ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSSUPPLEMENT: PRAXiS 2/2013Kunstversicherungen: Perfekter Schutz für Renoir und Ming

SUPPLEMENT: PRAXiS

Kunstversicherungen: Perfekter Schutz für Renoir und Ming

Dtsch Arztebl 2013; 110(14): [30]

Jobst, Peter

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Foto: picture alliance
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Trotz eines vereinbarten Unterversicherungsverzichts bestehen in der Hausratversicherung oftmals Versicherungslücken: Kunstwerke und Antiquitäten sind durch die klassischen Verträge meist nicht oder nur mangelhaft geschützt. Spezielle Policen bieten Abhilfe.

Wenn sich Einbrecher an der wertvollen Porzellansammlung bedienen oder wenn das teure Ölgemälde infolge eines lockeren Nagels von der Wand fällt, ist guter Rat teuer. Der Schaden ist hoch, und die Hausratversicherung macht Schwierigkeiten bei der Regulierung. Denn hier sind Wertgegenstände, dazu zählen neben Kunstwerken auch Bargeld, Schmuck, Urkunden, Briefmarken, Pelze, echte Teppiche und Antiquitäten (außer Möbel), bei den meisten Versicherungen nur bis zu bestimmten Höchstgrenzen mitversichert. Zudem besteht Versicherungsschutz nur gegen die Risiken Feuer, Leitungswasser, Einbruch, Raub und Sturm. Keine Risikoabsicherung besteht gegen Schäden, die sich etwa durch Ungeschicklichkeit ereignen. Keinen Schutz bietet die Hausratversicherung zudem für reine Liebhaberstücke ohne materiellen Wert. Die von vielen Vermittlern gern angebotene, aber überdurchschnittlich teure Erhöhung der Entschädigungsgrenze will daher wohlüberlegt werden.

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Um diese Lücke zu schließen, bieten neben den alteingesessenen Kunstversicherungsspezialisten, wie der Nordstern, immer mehr Versicherungsgesellschaften spezielle Verträge für Kunstsammler an. Mit Prämien, die ohne regionale Unterschiede meist zwischen zwei und fünf Promille, teilweise bis zu acht Promille des Versicherungswertes betragen, sind sie – gerade auch im Vergleich zu Hausratversicherungen – nicht nur relativ preiswert, die Versicherungsgesellschaften bieten zudem einen bedeutenden zusätzlichen Service.

So werden alle Kunstpolicen regelmäßig mit der „Allgefahrendeckung“ angeboten. Während der Kunde bei der Hausratversicherung mit vielen Klauseln und Einschränkungen konfrontiert wird, gilt bei der Allgefahrendeckung: Alles ist abgesichert,
solange das Risiko nicht explizit
im Vertragswerk ausgeklammert ist. Leistungsfrei stellen sich die meisten Versicherungsgesellschaften bei Schäden durch Kriegsereignisse, unsachgemäße Reinigung, Frost, Hitze, Licht, Klima, Rauch, Ungeziefer und Beschlagnahme. Auch Arbeiten an der Sache sind nicht versichert. Ausgeschlossen sind zudem Schäden durch grobe Fahrlässigkeit oder Mutwilligkeit, zum Beispiel, wenn eine Vase im Rahmen eines Familienstreits durch die Wohnung geschleudert wird. Keinen Schutz bieten die Policen gegen einen Preisverfall am Kunstmarkt.

Unterschiedlich ist die Einstufung bei Schäden durch Rost, Oxidation sowie technische Defekte. Während diese bei manchen Gesellschaften generell ausgeschlossen sind, beschränken sich die Risikoausschlüsse anderer Gesellschaften auf die zuvor genannten Gefahrenpunkte und decken zum Beispiel Rostschäden mit ab. Hingegen stellt leichte Fahrlässigkeit keinen Grund dar, die Versicherungsleistung zu verweigern. Wenn also die Vase beim Hausputz vom Sockel fällt und zerstört wird, kommt die Versicherung für den Schaden auf. Auch wenn Kunstwerke durch „einfachen Diebstahl“, der bei der Hausratversicherung generell ausgeklammert ist, abhandenkommen oder bei einer Überschwemmung zerstört werden, wird die Versicherungsleistung fällig.

