ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2013Kassenärztliche Bundesvereinigung: Viele Fragen, viele Antworten

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Kassenärztliche Bundesvereinigung: Viele Fragen, viele Antworten

Dtsch Arztebl 2013; 110(14): A-633 / B-561 / C-561

Maus, Josef

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Die bundesweite Befragung aller niedergelassenen Vertragsärzte und Psychologischen Psychotherapeuten zur Zukunft des Sicherstellungsauftrags ist abgeschlossen. Auch die rund 20 000 frei formulierten Anmerkungen, die die Ärzte und Psychotherapeuten über Freitextfelder im Fragebogen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ins Haus geschickt haben, sind inzwischen ausgewertet. Was bleibt festzuhalten?

Zunächst ist da die extrem hohe Zahl an Teilnehmern. Von circa 153 000 Vertragsärzten und -psychotherapeuten haben annähernd 80 000 den Fragebogen ausgefüllt und zurückgesandt. Das ist selbst aus Sicht des Meinungsforschungsinstituts infas, das die KBV mit der Durchführung der Befragung beauftragt hatte, eine außergewöhnlich hohe Quote. Sie besagt: Das Thema der Umfrage, die Zukunft des Sicherstellungsauftrages, hat den Nerv der Niedergelassenen getroffen.

Zweite Erkenntnis: Die Ergebnisse sind eindeutig. 76 Prozent der Befragten wollen am bisherigen System festhalten, 66 Prozent aber nur dann, wenn sich die Rahmenbedingungen für die ambulante ärztliche Versorgung spürbar verbessern. Feste Preise für die ärztlichen Leistungen, kalkulierbare Honorare und die Wiederherstellung der diagnostischen und therapeutischen Freiheit sind den Ärzten dabei am wichtigsten.

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Drittens: Die abgefragten „Problemfelder“ und die daraus resultierenden Forderungen treffen offenbar ziemlich exakt die aktuelle Gemütslage der Niedergelassenen. Die Ärzte sind es leid, sich von den Krankenkassen gängeln zu lassen. Sie empfinden vieles als Einmischung in das Arzt-Patienten-Verhältnis, und sie klagen über ausufernde Bürokratie sowie über wenig motivierende Rahmenbedingungen der kassenärztlichen Tätigkeit. Ärzte wollen mehr Zeit für ihre Patienten, die Anerkennung ihrer Arbeit und eine wirtschaftlich verlässliche Basis.

Das alles belegen die Ergebnisse der Befragung. Aber was macht die Kassenärztliche Bundesvereinigung nun damit? Sie hat die Forderungen der oft zitierten ärztlichen Basis in einem Positionspapier zusammengefasst, das gleichzeitig die Agenda für die nächsten Jahre darstellt. Die KBV-Vorstände, Dr. med. Andreas Köhler und Dipl.-Med. Regina Feldmann, haben gemeinsam mit der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KBV ein Arbeitsprogramm zusammengestellt, das es in sich hat. Und sie haben Meilensteine und Fristen definiert, in denen die dort niedergelegten Ziele erreicht werden sollen.

Josef Maus, Stellvertretender Chefredakteur
Josef Maus, Stellvertretender Chefredakteur

Letzteres schafft Transparenz. Wer konkret sagt, was er bis wann erreichen will, der kann und wird sich daran messen lassen müssen. Das ist Köhler und Feldmann durchaus bewusst, und genau das will der KBV-Vorstand auch. Er will – in der gängigen Politikersprache ausgedrückt – die Ärzte „mitnehmen“, sie auf dem Laufenden halten und den Grad der jeweiligen Zielerreichung zeitnah und offen kommunizieren. Das ist anspruchsvoll, aber, um nochmals die Sprache der Politiker zu bemühen, alternativlos. Wer die „Basis“ nach ihrer Meinung und ihren Forderungen fragt, der muss den regelmäßigen Dialog suchen. Und er muss vielleicht auch ein zweites Mal die Ärzte und Psychotherapeuten befragen. Nämlich dann, wenn wesentliche Arbeitsziele verfehlt werden. Wie halten es die Ärzte dann mit dem Sicherstellungsauftrag?

Josef Maus
Stellvertretender Chefredakteur

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