ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2013Reform der Bedarfsplanung: Was sich ändert

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Reform der Bedarfsplanung: Was sich ändert

PP 12, Ausgabe April 2013, Seite 145

Bühring, Petra

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Die neue Bedarfsplanungs-Richtlinie des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses (G-BA) ist seit mehr als drei Monaten in Kraft. Im neuesten „BPtK-Spezial“ analysiert die Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK), welche Auswirkungen die Richtlinie auf Psychotherapeuten hat, die sich neu niederlassen wollen beziehungsweise auf solche, die planen, ihren Praxissitz abzugeben (www.bptk.de/uploads/media/201303_BPtK_Spezial_Bedarfsplanung_01.pdf). Die Veränderungen seit dem 1. Januar sind erheblich.

Die grundsätzliche Kritik der BPtK an der Reform der Bedarfsplanung ist bekannt: Der G-BA habe „am Bedarf vorbeigeplant“, kritisiert Kammerpräsident Prof. Dr. Rainer Richter. Das oberste Gremium der gemeinsamen Selbstverwaltung schreibe im Wesentlichen die bisherigen Verhältniszahlen fort und teile die Planungsbereiche nach einer neuen Systematik ein. Weder sei der tatsächliche Bedarf an ambulanter Psychotherapie ermittelt worden, noch sei ein anderer Stichtag gewählt, als der „fehlerbehaftete“ Stichtag aus dem Jahr 1999. Die neuen Versorgungsgrade sagten deshalb weiterhin nichts über die tatsächliche Versorgung psychisch kranker Menschen aus.

Verbessern wird sich die psychotherapeutische Versorgung jedoch tatsächlich auf dem Land: Dort sollen künftig 17 statt wie bisher vier Psychotherapeuten je 100 000 Einwohner arbeiten dürfen. Es gibt vor allem in Ostdeutschland, in den ländlichen Regionen Bayerns, Baden-Württembergs und Niedersachsens mehr als 1 300 neue Praxissitze. Eine Einschränkung trübt die schöne Zahl indes: Ein Viertel dieser Sitze ist bis Ende 2013 für die Niederlassung psychotherapeutisch tätiger Ärzte reserviert. Diese Ärztequote gab es schon immer, mangels Ärztenachwuchs in den P-Fächern konnten die Sitze aber nicht besetzt werden. Zu hoffen ist, dass man diese Quote zum Jahresende wie geplant einfach auslaufen lässt.

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Wer sich neu niederlassen möchte, kann dies mit einer vollen oder mit einer hälftigen Zulassung tun. Die BPtK hat in einer Deutschlandkarte zusammengestellt, in welchen Planungsbereichen die neuen Praxissitze liegen. Die Zulassungsausschüsse haben bestimmte Kriterien, nach denen die neuen Sitze vergeben werden. Maßgeblich ist dabei unter anderem, wie lange ein Interessent in der Warteliste des Planungsbereiches steht. Die Kassenärztlichen Vereinigungen erteilen hierzu Auskunft.

In Großstädten liegt der angenommene Versorgungsbedarf seit der Reform sogar noch um 20 Prozent unter dem bisherigen Bedarf, hat die BPtK analysiert. Zulassungssperren in den Großstädten werden also garantiert nicht aufgehoben. Interessenten haben hier weiterhin nur die Möglichkeit, eine bestehende Praxis zu übernehmen. Der Zulassungsausschuss kann aber beschließen – und das ist neu –, eine Praxis stillzulegen, wenn eine Nachbesetzung „aus Versorgungsgründen nicht erforderlich ist“. Voraussetzung für diese Entscheidung ist allerdings eine Mehrheit der Stimmen im Zulassungsausschuss. Jeweils zwei Psychotherapeuten und zwei Ärzte sitzen dort auf KV-Seite vier Krankenkassenvertretern gegenüber. Solange die Wartezeiten auf einen Therapieplatz unverändert hoch bleiben, sollte man auf vernünftige Entscheidungen hoffen dürfen.

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