Um Missbrauch zu verhindern, wird die Kunstpolice allerdings nicht als „Standardschutz“ angeboten, der lediglich beim Versicherungsvertreter beantragt werden muss. Vielmehr handelt es sich bei jedem Vertrag um eine individuelle Vereinbarung, der – je nach Wert des vorhandenen Kunstbesitzes – neben einer obligatorischen Selbstbeteiligung des Kunden im Schadensfall bereits im Vorfeld mehr oder minder umfangreiche Prüfungen erforderlich macht. Auch wird nicht jeder Kunstsammler versichert, vielmehr entscheiden die Gesellschaften unter anderem nach den örtlichen Gegebenheiten im Einzelfall.

Die Prüfungen beginnen bei der Festlegung des Wertes der Kunstwerke. Die Versicherungsgesellschaften verlangen eine Bewertung durch einen eigenen Experten oder aber einen anerkannten Sachverständigen, zum Beispiel von einem renommierten Auktionshaus, wobei die Kosten oft von der Gesellschaft übernommen werden. Diese Bewertung wird zum Teil regelmäßig wiederholt – was insbesondere bei Objekten besonders wichtig ist, die größeren Preisschwankungen unterliegen. Legt der Kunde besonderen Wert auf Diskretion, kann bei manchen Gesellschaften vereinbart werden, dass das Objektverzeichnis von der Versicherung nur abgezeichnet wird, dann jedoch beim Kunden verbleibt, um so unliebsame Nachforschungen etwa der Finanzbehörden ins Leere laufen zu lassen.

Bei Kunstwerken und Sammelstücken mit hohem ideellen, aber geringem materiellen Wert kann bei den meisten Gesellschaften statt des Marktwertes auch eine Pauschalsumme vereinbart werden, zu der das gute Stück versichert wird. Vergleichbares gilt für Sammlungen, die nur gemeinsam einen Wert haben. Hierzu zählt etwa das umfangreiche Teeservice, das durch Zerstörung nur einer Tasse in seiner Gesamtheit im Wert gemindert wird. Allerdings machen manche Gesellschaften hier entscheidende Ausnahmen. Versichert wird stets nur der Markpreis des jeweiligen Stücks, hingegen spielen ideelle Werte oder Sammlungsbewertungen keine Rolle.

Weiterhin machen die Experten der Versicherung entweder konkrete Vorgaben zur Aufbewahrung, oder sie geben Tipps, wie die Kunstwerke noch besser geschützt werden können. Manchmal wird auch die Möglichkeit geboten, eine Alarmanlage günstig zu erwerben, alternativ werden niedrigere Prämien angeboten.

Besonders wichtig kann die „Außenversicherung“ sein, über die die versicherten Gegenstände auch dann geschützt sind, wenn sie nicht in der Wohnung aufbewahrt werden, zum Beispiel während eines Urlaubs oder zu einer Ausstellung. Diese gilt meist für maximal drei Monate, manchmal ist auch nur eine vierwöchige Gültigkeitsdauer vorgesehen. Oft werden auch Höchstgrenzen festgelegt, zum Beispiel mit zehn Prozent der Versicherungssumme, maximal 50 000 Euro. Einschränkungen gibt es allerdings bei einer Lagerung in Galerien, bei Auktionshäusern und Ausstellungen, so dass in jedem Fall eine individuelle Beratung durch die Versicherung erforderlich ist.

Besonderheiten gelten weiterhin in Zusammenhang mit neu hinzugekauften Kunstgegenständen. Im Rahmen der Vorsorgeversicherung sind diese bei den meisten Gesellschaften automatisch mitversichert, meist aber nur bis zu einer Höchstgrenze von zehn Prozent der Gesamtversicherungssumme. Einen zusätzlichen Service bieten einige Gesellschaften im Schadensfall an: Durch die Zusammenarbeit mit namhaften Spezialisten sowie die Mitgliedschaft in internationalen Organisationen wie dem „Art Loss Register“, in dem gestohlene Kunstwerke weltweit ausgeschrieben werden, bemühen sich die Gesellschaften um Wiederbeschaffung der gestohlenen Werte, die dem Geschädigten oft mehr wert sind, als von der Versicherung bezahlt wurde. Die Kosten für Anwalt und Detektive werden dabei von der Versicherungsgesellschaft übernommen. Peter Jobst

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