ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 2/2013Schiffsfonds: Touristen statt Container

SUPPLEMENT: PRAXiS

Schiffsfonds: Touristen statt Container

Dtsch Arztebl 2013; 110(14): [27]

Fischer, Leo

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Während der Seetransport seine größte Krise durchmacht, feiert die Kreuzfahrt Rekorde. Vor allem die Flusskreuzfahrt erfreut sich großer Beliebtheit; auch hier können sich Anleger beteiligen.

Foto: fotolia/Vege
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Das Emissionsgeschäft mit Schiffsfonds ist fast zum Erliegen gekommen. Kein Wunder, viele Schiffe liegen beschäftigungslos auf Reede, gleichgültig, ob es sich um Containerschiffe, Bulker oder Tanker handelt. Betroffen sind von der Krise alle Schiffe, die Güter transportieren. Hier haben sich in den letzten Jahren wegen der wilden Bestelltätigkeit der Reeder und Emissionshäuser erhebliche Überkapazitäten aufgebaut.

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Kreuzfahrten boomen

Aber einen ganz anderen Markt bilden die Kreuzfahrtschiffe. Hier boomen die Buchungszahlen nach wie vor, und es gibt keine beschäftigungslosen Schiffe, weil diese nur in Dienst gestellt werden, wenn die Auslastung langfristig sichergestellt ist. Gleichwohl scheint die desolate Lage der Transportschifffahrt nun auf die Kreuzfahrt auszustrahlen, obwohl es sich um völlig unterschiedliche Märkte handelt, die nichts miteinander zu tun haben. Unlängst kündigte die Premicon AG an, dass sie keine Schiffe mehr platzieren werde. Premicon ist nicht irgendwer, das Haus gilt als Spezialist für Fonds mit Flusskreuzfahrtschiffen, es hat diese Produktlinie gleichsam entdeckt (mit dem ersten Fonds, der 1999 in zwei Flusskreuzfahrtschiffe investierte) und galt als Marktführer für Fonds mit Kreuzfahrtschiffen.

Den Ausstieg aus dem Emissions- und Platzierungsgeschäft begründet Premicon mit dem Negativimage der Schiffsfonds insgesamt, es werde nicht differenziert zwischen der Kreuzfahrt, die sich nach wie vor im Boom befindet, und den krisengeschüttelten Handelsschiffen. Der Marktführer bei den Kreuzfahrtschiffen will sich zunächst auf die Verwaltung der früher platzierten Fonds beschränken. Da ist Premicon nicht der einzige. Auch Nordcapital, einer der Marktführer bei der Emission von Containerschiffen und Bulkern, will vorläufig keine neuen Fonds mehr auflegen und sich auf die Verwaltung beschränken.

Allerdings hat Premicon im letzten Jahr seine Platzierungskraft überschätzt. Mit dem „Premicon-Fluss-Klassik“ hatte man einen Fonds auf den Markt gebracht, der gleich in vier Flusskreuzfahrtschiffe investierte. Das Eigenkapitalvolumen war wohl in einer schwachen Marktphase zu hoch. Mit dem eingeworbenen Kapital hätte man einen herkömmlichen Fonds ohne weiteres platziert. Man hatte sich offenbar übernommen; daraus zu schließen, dass der Markt für Schiffe, auch für Kreuzfahrtschiffe, grundsätzlich nicht mehr vorhanden sei, ist wohl übertrieben. Besser machte es der Konkurrent Hamburgische Seehandlung, der im Sommer den Fonds „Flussfahrt Donau“ auf den Markt brachte. Ausplatziert ist der Fonds noch nicht ganz, aber 90 Prozent des Kommanditkapitals von 5,6 Millionen Euro sind gezeichnet.

Seit mehr als zehn Jahren weist der Flusskreuzfahrten-Markt zweistellige Wachstumsraten auf. Selbst während der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise war kein Einbruch festzustellen. In der Vergangenheit erwiesen sich die Kreuzfahrten als entscheidender Wachstumsmotor des deutschen Touristikmarktes. Im Jahr 2011 erzielten die Veranstalter von Flusskreuzfahrten ein Plus von 6,7 Prozent bei den Passagierzahlen, die Ergebnisse für 2012 liegen noch nicht vor. Beliebtester Fluss der Deutschen ist mit deutlichem Abstand die Donau, gefolgt vom Rhein und seinen Nebenflüssen sowie dem Nil.

Derzeit ist allerdings mit dem Fonds Flussfahrt Donau, das von der Hamburgische Seehandlung unter dem Charternamen „Avalon Artistry II“ betrieben wird, nur ein Flusskreuzfahrtschiff im Vertrieb. Es ist der achte Flusskreuzfahrtschiffsfonds, der von dem Hamburger Unternehmen gemanagt wird.

Die MS Deutschland

Flusskreuzfahrtschiffe können nicht die Tonnagesteuer nutzen, die den Seeschiffen praktisch steuerfreie Ausschüttungen ermöglicht (die jedoch auch gezahlt werden muss, wenn überhaupt keine Gewinne erzielt werden). Aber aufgrund der degressiven Abschreibung können ähnlich wie bei Flugzeugen mehr als zehn Jahre steuerfreie Ausschüttungen gezahlt werden. Der erwähnte Fonds „Flussfahrt Donau“ prognostiziert Anfangsausschüttungen von acht Prozent, die steuerfrei bleiben. Im Großen und Ganzen konnten die Kreuzfahrtschiffe ihre Ausschüttungsprognosen weitgehend einhalten. Im letzten Jahr kamen Flusskreuzfahrtschiffe auf einen Anteil von 5,2 Prozent am platzierten Eigenkapitalvolumen der Schiffsfonds und schlugen damit die Containerschiffe, die einst den Markt der Schiffsfonds beherrschten.

Auch Seekreuzschiffe waren in der Vergangenheit schon Gegenstand von Beteiligungen privater Anleger. Derzeit befindet sich kein solcher Fonds auf dem Markt. Aber nicht weniger spektakulär war im vorigen Jahr die Platzierung einer Anleihe für das ZDF-Traumschiff „MS Deutschland“. In kurzer Zeit konnten 50 Millionen Euro platziert werden. Da hat die Zugkraft der MS Deutschland sicher eine Rolle gespielt. Anleger sollen eine jährliche Verzinsung von 6,875 Prozent erhalten. Die Anleihe ist durch das Schiff gesichert, ob das den Kurs der Anleihe dauerhaft stabilisiert, bleibt abzuwarten. Dr. Leo Fischer

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