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Frau Dr. Boguschs sehr wohl berechtigter Einwand, für den wir danken, gibt Gelegenheit, methodisches Vorgehen und dessen Problematik bei sekundärer Nutzung von hausärztlichen Routinedaten genauer darzustellen.

Einen direkten Arzt-Patient-Kontakt (APK) an einem Tagesdatum haben wir, zusätzlich zur Versicherten- oder Chronikerpauschale des EBM 2000 plus, immer auch dann angenommen, wenn Hausbesuche, Wegegelder für Ärzte, notfallmäßige Betreuungen, Leistungen zur Unzeit, im Ärztlichen Notdienst, kleine Chirurgie, Sonographie, Belastungs-EKG, Vorsorge- und Früherkennungsuntersuchungen, psychosomatische Grundversorgung und weitere nicht delegierbare ärztliche Leistungen abgerechnet wurden. Wir untersuchten mehr als 17 Millionen Gebührenordnungsziffern und berücksichtigten dabei 24 (EBM96), 29 (EBM05) bzw. 33 (GOÄ82/95) Abrechnungspositionen.

Insofern wurden stattgehabte APK aus den vorliegenden Primärdaten weitgehend abgebildet. Dennoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass 1996 bis 2006 weitere APK stattgefunden haben, die nicht abgerechnet und damit in den untersuchten Routinedaten nicht wiedergefunden wurden.

Dies ist ein Teil der bekannten Problematik bei Sekundärdatennutzung: Die primäre Datengenerierung erfolgt für einen anderen Zweck als den der wissenschaftlichen Fragestellung (1). Veränderungen der Rahmenbedingungen, der Parameter-Ausprägungen oder ihrer Bewertungen über die Zeit hinweg zwingen dazu, Routinedaten zurückhaltend, in gründlicher Kenntnis des Umfelds ihrer Gewinnung und methodisch systematisch für Zwecke der Versorgungsforschung zu nutzen (2). Schlussfolgerungen müssen vorsichtig gezogen werden und diese Einschränkungen berücksichtigen.

Weil es an verlässlichen und aktuellen Daten zur tatsächlichen Inanspruchnahme ambulanter Versorgung weitgehend mangelt, ist die sekundäre Routinedatennutzung dennoch unverzichtbar und vielversprechend. Möglicherweise sind technische (scientific use file, einheitliche AIS-Schnittstellen und Datenübertragungsstandards), organisatorische (Sentinelpraxen, Beobachtungspraxennetz) und inhaltliche (Qualitätszirkel forschender Hausarztpraxen) Maßnahmen zukünftig zu implementieren, um Qualität, Vergleichbarkeit und Ergiebigkeit hausärztlicher Primärdaten zu verbessern.

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0254b

Dr. med. Johannes Hauswaldt, MPH

Abteilung Allgemeinmedizin, Georg-August-Universität Göttingen
Johannes.Hauswaldt@med.uni-goettingen.de

Prof. Dr. med. Eva Hummers-Pradier

Dr. med. Ulrike Junius-Walker

Interessenkonflikt
Alle Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Swart E, Ihle P (eds.): Routinedaten im Gesundheitswesen. Handbuch Sekundärdatenanalyse: Grundlagen, Methoden und Perspektiven. Verlag Hans Huber, Bern. 1. Auflage, 2005.
2.
Ihle P, Swart E: GPS – Gute Praxis Sekundärdatenanalyse: Revision nach grundlegender Überarbeitung. Gesundheitswesen 2008; 70: 54–60 CrossRef MEDLINE
3.
Hauswaldt J, Hummers-Pradier E, Junius-Walker U: Health service use among patients with chronic or multiple illnesses, and frequent attenders—secondary analysis of routine primary care data from 1996 to 2006. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(47): 814–20 VOLLTEXT
1.Swart E, Ihle P (eds.): Routinedaten im Gesundheitswesen. Handbuch Sekundärdatenanalyse: Grundlagen, Methoden und Perspektiven. Verlag Hans Huber, Bern. 1. Auflage, 2005.
2.Ihle P, Swart E: GPS – Gute Praxis Sekundärdatenanalyse: Revision nach grundlegender Überarbeitung. Gesundheitswesen 2008; 70: 54–60 CrossRef MEDLINE
3.Hauswaldt J, Hummers-Pradier E, Junius-Walker U: Health service use among patients with chronic or multiple illnesses, and frequent attenders—secondary analysis of routine primary care data from 1996 to 2006. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(47): 814–20 VOLLTEXT

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