ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2013Kunsttherapie: Basiswissen und Arbeitsanleitungen

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Kunsttherapie: Basiswissen und Arbeitsanleitungen

PP 12, Ausgabe April 2013, Seite 184

Braun, Richard

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„Innerhalb weniger Jahre hat das Lehrbuch der psychiatrischen Kunsttherapie ein unerwartet großes Echo gefunden.“ So beginnt das Geleitwort von Prof. em. Dr. med. Hans Lauter zu dieser Veröffentlichung gesammelter Beiträge zahlreicher Autoren. Manchmal ist es gut, bei einem Buch nicht nur die Klappen- oder Rückentexte zu beachten – also die Stellen, die kurz aufzeigen, wie der Verlag das Buch am liebsten vermarktet hätte, sondern auch die Beiträge zu lesen, die so gerne überblättert werden, sprich Geleitwort oder Vorwort.

Vor der Lektüre hätte man eher vermutet, dass sich Kunsttherapie als eine Spezialisierungsvariante der Psychotherapie versteht – und Psychotherapie ist ja bekanntermaßen eine Therapie mit Mitteln der Psychologie. Der nächste Schritt ist die Lektüre des Rückentextes. Zunächst die Überschrift: Kunsttherapie in der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik. Darunter wird erläutert: „Dieses Buch führt psychiatrisch-psychotherapeutisches Basiswissen und kunsttherapeutische Vorgehensweisen zusammen und bereitet sie praxisnah auf.“ Erfahrene und renommierte Kunsttherapeuten, Psychiater und Psychotherapeuten garantieren eine fundierte Wissensvermittlung. Anhand zahlreicher Fallbeispiele erläutern die Autoren anschaulich, wie die Kunsttherapie in der Praxis erfolgreich eingesetzt werden kann.

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Über den Inhalt wird zusammengefasst: „Ätiologie, Symptomatik und Therapie psychischer Erkrankungen. Kunsttherapeutische Vorgehensweisen im direkten Bezug zu den einzelnen Störungsbildern. Zahlreiche farbige Abbildungen. Exkurs: Psychopharmakotherapie. Neu in der zweiten Auflage: Grundsatzkapitel zu Potenzialen der Kunst. Geschichte der Psychiatrie. Ethik der Kunsttherapie. Weiterhin stehen noch zusätzliche Online-Kapitel zur Verfügung: Gruppentherapie, Klinische Bedeutung der Kunsttherapie, Ausbildungsgänge, Literaturhinweise.“

Für welche Zielgruppe(n) ist das Buch gedacht? Die Antwort hierfür ist im Vorwort zur zweiten Auflage „versteckt“: „Die zweite erweiterte Ausgabe bietet in ihrer fachübergreifenden Darstellung Kunst- und Gestaltungstherapeuten Anregung, ihre Methodenvielfalt durch die verschiedenen kunsttherapeutischen Zugangsweisen, vorwiegend im klinischen Setting, auszuweiten. Ebenso wendet es sich an Ärzte, Psychologen und Psychotherapeuten, die Interesse an integrativen Behandlungsansätzen haben und einen umfassenden Einblick in klinisch-kunsttherapeutische Behandlungsmöglichkeiten suchen. Dem interessierten Laien schließlich gibt es eine fundierte Übersicht in kreative Behandlungsmethoden und die medizinisch-psychiatrische Praxis.“

Der Verdienst des Buches impliziert zugleich auch seinen Mangel: Sehr viele, die schon einmal fachliche Berührung zu diesem Themengebiet hatten, kommen zu Wort und zeigen bisherige Ansätze und Begrenztheiten auf. Noch nicht ausreichend berücksichtigt wird, dass Kunsttherapie inzwischen auch im Rahmen von wissenschaftlichen Studiengängen angeboten wird, und da reicht es nicht, wenn anfangs des umfangreichen Werkes ein Kapitel mit eben mal sechs Seiten des Psychiaters Horst Kächele mit der Überschrift „Kunsttherapie und Forschung – wie Hund und Katz?“ dazwischengeschoben wird. Zumindest zwei Sätze des kurzen Fazits zu diesen Seiten lassen Hoffnung keimen: „Es dürfte naheliegend sein, aus den reichhaltigen klinischen Erfahrungen originelle Forschungsansätze zu entwickeln, die dann auch eine Rückwirkung auf das klinische Handeln haben müssen.“ Notwendig sei „hierzu auch die rechte Einstellung, ob Forschungsbemühungen eher Ballast sind oder eine Bereicherung sein können“. Richard Braun

Flora von Spreti, Philipp Martius, Hans Förstl (Hrsg.): Kunsttherapie bei psychischen Störungen. 2. Auflage, Elsevier GmbH, Urban & Fischer, München 2012, 328 Seiten, gebunden, 59,99 Euro

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