ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2013Kassen-Navigator: Kassen-Service auf dem Prüfstand

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Kassen-Navigator: Kassen-Service auf dem Prüfstand

PP 12, Ausgabe April 2013, Seite 162

Krüger-Brand, Heike E.

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www.krankenkassen-navigator.kbv.de: Noch kein Gesamtbild, aber viele interessante Details. Foto: Fotolia/cirquedesprit [m]
www.krankenkassen-navigator.kbv.de: Noch kein Gesamtbild, aber viele interessante Details. Foto: Fotolia/cirquedesprit [m]

Im Online-Bewertungsportal können Ärzte und Psychotherapeuten gesetzliche Krankenkassen bewerten. Vor allem die Kommentare sind aussagekräftig.

Der Spitzenreiter im Krankenkassen-Ranking ist derzeit mit einem Notendurchschnitt von 2,1 (nach Schulnoten von eins bis sechs) die SBK Siemens-Betriebskrankenkasse, gefolgt von der Techniker-Krankenkasse (TK) mit der Gesamtnote 2,8. Schlusslichter bilden dagegen drei Landes-AOK: Bayern (4,7), Hessen (4,8) und Rheinland-Pfalz/Saarland (4,9).

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Seit circa fünf Monaten ist der Kassen-Navigator der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unter www.krankenkassen-navigator.kbv.de online (siehe DÄ, Heft 42/2012). Inzwischen haben mehr als 650 Vertragsärzte und -psychotherapeuten ihre Einschätzung zum Verhalten von gesetzlichen Krankenkassen im Praxisalltag abgegeben. Derzeit sind die Ergebnisse zu 18 Kassen von 145 möglichen abrufbar. Die meisten Bewertungen, nämlich 103, hat bislang die Barmer-GEK erhalten, gefolgt von der TK (85) sowie der DAK-Gesundheit und der AOK Bayern mit jeweils 74 Benotungen. „Uns liegen bereits Bewertungen zu mehr als 70 Krankenkassen vor. Allerdings veröffentlichen wir die Ergebnisse erst dann im Internet, wenn uns mindestens zehn Bewertungen vorliegen“, erläutert Regina Feldmann, Vorstand der KBV, dem DÄ.

Die Resonanz lässt somit noch zu wünschen übrig. Wie für alle Bewertungsportale gilt auch für den Kassen-Navigator: Je mehr Nutzer sich beteiligen, desto aussagekräftiger das Ergebnis. Möglicherweise sei die geringe Beteiligung darauf zurückzuführen, dass sich Ärzte vor ihrer Bewertung zunächst registrieren müssen und davon Nachteile befürchten, vemutet Feldmann. Die Registrierung dient jedoch ausschließlich zur Verifizierung der Zugangsvoraussetzung für die aktive Nutzung des Portals. Wer einen Kommentar abgeben will, kann hierfür auch ein Pseudonym benutzen. Außerdem ist es jederzeit möglich, die Registrierung zu widerrufen und das Nutzerkonto einschließlich sämtlicher personenbezogenen Daten und Kommentare zu löschen.

Auch wenn sich somit noch kein Gesamtbild ergibt, zeichnen sich interessante Details ab. Auffällig ist Feldmann zufolge die weite Spreizung in der Bewertung der unterschiedlichen Dienstleistungen der Kassen, die in fünf Kategorien – Therapiefreiheit, Regresse, Bürokratie, Selektivverträge und Service/Information – abgefragt werden. So wird die TK beispielsweise in der Kategorie Therapiefreiheit mit 2,4 benotet, bei Selektivverträgen jedoch nur mit der Note 3,3. Die AOK Nordost etwa erhält die Durchschnittsnote 3,6 in puncto Therapiefreiheit, wohingegen die Bürokratie mit 4,5 erheblich schlechter wegkommt.

Differenziertes Bild

Zusammen mit den Kommentaren in Freitext ergebe sich so teilweise ein sehr differenziertes Bild, meint Feldmann. Neben einigem Lob („Für mich eine der besten gesetzlichen Krankenkassen mit innovativen Leistungen für die Versicherten und sinnvollen Zusatzangeboten“, „Die Impfleistungen sind beispielhaft“ oder „Diese Kasse ist bemüht, ihren Patienten die bestmögliche Therapie zukommen zu lassen, auch dann, wenn es Leistungen sind, die nicht zum gesetzlichen Katalog gehören“) überwiegt in den Kommentaren jedoch nach wie vor klar die Kritik. Bemängelt werden immer wieder lange Warte- und Bearbeitungszeiten bei der Bewilligung von Leistungen, etwa von Psychotherapien oder Heil- und Hilfsmitteln.

Bürokratisch mit Vorsatz

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Einschränkung der Therapiefreiheit durch überbordende Bürokratie. Beispiel: „Die Therapiefreiheit wird systematisch durch eine Ausweitung des bürokratischen Aufwands (angeforderte Gutachten zur Begründung von Verordnungen von Heil-, Hilfsmitteln und Pflegeverordnung bei medizinisch offensichtlichen Sachverhalten) eingeengt.“ Auch die Information der Versicherten durch die Kassen wird immer wieder beanstandet („Patienten wurden über Leistungen falsch informiert, was zu endlosen Diskussionen führte, weil diese sich getäuscht sahen.“).

Ärzte und vor allem Versicherte, die einen Kassenwechsel in Erwägung ziehen, erhalten viele nützliche Hinweise, wo es hakt oder wo der Service einer Kasse stimmt. Ärzte können sich zudem an Meinungsumfragen zu aktuellen gesundheitspolitischen Themen beteiligen und Anregungen für neue Themen in das Bewertungsportal einbringen. So werde etwa nach entsprechenden Hinweisen der Nutzer geprüft, das Thema Datenschutz mit als Bewertungskategorie aufzunehmen, berichtet Feldmann.

Heike E. Krüger-Brand

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