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Aktien: DAX auf 10 000 Punkte?

Dtsch Arztebl 2013; 110(14): [24]

Jobst, Peter

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Foto: dpa
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Am 8. März war es soweit: Der Deutsche Aktienindex DAX übersprang die Marke von 8 000 Punkten, wenn auch erst einmal nur kurzzeitig. Jetzt setzen viele Anleger auf einen weiteren Aufschwung, doch sind die Risiken nicht zu unterschätzen.

Keine gut sortierte Geldanlage kann auf Aktien verzichten. Zwar sind die Kursschwankungen weitaus größer als etwa bei festverzinslichen Wertpapieren, andererseits ist der langfristige Trend – dies beweisen die vergangenen Jahrzehnte – meist aufwärts gerichtet. Zudem winkt gerade derzeit bei vielen Werten eine überaus attraktive Dividendenrendite von nicht selten mehr als fünf Prozent, so dass – insbesondere unter langfristigen Gesichtspunkten – manche Kursverluste allein damit wieder aufgefangen werden können.

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Eine entscheidende Rolle spielen bei jedem Aktienengagement allerdings das aktuelle Kursniveau und der bestehende Kurstrend. Zumindest beim Trend herrscht derzeit eitel Sonnenschein, die Kurse klettern. Doch das war nicht immer so. Im Spätsommer 2011 waren die Notierungen, ausgelöst durch Ratingveränderungen für die USA, massiv eingebrochen, allein der DAX war von etwa 7 500 Punkten auf knapp über 5 000 Punkte abgestürzt. Auch die nachfolgende Erholung erschien zunächst wenig erfolgversprechend, vor allem, da der gleitende 200-Tage-Durchschnitt nach unten gedreht hatte. Bewahrheitet hat sich dann jedoch die alte Börsenregel, nach der „Gaps“ – also heftige Kursveränderungen in sehr kurzer Zeit, die im Chart als Lücken dargestellt werden – meist schnell wieder ausgeglichen werden.

So setzte sich in den ersten Monaten des Jahres 2012 wieder Zuversicht durch, und der DAX konnte bis Ende März 2012 schon wieder auf fast 7 200 Punkte steigen. In der Folge sorgten jedoch die Griechenland-Krise sowie der deutlich erhöhte Ölpreis für eine Abschwächung, und schon im Juni wurde die 6 000-Punkte-Marke wieder einmal unterschritten. Danach sorgte allerdings die Stabilisierung im Bereich der Schuldenkrise für einen Anstieg, und Ende September konnte der DAX die 7 400-Punkte-Marke nach oben überschreiten. In den Folgemonaten hielt sich das Frankfurter Börsenbarometer über der psychologisch wichtigen Marke von 7 000 Punkten und startete in das Jahr 2013 mit einer wahren Rekordjagd. Die Kurse kletterten nahezu durchgängig, und im März stand die 8 000-Punkte-Marke – wieder einmal – auf dem Prüfstand.

Kernfrage ist jetzt die mögliche künftige Entwicklung. Aus charttechnischer Sicht ist der Aufschwung vorerst noch ungebrochen, auch der gleitende 200-Tage-Durchschnitt hat längst wieder nach oben gedreht. Charttechnisches Hauptproblem ist derzeit die Indexmarke von 8 000 Punkten, die als massiver Widerstand gilt. Nach den Regeln des Marktes gibt es zwei Möglichkeiten. Wenn der Index erneut an der 8 000-Punkte-Marke scheitert, ist ein massiver Rückschlag nicht unwahrscheinlich. In diesem Fall liegen die nächsten langfristigen Unterstützungslinien im Bereich zwischen 6 500 und 7 000 Punkten. Können diese Werte allerdings gehalten werden und dreht auch der gleitende 200-Tage-Durchschnitt nicht nach unten, wäre eine solche Konstellation charttechnisch begrüßenswert. Denn schließlich würde damit der 2009 begonnene Aufwärtstrend bestätigt, und es sollte dem Frankfurter Börsenbarometer gelingen, die Jagd auf neue Höchststände zu beginnen. Ungünstiger wäre die Lage allerdings, wenn der Index die Unterstützungslinien nach unten brechen sollte, droht dann doch möglicherweise eine Trendwende in Richtung Baisse.

Die zweite Möglichkeit ist allerdings, dass der DAX nunmehr bereits im ersten oder zweiten Anlauf nachhaltig über die 8 000-Punkte-Marke steigt. Nachhaltig bedeutet dabei, dass in den kommenden Monaten ein Niveau von mindestens 8 100 bis 8 300 Punkten gehalten werden kann. Nach charttechnischen Regeln würde damit die Basis für weitere Kursgewinne gelegt; auch die 10 000-Punkte-Marke wird bereits als Zielgröße gehandelt. In diesem Zusammenhang ist ebenfalls zu bedenken, dass ein heutiger Indexstand von 8 000 Punkten nur vordergründig mit dem Rekordstand aus dem Jahr 2000 vergleichbar ist. Da im DAX auch Dividendenzahlungen enthalten sind, ist der reale Indexstand noch weit von den seinerzeitigen Rekordwerten entfernt.

