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Wir freuen uns über die zahlreichen positiven Rückmeldungen zur Kurzfassung der neuen S3-Leitlinie „Nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden (NFS)“ (1). Wir danken Herrn Kollegen Hakimi für seine Betonung iatrogener Chronifizierungsfaktoren in Form der Vergabe von Pseudodiagnosen. Die Betrachtung des Behandlerverhaltens öffnet den Blick auf die Bedeutung der Behandler-Patient-Interaktion für Aufrechterhaltung wie auch Behandlung von NFS.

„Darmmykose/Candidamykose“ ist auch aus unserer Sicht in den meisten Fällen eine Pseudodiagnose, weil der bloße Nachweis von Candida im Stuhl (bei mehr als der Hälfte der erwachsenen Bevölkerung 102–104 KBE/g Stuhl) nicht mit einer intestinalen Mykose gleichgesetzt werden darf und es für die Existenz eines klinisch relevanten Candida-Hypersensitivitäts-Syndroms keinen empirischen Nachweis gibt (2). In ähnlicher Weise sollte zum Beispiel auch bei den Syndromen „Multiple Chemikalien-Unverträglichkeit (MCS)“, „Sick building syndrome“, „Elektro-Hypersensitivität“ oder „Amalgam-Überempfindlichkeit“ darauf geachtet werden, dass nicht durch einseitige externalisierende Kausalattribution der notwendige Blick auf biopsychosoziale Wechselwirkungen verstellt wird (3).

Laut NFS-Leitlinie reicht das Spektrum möglicher Diagnosen in Abhängigkeit von Symptomatik, Schweregrad, Verlauf und psychosozialer Beeinträchtigung und vom diagnostischen Prozess von nicht-spezifischen Symptomdiagnosen (ICD-10 R00-R99) über funktionelle somatische Syndrome (eines oder – häufig – mehrere) bis hin zu somatoformen Störungen (ICD-10 F45.0-F45.9). Relevante komorbide Bedingungen (zum Beispiel Depression, Angst, Sucht) sind zusätzlich zu kodieren. Die Diagnosemitteilung an den Patienten sollte an eine anschauliche Beschreibung der Beschwerden innerhalb eines biopsychosozialen Störungsmodells anknüpfen; bewährt haben sich die Begriffe „funktionell“ oder „körperlicher Stress“. Begriffsklärungen und Informationen speziell für Betroffene und ihre Angehörigen bietet eine neu erschienene Patientenversion der Leitlinie (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2013.0270b

Dr. med. Rainer Schaefert
Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, Universitätsklinikum Heidelberg

Rainer.Schaefert@med.uni-heidelberg.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Schaefert R, Hausteiner-Wiehle C, Häuser W, Ronel J, Herrmann M, Henningsen P: Clinical Practice Guideline: Non-specific, functional and somatoform bodily complaints. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(47): 803–13. VOLLTEXT
2.
Schulze J, Sonnenborn U: Yeasts in the gut: From commensals to infectious agents. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(51–52): 837–42 VOLLTEXT
3.
Hausteiner-Wiehle C, Henningsen P, Häuser W, Herrmann M, Ronel J, Sattel H, Schäfert R: Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden. S3-Leitlinie mit Quellentexten, Praxismaterial und Patientenleitlinie. Stuttgart: Schattauer 2013 MEDLINE
4.
Matzat J, Jäniche H, Hausteiner-Wiehle C: „Mein Arzt findet nichts“ – so genannte nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden. Eine Leitlinie für Betroffene und ihre Angehörigen. AWMF-Reg.-Nr. 051–001 2012; www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/051–001.html (last accessed on 20 January 2013).
1.Schaefert R, Hausteiner-Wiehle C, Häuser W, Ronel J, Herrmann M, Henningsen P: Clinical Practice Guideline: Non-specific, functional and somatoform bodily complaints. Dtsch Arztebl Int 2012; 109(47): 803–13. VOLLTEXT
2.Schulze J, Sonnenborn U: Yeasts in the gut: From commensals to infectious agents. Dtsch Arztebl Int 2009; 106(51–52): 837–42 VOLLTEXT
3.Hausteiner-Wiehle C, Henningsen P, Häuser W, Herrmann M, Ronel J, Sattel H, Schäfert R: Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden. S3-Leitlinie mit Quellentexten, Praxismaterial und Patientenleitlinie. Stuttgart: Schattauer 2013 MEDLINE
4.Matzat J, Jäniche H, Hausteiner-Wiehle C: „Mein Arzt findet nichts“ – so genannte nicht-spezifische, funktionelle und somatoforme Körperbeschwerden. Eine Leitlinie für Betroffene und ihre Angehörigen. AWMF-Reg.-Nr. 051–001 2012; www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/051–001.html (last accessed on 20 January 2013).

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