ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2013Initiative Prävention: Weil ich es mir wert bin . . .

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Initiative Prävention: Weil ich es mir wert bin . . .

PP 12, Ausgabe April 2013, Seite 160

Krüger-Brand, Heike E.

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In der Metropolregion Rhein-Neckar haben sich viele Akteure vernetzt, um gemeinsam die Vorsorge bei Volkskrankheiten zu verbessern.

Zur Eigenverantwortung motivieren und die Akteure vernetzen – so lautet die Strategie der Präventionsinitiative (Bildschirmausschnitt aus der Website 1000-leben-retten.de).
Zur Eigenverantwortung motivieren und die Akteure vernetzen – so lautet die Strategie der Präventionsinitiative (Bildschirmausschnitt aus der Website 1000-leben-retten.de).

Wie eine Region sich erfolgreich als Gesundheitsregion positionieren kann, lässt sich am Beispiel der Metropolregion Rhein-Neckar studieren. In dem Ballungsraum, Heimat für circa 2,3 Millionen Menschen an den Schnittstellen der Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz, steht das Thema Gesundheit seit Jahren im Mittelpunkt einer Vielzahl gut miteinander vernetzter Projekte:

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  • So arbeitet der Verein Gesundheitsnetz Rhein-Neckar-Dreieck (RND) bereits seit seiner Gründung im Jahr 1998 daran, über politische und geografische Grenzen hinweg alle Akteure im Gesundheitswesen durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien zu vernetzen und die Kooperation zu verbessern. Zu den Leitprojekten des Vereins zählt zudem das Engagement in der medizinischen Prävention (www.gn-rnd.de).
  • Im Jahr 2010 wurde die Metropolregion für das Projekt INFOPAT vom Bundesministerium für Bildung und Forschung als „Gesundheitsregion der Zukunft“ ausgezeichnet (www.infopat.eu). Bei dem mit mehr als sieben Millionen Euro geförderten Projekt geht es um die integrierte sektorenübergreifende Versorgung von chronisch kranken Menschen. Zentrale Komponente ist eine persönliche einrichtungsübergreifende elektronische Patientenakte, die unter Federführung des Universitätsklinikums Heidelberg entwickelt und erprobt wird und die vor allem zur Patientenmündigkeit beitragen soll.
  • Jüngstes Projekt ist eine Initiative für mehr Gesundheitsvorsorge: „Wir wollen die Präventionsraten bei den Volkskrankheiten Diabetes mellitus, Darmkrebs und Zervixkarzinom in der Region innerhalb von zehn Jahren verdoppeln“, erklärte Wolf-Rainer Lowrack, Geschäftsführer der regionalen Entwicklungsgesellschaft Metropolregion Rhein-Neckar. Weitere Mitglieder der „Initiative Prävention in der Metropolregion Rhein-Neckar“ sind das Gesundheitsnetz RND und die Stiftung LebensBlicke e.V. Zusätzlich hat die Initiative prominente Fürsprecher wie den Medizin-Nobelpreisträger Prof. Dr. med. Harald zur Hausen und den ehemaligen baden-württembergischen Wissenschaftsminister Prof. Dr. Peter Frankenberg mit im Boot.

„Vorsorgefahrplan“ zu allen Präventionsleistungen

„Nur zwei Prozent der Gesundheitsausgaben der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung betreffen den präventiven Bereich“, betonte Dr. med. Claus Köster, Präsident des Gesundheitsnetzes RND e.V., bei der Vorstellung der Initiative. Daher müsse der Bürger dazu motiviert werden, selbst aktiv zu werden und Eigenverantwortung für seine Gesundheit zu übernehmen. Die Strategie: Einerseits sollen die Bürger von den Vorteilen einer gesunden Lebensweise überzeugt und über die große Bedeutung der Prävention aufgeklärt werden. Ein Beispiel hierfür ist der vor zwei Jahren konzipierte „Vorsorgefahrplan“, der über sämtliche Präventionsleistungen der gesetzlichen Krankenkassen informiert (www.vorsorgefahrplan.de). Andererseits sollen vorhandene Projekte und Akteure in der Region besser vernetzt werden.

Ansatzpunkte hierfür bieten die Erfahrungen, die das Gesundheitsnetz, die Stiftung LebensBlicke und der Verein „1 000 Leben retten“ in den letzten Jahren bei der Darmkrebs-Prävention sammeln konnten (www.1000-leben-retten.de). Kommunikation und Information standen dabei ganz oben auf der Agenda. Das gilt auch für das erste gemeinsame Projekt der Initiative zur Bekämpfung des durch humane Papillomviren (HPV) ausgelösten Zervixkarzinoms. Etwa 5 000 Neuerkrankungen werden jährlich diagnostiziert, für jede dritte Patientin verläuft die Krankheit tödlich. 2006 wurde die HPV-Impfung zur Verhinderung einer chronischen Infektion mit dem Virus eingeführt, doch die Impfrate liegt in Deutschland derzeit nur bei circa 30 bis 40 Prozent. „Ein Großteil der Neuinfektionen könnte vermieden werden, wenn alle Mädchen – und auch Jungen – eine HPV-Impfung erhielten“, betonte zur Hausen. Denn letztlich könnten die Viren nur durch eine Impfung beider Geschlechter wirkungsvoll bekämpft werden. Daher setzt sich die Initiative dafür ein, möglichst frühzeitig – etwa ab dem neunten Lebensjahr – mit der Impfung zu beginnen und die Impfempfehlung auch auf Jungen auszuweiten.

Um Ärzte, Gesundheitsbehörden, Lehrer, Eltern und Jugendliche für das Thema zu sensibilisieren, sollen Fortbildungen für Ärzte und Kommunikationskonzepte für Multiplikatoren entwickelt werden. Wichtig sei es, positive Assoziationen wie „Leben retten“ oder „Ich bin es mir wert“ zu wecken, um zur Prävention zu motivieren, betonte Köster. Dabei spiele die Integration von Social Media, etwa per Facebook oder Apps, eine wichtige Rolle, um beispielsweise junge Mütter und Jugendliche zu erreichen. Noch in diesem Jahr soll zur Impfmotivation eine Social-Media-Website mit dem Slogan „1 000 coole Mädchen“ starten.

Heike E. Krüger-Brand

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