ArchivDeutsches Ärzteblatt14/2013Krankenhäuser: Wie Führung Motivation zerstört
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„Eine Personalabteilung, die sich lediglich um Zahlen, Stellenpläne und rechtliche Belange kümmere, werde den Anforderungen von heute nicht mehr gerecht“, so der Leiter des Personalmanagements einer Klinik. Solche und ähnliche Sprüche, verbunden mit einem für viel Geld aufwendig entwickelten Leitbild, hört und liest man allenthalben.

Doch die Wirklichkeit sieht völlig anders aus. Mit Einführung der DRGs hat die Politik eine Entwicklung in Gang gesetzt, die nur in die Katastrophe führen kann. Patienten werden zu Kunden und Ärzte zu Leistungserbringern degradiert. Es zählen nur noch finanziell lukrative Patienten. Meist defizitäre Einrichtungen, wie zum Beispiel Kinderkliniken, bleiben jetzt schon oft auf der Strecke oder werden auf ein nicht mehr vertretbares Maß zusammengeschrumpft.

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Waren früher die Chefärzte die „Herrscher“ und haben zum Teil dementsprechend auch ihre nachgeordneten Mitarbeiter behandelt, haben sich bedingt durch den Kostendruck die Verhältnisse völlig verändert. So wie früher die Chefärzte mit ihren Mitarbeitern umgegangen sind, gehen heute die Verwaltungsleiter mit den Chefärzten um. Meist zählt nur noch die Steigerung der Leistung um jeden Preis. Die Frage, ob die Behandlung medizinisch sinnvoll ist, hat hinter den Wirtschaftlichkeitsüberlegungen zurückzutreten. Den Klinikleitern werden in aufwendigen Führungsworkshops Zielvorgaben gemacht, die oft nicht verhandelbar sind, und dieser Druck wird dann an das ärztliche und das pflegerische Personal weitergereicht.

Man gewinnt auch zunehmend den Eindruck, dass diejenigen Krankenhausmanager, die neben einem abgeschlossenen Medizinstudium auch noch ein entsprechendes wirtschaftliches Studium absolviert haben, und von denen man eigentlich Verständnis erwarten sollte, den größten Druck ausüben und am unverschämtesten gegenüber den Krankenhausmitarbeitern auftreten.

Noch nie habe ich so viele unzufriedene Krankenhausmitarbeiter im ärztlichen Bereich aus allen Ebenen erlebt, wie in den letzten eineinhalb Jahren. Immer mehr denken ans vorzeitige Aufhören oder die Abwanderung.

Gerade hier in Mainz konnten und können wir in den letzten Jahren erleben, wie Führung durch das Management ärztliche Motivation, aber auch ärztliches Ethos kaputtmacht. Einsichtsfähigkeit in diese Problematik besteht nach meiner Erfahrung bei den Managementverantwortlichen meist nicht. Gleiches gilt für die Politik. Nachdem die Medizin dem Geld folgt, kann einem vor der Entwicklung in den nächsten Jahren nur angst und bange werden. Dass man im Bereich des Personalmanagements bereit ist, hier wirklich und effektiv umzudenken, halte ich persönlich für ein Gerücht.

Dr. Jürgen Hoffart, Hauptgeschäftsführer der
Lan­des­ärz­te­kam­mer Rheinland-Pfalz, 55116 Mainz

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