ausmachen. Vor Einführung des Mammographie-Screening-Programms betrug in NRW der Anteil bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren 19,2 %. Im Vergleich dazu findet man aber bei den Screening-detektierten Tumoren nur einen geringfügig niedrigeren Anteil von ILC, und auch unter den Intervallkarzinomen ist dies nicht wesentlich anders. Wäre die in NRW eingesetzte digitale Mammographie in der Früherkennung des ILC – insbesondere bei dichtem Brustdrüsengewebe – eingeschränkt, so müsste dieser Tumortyp unter den Intervallkarzinomen deutlich überrepräsentiert sein. Dies ist aber sicher nicht der Fall.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0253b

Dr. med. Oliver Heidinger

Geschäftsführer, Epidemiologisches Krebsregister
Nordrhein-Westfalen gGmbH, Oliver.Heidinger@krebsregister.nrw.de

Dipl.-Soz. Wolf Ulrich Batzler

Dr. med. Stefanie Weigel

Prof. Dr. med. Walter Heindel

Prof. Dr. med. Hans-Werner Hense

Interessenkonflikt

Dr. Heidinger ist Geschäftsführer, Dipl.-Soz. Batzler und Dr. Krieg sind Angestellte des Epidemiologischen Krebsregisters NRW gGmbH.

Dr. Weigel ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der Westfälischen Wilhelm-Universität Münster, Fachbereich Medizin, und erbringt wissenschaftliche Dienstleistungen in Forschung und Lehre, unter anderem für das Drittmittelprojekt Referenzzentrum Mammographie am Universitätsklinikum Münster.

Dr. Biesheuvel war bis zu seinem Tod als Epidemiologe für das Drittmittelprojekt Referenzzentrum Mammographie am Universitätsklinikum Münster tätig.

Prof. Heindel leitet verantwortlich das Drittmittelprojekt Referenzzentrum Mammographie am Universitätsklinikum Münster. Er verwaltet weitere Drittmittel für Forschungsprojekte zur Brustkrebsfrüherkennung der EU (High resolution X-ray Imaging for Improved Detection and Diagnosis of Breast Cancer (HighRex), EU-Project Contract No. 037642) sowie des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS).

Prof. Hense verwaltet Drittmittel vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) für

Forschungsprojekte zur Brustkrebsfrüherkennung.

Alle Autoren mit Ausnahme von Dr. Krieg waren und/oder sind als Referenten

der UKM Akademie GmbH in Fortbildungsveranstaltungen zur Qualifikation,

Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der im Rahmen des Mammographie-Screening-Programms tätigen Ärztinnen und Ärzte sowie radiologischen

Fachkräfte tätig und werden für die beauftragte Leistung honoriert.

1.
Weigel S, Bieheuvel C, Berkemeyer S, et al: Digital mammography screening: how many breast cancers are additionally detected by bilateral ultrasound examination during assessment? Eur Radiol DOI 10.1007/s00330–012–2664– MEDLINE
2.
Heidinger O, Batzler WU, Krieg V, Weigel S, Biesheuvel C, Heindel W, Hense HW: The incidence of interval cancers in the German mammography screening program—results from the population-based cancer registry in North Rhine–Westphalia. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(46): 781–7 MEDLINE
1.Weigel S, Bieheuvel C, Berkemeyer S, et al: Digital mammography screening: how many breast cancers are additionally detected by bilateral ultrasound examination during assessment? Eur Radiol DOI 10.1007/s00330–012–2664– MEDLINE
2.Heidinger O, Batzler WU, Krieg V, Weigel S, Biesheuvel C, Heindel W, Hense HW: The incidence of interval cancers in the German mammography screening program—results from the population-based cancer registry in North Rhine–Westphalia. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(46): 781–7 MEDLINE

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