ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2013Vogelgrippeviren: Forschung nur bei Höchster Sicherheitsstufe

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Vogelgrippeviren: Forschung nur bei Höchster Sicherheitsstufe

Dtsch Arztebl 2013; 110(14): A-638 / B-566 / C-566

Zylka-Menhorn, Vera

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Seit einigen Wochen dürfen Virologen wieder mit Vogelgrippe-Erregern (H5N1) forschen – allerdings nur in Hochsicherheitslaboren, wenn sich dabei eine Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch entwickeln könnte. Die Wiederaufnahme dieser Untersuchungen hält die Gesellschaft für Virologie (GfV) für unerlässlich. Nur so könne ein möglicher Übergang auf den Menschen, eine eventuell länderübergreifende Ausbreitung der noch unzureichend erforschten H5N1-Viren frühzeitig erkannt oder gar verhindert und ein Impfstoff entwickelt werden.

Um die nötige Sicherheit im Labor zu gewährleisten, hat die deutsche Zentrale Kommission für Biologische Sicherheit jetzt das Risiko der genetisch flexiblen Viren hochgestuft: Danach dürfen Experimente mit Influenza-A-Viren der Subtypen H5 und H7, bei denen die Luftübertragbarkeit zwischen Säugetieren getestet wird, künftig nicht mehr in Laboratorien der Sicherheitsstufe drei, sondern nur in solchen der Sicherheitsstufe vier durchgeführt werden. Diese Bedingungen gelten auch für Arbeiten mit hochgefährlichen Ebola-, Lassa- und Pocken-Viren.

Seit 1997 führte das Vogelgrippevirus bei weltweit mehr als 600 Menschen zu Erkrankungen, an denen 60 Prozent von ihnen starben. „Dass das Virus bislang nicht zu einer Pandemie führte, beruht in erster Linie darauf, dass es im Gegensatz zu menschlichen Influenzaviren nicht über die Luft von Mensch zu Mensch übertragen wird“, erklärt Prof. Dr. med. Thomas Mertens, Präsident der GfV, vom Universitätsklinikum Ulm. In vereinzelten Fällen trat möglicherweise aber doch eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung auf. „Wir sehen das H5N1-Virus daher als Hauptkandidaten einer möglichen künftigen Pandemie“, sagt Mertens. Umso wichtiger sei es, die Studien in Tiermodellen fortzusetzen, die in der Vergangenheit Erkenntnisse gebracht haben, welche Mutationen im Virusgenom den gefährlichen Wirtswechsel ermöglichen.

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Weltweit gibt es 15 Laboratorien der Sicherheitsstufe vier. Die sogenannten BSL4-Laboratorien sind gegen die Außenwelt abgeschottet, und die Mitarbeiter tragen eine Art Raumanzug. In Deutschland befinden sich diese Hochsicherheitslabore in Marburg und Hamburg. Grundsätzlich müssten der Erkenntnisgewinn und der gesellschaftliche Nutzen das Risiko solcher Studien deutlich überwiegen. „Dies nach bestem Wissen und Gewissen zu prüfen, liegt auch in der besonderen Verantwortung der Wissenschaftler“, betont die GfV. zyl

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