Aus fundamentaler Sicht ist das Bild zweigeteilt. Die meisten Analysten erwarten derzeit einen zumindest leichten wirtschaftlichen Abschwung, der erstmals ebenso den deutschen Markt stärker erfassen könnte. Sinkende Unternehmensgewinne würden jedoch auch an der Kursentwicklung nicht spurlos vorübergehen. Weitere Belastungsfaktoren sind die anhaltenden Probleme aus der Schuldenkrise, wobei sich hier in den vergangenen Monaten doch eine gewisse Erleichterung abgezeichnet hat. Ein Wiederaufflammen könnte die Börse jedoch deutlich unter Druck setzen, nachdem entsprechende Meldungen – wie etwa jüngst aus Italien – von den Anlegern derzeit noch geflissentlich ignoriert werden. Nicht zu vergessen ist schließlich die Lage in Korea, die in den kommenden Monaten noch manchen Zündstoff liefern dürfte.

Dem steht als positiver Indikator die anhaltend hohe Liquidität gegenüber, für die es derzeit kaum „vernünftige“ Anlagealternativen im Zinsbereich gibt. Tages- und Festgelder bringen bestenfalls knapp zwei Prozent Ertrag, Staatsanleihen rentieren unter Berücksichtigung der Inflationsrate negativ, und die viel gepriesenen Unternehmensanleihen sind teilweise bereits so teuer geworden, dass die hier bestehenden Risiken kaum in einem angemessenen Verhältnis widergespiegelt werden. Aber auch am Immobilienmarkt zeichnet sich in vielen Regionen eine gefährliche Blasenbildung ab, die die Preise anfällig für Korrekturen macht. Andererseits erzielen Aktien eine oftmals überaus attraktive Dividendenrendite, was sie unabhängiger von marktbedingten Kursschwankungen machen kann. Manche Analysten sprechen mittlerweile sogar von einem „goldenen Börsenjahrzehnt“, aus dem Sachwerte, wie etwa die Aktie, mit hohen Gewinnen hervorgehen könnten.

Bei der Titelauswahl sollte das Augenmerk in erster Linie auf solide, konjunkturresistente Unternehmen gelegt werden, insbesondere aus dem Deutschen Aktienindex DAX. Als eher spekulative Elemente können „gefallene Engel“ beigemischt werden, die in den vergangenen Jahren hohe Kursverluste verzeichnet hatten, aber dennoch solide aufgestellt sind. Vergleichbares gilt auch für Nebenwerte, wobei jedoch hier die größere Konjunkturanfälligkeit zu beachten ist. Etwas Vorsicht ist bei Papieren geboten, die in den vergangenen Monaten für Euphorie bei Anlegern gesorgt haben und deren Kurse überproportional zur Unternehmensentwicklung nach oben geschnellt sind.

Interessanter als deutsche Papiere könnten indes europäische Titel werden, die in den vergangenen beiden Jahren wegen der zunehmenden Konjunkturängste eine deutliche Unterperformance erzielt haben. Insbesondere dann, wenn die Gewinnsituation eines Unternehmens weiterhin positiv ist, bieten sich hier oftmals interessante Einstiegschancen. Ohne konkrete Titelauswahl kommt daneben ein Investment in den Euro-Stoxx50-Index in Betracht. Allerdings ist, wie auch beim deutschen Markt, im Jahr 2013 mit möglicherweise erheblichen Schwankungen zu rechnen. Vor allem im zweiten Quartal, wenn die Unternehmenserwartungen publiziert werden, kommt es oft zu einer schwächeren Börsentendenz.

Außerhalb Europas richten Anleger zunehmend ihren Fokus auf den US-amerikanischen Markt. Nachdem im Jahr 2012 eine eher gemischte Performance erreicht werden konnte, werden für 2013, auch angesichts der zunehmenden politischen Stabilisierung, wieder höhere Zuwachsraten erwartet. Profitieren könnte ein Investment zudem zumindest vorerst noch von einem möglichen Anstieg des US-Dollars.

Sehr unterschiedlich sind die Meinungen zur japanischen Börse, die sich praktisch seit 1990 tendenziell auf Talfahrt befindet. Nachdem die Wirtschaft weiterhin unter zahlreichen Problemen, unter anderem dem starken japanischen Yen und der abnehmenden Attraktivität japanischer Produkte an den internationalen Märkten leidet, werden für 2013 kaum spekulative Gewinne erwartet. Insbesondere die Konkurrenz durch China dürfte dem Markt auch in den kommenden Jahren zu schaffen machen. Kaum eine Alternative ist allerdings auch ein Investment an der Börse in Schanghai, denn auch hier geben die Notierungen seit mehreren Jahren unter Schwankungen nach. Belastet wird die Lage zum einen durch eine bisher noch nie gesehene Flut von Neuemissionen, die das ausreichend vorhandene Kapital schnell aufzehrt, zum anderen auch durch zunehmende Ängste über einen möglicherweise massiven Konjunktureinbruch. Günstiger positioniert ist hingegen die Börse in Hongkong, die nach einer mehrjährigen Seitwärtsbewegung 2013 durchaus Potenzial auf einen zumindest temporären Anstieg haben sollte. Schließlich sollten Anleger ebenfalls einen Blick auf andere asiatische Märkte werfen. So herrscht etwa in Singapur oder Thailand eine lange nicht mehr gesehene Aufbruchstimmung, die auch die Börsen weiterhin beflügeln könnte. Peter Jobst

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