ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 2/2013Exchange Traded Funds: Spekulationen rund um den Globus

SUPPLEMENT: PRAXiS

Exchange Traded Funds: Spekulationen rund um den Globus

Dtsch Arztebl 2013; 110(14): [28]

Jobst, Peter

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ETFs und ETC spielen auch bei privaten Anlegern eine zunehmend wichtige Rolle. Geringe Kosten, eine bequeme Kalkulierbarkeit und ein breites Angebot machen sie attraktiv.

Foto: Fotolia/Häßler
Foto: Fotolia/Häßler

Der Startschuss fiel 1993: Nach mehreren Fehlschlägen legten die Finanzexperten Nathan Most und Steven Bloom von State Street Global Investors „Standard & Poor’s Depositary Receipts“ (SPDR) auf. Ziel war es, einen namhaften Börsenindex – hier den Standard-&-Poor’s-500 – in einem Investmentfonds nahezu exakt nachzubilden und auf diese Weise ohne nennenswerte Kosten dieselbe Wertentwicklung zu erreichen wie der Index. Eine weitere Besonderheit: Während klassische Investmentfonds in erster Linie direkt bei der Fondsgesellschaft geordert werden und auch der Verkauf direkt beim Emittenten erfolgt, wurde die neue Anlagekategorie direkt zum Börsenhandel zugelassen. Das gab ihnen auch den Namen: Exchange Traded Funds, kurz ETFs.

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Preiswerter als Fonds

Im Jahr 2000 kam die neue Fondsidee auch nach Europa. Zunächst emittierte Merrill Lynch zwei Produkte auf die europäischen Aktienindizes Stoxx-50 und Euro-Stoxx-50, die sich vor allem bei institutionellen Investoren schnell großer Beliebtheit erfreuten. Bald folgten andere Finanzdienstleister mit ähnlichen Produkten, wobei sich insbesondere die Fondsgesellschaft iShares, heute eine Tochter des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock (verwaltetes Vermögen: 3,8 Billionen US-Dollar) mit einer breit gefächerten Produktpalette einen Namen machte. Aktiv sind daneben unter anderem die Deutsche Bank und die Commerzbank, aber auch die Société-Générale-Tochter Lyxor Asset Management.

Während „klassische“ Investmentfonds mittels eines aktiven Managements bestrebt sind, den Anlegern möglichst hohe Erträge zu erwirtschaften, bilden ETFs in der Regel lediglich einen Börsenindex direkt oder indirekt nach. Damit entspricht ihre Performance weitgehend dem Index. Das muss kein Nachteil sein: Gerade die in Deutschland aufgelegten gemanagten Investmentfonds sind bei der Wertentwicklung oft nur Mittelmaß, hingegen schneiden ETFs vielfach deutlich besser ab. Zudem profitieren Anleger von der günstigen Gebührenstruktur. Während bei einem klassischen Aktienfonds meist fünf Prozent Ausgabeaufschlag und bis zu zwei Prozent jährliche Verwaltungsvergütung anfallen, sind ETFs wesentlich preiswerter: Bei Kauf und Verkauf fallen nur die üblichen Bankspesen für den Börsenhandel in einer Größenordnung von 0,3 bis einem Prozent sowie die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis von meist nur wenigen Cent an. Die jährlichen Kosten liegen üblicherweise zwischen 0,1 und 0,5 Prozent. Lediglich bei Produkten auf eher „exotischen“ Märkten, die für den privaten Anleger anderweitig kaum zugänglich sind, werden zum Teil höhere Kosten verlangt, die allerdings immer noch weit unter den Gebühren klassischer Fonds liegen. Und diesen Vorteil erkennen mittlerweile auch private Anleger. So wurden 2012 weltweit etwa 165 Milliarden US-Dollar aus klassischen Aktienfonds abgezogen, während das Vermögen der ETFs um fast 140 Milliarden US-Dollar auf aktuell mehr als zwei Billionen US-Dollar zulegen konnte.

Breite Streuung möglich

Gerade die strenge Indexorientierung der meisten ETFs ermöglicht es dem Anleger, sein Vermögen international zu streuen. Basis einer aktienorientierten Geldanlage können Produkte auf die europäischen Standardindizes wie den DAX oder den Euro-Stoxx-50 sein, hinzu kommen Investments auf die amerikanische und japanische Börse. Angereichert wird diese Mischung schließlich durch Engagements zum Beispiel in den aufstrebenden asiatischen Märkten, wobei neben reinen Länder-ETFs auch Produkte auf die Indizes ganzer Regionen oder sogar Anlageklassen (zum Beispiel Small caps = kleine Unternehmen) angeboten werden. Dabei gilt: Je enger das Ziel, umso größer sind die Chancen – aber auch die Risiken. Während man mit einem ETF auf den Deutschen Aktienindex DAX quasi in den gesamten deutschen Aktienmarkt, vertreten durch die 30 DAX-Titel, investiert, beschränken sich zum Beispiel ETFs auf den TecDAX auf die Technologiewerte oder ETFs auf den DivDAX auf die dividendenstärksten Standardtitel.

Die Palette der angebotenen Produkte ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Besonders beliebt sind zum Beispiel Emissionen auf Rentenindizes und – vor allem – auf Rohstoffe wie Gold oder Erdöl sowie Agrarprodukte wie Soja oder Schweinehälften. Erfüllen lassen sich also praktisch alle Anlagewünsche: von der Beteiligung am DAX oder Dow Jones über ein Engagement in Gold bis hin zur preislichen Absicherung der nächsten Heizöllieferungen. Im Übrigen besteht mittlerweile ebenfalls die Möglichkeit, mit „Short“-Produkten auch auf fallende Preise zu setzen. Ihr Kurs bewegt sich gerade entgegengesetzt zur Notierung des Basiswerts, so dass auch bestehende Engagements damit abgesichert werden können.

Einziger Wermutstropfen bei den Agrarprodukten, die unter dem Fachbegriff „Exchange Trad- ed Commodities“ (ETC) laufen: Der rege und oft spekulative Handel führt immer wieder zu künstlichen Preissteigerungen bei den Rohstoffen, die insbesondere in den Entwicklungsländern erhebliche Probleme mit sich bringen können.

Die Bank geht leer aus

Nicht einfach ist jedoch die Auswahl geeigneter Investments. Selektionsmöglichkeiten im Internet bieten unter anderem die Deutsche Börse (www.boerse-frankfurt.de/de/etfs) sowie die verschiedenen Anbieter (zum Beispiel iShares unter de.isha res.com oder die Deutsche Bank unter www.etf.db.com). Wichtig ist dabei ein Blick auf die Zusammensetzung sowie auf die Kostenstruktur der angebotenen Produkte. Unterstützung vom Bankberater darf man dabei freilich kaum erwarten. Während beim Fondskauf erhebliche Provisionen von mehreren Prozent an die Bank fließen, fallen bei ETFs meist nur sehr geringe Transaktionsspesen ab. Experten gehen dennoch davon aus, dass sich der Siegeszug der ETFs fortsetzen wird und klassische Investmentfonds insbesondere dann ins Hintertreffen geraten, wenn eine schwache Performance noch durch hohe Kosten belastet wird. Peter Jobst

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