ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2013Psychoanalytische Filminterpretationen: Genuss und neue Erkenntnisse

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Psychoanalytische Filminterpretationen: Genuss und neue Erkenntnisse

PP 12, Ausgabe April 2013, Seite 185

Barley, Ingrid

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Spielfilme dienen meistens einer mehr oder weniger anspruchsvollen Unterhaltung und Zerstreuung. Manche bedeutsamen Filme können jedoch auch unter psychoanalytischem Aspekt betrachtet werden. Dazu widmet sich das Buch dem „Fremden im Film“ und liefert zahlreiche psychoanalytische Filminterpretationen. Drei Psychotherapeuten aus unterschiedlichen Generationen ergründen – abhängig von ihrer jeweiligen altersspezifischen Perspektive und ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung – das Fremde und das Böse in den Filmen „Der Exorzist“, „Matrix“, „Twilight“, „Das Bildnis des Dorian Grey“, „Das geheime Fenster“, „Eyes Wide Shut“, „Casablanca“, „Three Seasons“, „Gran Torino“, „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ sowie „Die Fremde“.

Dem (Mit-)Autor Hannes König geht es im Film „Der Exorzist“ ganz zentral um das Fremde, das heißt auch um das Böse in uns selbst („das eigene Fremde“), welches im Unbewussten unserer Seele lauert. Überraschend zieht der Autor auch Parallelen zwischen exorzistischen Handlungen und psychoanalytischen Praktiken der frühen Jahre.

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In der Interpretation des Films „Das Bildnis des Dorian Grey“ beschäftigt sich derselbe Autor mit einer besonderen Spielart des Narzissmus, nämlich dem Doppelgängermotiv in Gestalt eines Bildnisses, das sich – besonders in seelischen Belastungssituationen – für entlastende Externalisierungsprozesse eignet. Besonders eindrucksvoll liest sich die Interpretation des Films „Die Fremde“: Der Film behandelt auf dramatische und differenzierte Weise den Kampf einer jungen deutsch-türkischen Mutter um ihre Selbstbestimmung in zwei unterschiedlichen Wertesystemen. Diese Problematik kennen viele von uns aus dem beruflichen oder privaten Umfeld im Umgang mit Migrantenfamilien oder durch Berichte über sogenannte Ehrenmorde. Unbekannt ist sicher vielen Lesern, dass das ödipale Triebschicksal im Orient ein gänzlich anderes ist als im Okzident. Diese Unterschiede werden ausführlich, berührend und sehr lebensnah dargestellt.

Filmfreunde werden die differenzierten und spannenden analytischen Filminterpretationen mit Genuss und neuen Erkenntnissen lesen. Ingrid Barley

Theo Piegler (Hrsg.): Das Fremde im Film. Psychoanalytische Filminterpretationen. Psychosozial-Verlag, Gießen 2012, 200 Seiten, kartoniert, 19,90 Euro

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