ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2013Fachkräftemangel: Die Ursachen werden ignoriert
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Ihr Artikel beschreibt deutlich die Kurzsichtigkeit der Politik und die Zielsetzung der Wirtschaftslenkung im Krankenhaus. Anstatt zu fragen, wie man deutsche Ärzte motivieren kann, Beruf und Land nicht den Rücken zu kehren, wird lieber das Personalloch blitzartig und notdürftig gestopft.

Krankenhaus-Betriebswirte suchen im Ausland nach verzweifelten Ärzten, die dringend auf Geld und Weiterbildung angewiesen sind und bereit sind, auch bei unangenehmen Arbeitsbedingungen einzuspringen. Für ihre Anwerbung und Vorbereitung werden Zigtausende Euro bereitgestellt und die zum Teil schwierige Einarbeitung den ohnehin überlasteten deutschen Kollegen aufgebürdet.

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Das ist schön für die Krankenhausverwaltung, die freitags um 12 Uhr den Hammer fallen lässt und sich ins Wochenende verabschiedet. Die rumänisch-griechisch-russische Ersatzmannschaft wird die Notaufnahme am Wochenende schon irgendwie schaukeln und die Brötchen verdienen.

Fragt sich denn keiner, wie es sein kann, dass Studienplätze für Medizin extrem begehrt sind und am Ende dann die jungen Kollegen, die ausdauernd bis zum Examen gelernt haben, entnervt aufgeben und die Flucht antreten? Die Ursachen des Ärztemangels werden lieber ignoriert: Ewig lange Weiterbildungsdauern, schlechtes Teaching, unsägliche Arbeitszeiten – all das wird lieber so belassen und den ausländischen Kollegen in Not aufgebürdet. Früher konnte man die deutschen Ärzte nötigen, jetzt kann man es mit den Ausländern machen. Denn war früher für die jungen Kollegen noch die Aussicht auf eine gut gehende Praxis ein ausreichender Motivator, die Plackerei zu überstehen, so existiert diese Perspektive heute kaum noch.

Welche Folgen diese Entwicklung für unsere ganze Gesellschaft, die Qualität des Gesundheitswesens und auch der Forschung haben wird, will im Moment niemand diskutieren. Den Kopf in den Sand zu stecken und Löcher zu stopfen ist ja auch so viel einfacher.

Stephan G. Kamm, 35398 Gießen

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