ArchivMedizin studieren2/2013Mentorenprogramme: Eine Vertrauenssache

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Mentorenprogramme: Eine Vertrauenssache

Deutsches Ärzteblatt Studieren.de, 2/2013: 12

Richter-Kuhlmann, Eva

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Wer weiß zu Beginn des Studiums schon, wie es wirklich im ärztlichen Berufsalltag zugeht? Antworten kann ein Mentor geben, Programme gibt es bereits einige.

Ja, es herrscht Ärztemangel in Deutschland. Die entscheidende Frage ist aber: Wie gehen wir damit um?“, sagt Dr. med. Ellen Lundershausen, Vizepräsidentin der Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen. Richtig und wichtig seien Gegenmaßnahmen, wie Koordinierungsstellen Allgemeinmedizin, die die Weiterbildung zum Hausarzt erleichtern, Netzwerkbildung, Stipendienvergabe und nicht zuletzt auch der Einsatz von Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland. „Doch es fehlt den Studierenden oft der Bezug zur späteren Tätigkeit als Arzt, manche haben keine genauen Vorstellungen von den späteren Arbeitsfeldern“, beschreibt sie ein weiteres Problem.

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Deshalb hat die Lan­des­ärz­te­kam­mer (LÄK) Thüringen auf Initiative von Lundershausen Ende 2011 ein Mentorenprojekt ins Leben gerufen. Mit ihm soll künftigen Medizinern frühzeitig die Möglichkeit gegeben werden, durch direkten Kontakt zu gestandenen Kollegen aus dem stationären und dem niedergelassenen Bereich, den ärztlichen Alltag unmittelbar kennenzulernen und mögliche Anforderungen, aber auch Freude sowie Erfüllung im angestrebten Beruf zu erleben. Die Mentoren seien wiederum gefordert, ein ärztliches Leitbild zu entwickeln, das junge Studenten motiviert, im Arztberuf tätig zu werden.

„Neben dem Einblick in den Berufsalltag steht der Mentor auch für Fragen zur Studien- und Karriereplanung zur Verfügung.“Ellen Lundershausen,Vizepräsidentin der Landesärztekammer Thüringen. Foto: LÄK-Thüringen
„Neben dem Einblick in den Berufsalltag steht der Mentor auch für Fragen zur Studien- und Karriere­planung zur Verfügung.“
Ellen Lundershausen,Vize­präsidentin der Landes­ärzte­kammer Thüringen. Foto: LÄK-Thüringen

Zu den Studierenden, die das Angebot der Lan­des­ärz­te­kam­mer nutzen, gehört Sebastian Findeklee aus Jena. Von der Möglichkeit, einen Mentor zu erhalten, hörte er Ende letzten Jahres bei einer Informationsveranstaltung der Kammer für Absolventen. „Im November 2012 hatte ich meine letzte Prüfung und befand mich in dieser Zeit in der Entscheidungsphase, welche Facharztweiterbildung ich aufnehmen soll“, berichtete er dem Deutschen Ärzteblatt Studieren.de. „Da ich mich sehr für das Fachgebiet Frauenheilkunde und Geburtshilfe interessiere, nahm ich per E-Mail Kontakt zu den Mentoren der LÄK-Thüringen auf, von denen ich wusste, das sie Frauenärzte sind, nämlich Dr. med. Detlef Brückmann und Dr. med. Andreas Brückmann in Erfurt, Vater und Sohn.“ Noch am gleichen Tag erhielt Findeklee von ihnen eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch in der Praxis. Alles Weitere hätte sich wie von selbst ergeben, berichtet er. „Ganz ohne Gegenleistung“ durfte er, wie er sagt, in der Praxis der beiden Fachärzte hospitieren, nahm unentgeltlich an einem dreitägigen Ultraschallkurs in der Praxis mit praktischen Übungen sowie Vorträgen und Schulungen teil. „Zudem haben sich die beiden viel Zeit für persönliche Gespräche mit mir genommen und mich äußerst kompetent und nach bestem Wissen und Gewissen in Sachen Weiterbildungsstätte beraten“, erzählt Findeklee.

Der Absolvent hat gerade auch eine Zusage für eine Weiterbildungsstelle an einem Universitätsklinikum bekommen. „Letztlich habe ich das meinen Mentoren mit zu verdanken“, räumt er ein. Sie hätten ihm empfohlen, sich an einer Uniklinik zu bewerben, um alle Facetten des Fachgebiets kennenzulernen und „erst mal für alles offen zu sein“. „Ursprünglich wollte ich mich nämlich an einem kleinen Haus bewerben“, sagt Findeklee. Da er jedoch ein großes Interesse an der Endokrinologie und Reproduktionsmedizin habe, sei die Entscheidung, zunächst an ein großes Zentrum zu gehen, wohl doch die bessere gewesen. „Das Mentoring ist eine tolle Sache“, resümiert Findeklee. „Und eine Vertrauenssache.“

Kontakt zu seinen Mentoren will er auch jetzt während der Weiterbildungszeit halten. „Dies ist aus meiner Sicht insbesondere deshalb interessant, weil ich mich selbst mit dem Gedanken trage, später einmal im niedergelassenen Bereich zu arbeiten, gerne auch in Thüringen“, erklärt Findeklee. Trotz der rundum guten persönlichen Erfahrungen kennt er jedoch kaum einen Kommilitonen, der ebenfalls an dem Mentorenprogramm teilnimmt. „Das ist schade“, sagt er und hofft, dass das Programm künftig stärker wahrgenommen und genutzt wird. „Denn letztlich kann man nur profitieren.“

Damit künftig noch mehr Studierende die Vorteile eines Mentorings nutzen können, werden sie inzwischen in Thüringen nicht erst in der Spätphase ihres Studiums darauf aufmerksam gemacht, sondern bereits zu Beginn des Studiums. Auch die Studienpläne an den Universitäten sollten so ausgerichtet werden, dass der „Mentorentag“ fester Bestandteil wird, berichtet Lundershausen. So kann den Studierenden frühzeitig die Möglichkeit gegeben werden, einen persönlichen Bezug zur praktischen Medizin zu entwickeln. „Vorgesehen ist, dass der Studierende seinen Mentor in regelmäßigen Abständen in Klinik oder Praxis halb- bis ganztägig begleitet. Neben dem Einblick in den Berufsalltag steht der Mentor auch für Fragen zur Studien- und Karriereplanung zur Verfügung und kann Tipps aus seiner Erfahrungswelt geben.“ Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Wie finde ich einen Mentor?

  • Wer einen Mentor oder eine Mentorin sucht, wird häufig auch an seiner Heimatuniversität fündig. Viele medizinische Fakultäten bieten seit einiger Zeit Mentorenprogramme an, beispielsweise die Fakultäten in Dresden, Frankfurt am Main, Halle, Jena, Leipzig, Magdeburg.
  • Auch die Lan­des­ärz­te­kam­mer Schleswig-Holstein hat ein Mentoring-Programm ins Leben gerufen, zunächst für junge Ärztinnen. Dabei werden Tandems gebildet aus einer berufserfahrenen Mentorin und der Mentee. Alle interessierte Studentinnen und junge Ärztinnen können sich bewerben. Etwa alle zwei Jahre startet das Programm mit einem Workshop für neue Mentees. Mittlerweile konnten etwa 50 Tandems gebildet werden.
  • Unterstützung durch einen Mentor können Absolventen, die Hausärzte werden wollen, auch bei vielen Koordinierungsstellen für die Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin erhalten, die bereits in fast allen Bundesländern angesiedelt sind.

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