ArchivDeutsches Ärzteblatt PP4/2013Versorgung: Der psychologisch-technische Assistent
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Ich arbeite seit 40 Jahren in der klinischen Praxis (früher auch in der Forschung ) und bin an Ausbildungsinstituten tätig. Seit circa 22 Jahren in der eigenen Niederlassung (vorher circa 16 Jahre Poliklinik-Kreiskrankenhaus bis zur Wende) und habe noch niemals das meines Erachtens sinnwidrige Instrument einer direkten „Warteliste“ verwendet.

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Ein fest angestellter psychologisch-technischer Assistent (PTA), der seinerzeit nur Assistent war und dann viele Lehrgänge besuchte und sich qualifizierte, ist für die Patienten an mindestens drei (früher vier) Tagen in der Woche von acht bis zehn Uhr, also wöchentlich sechs bis acht volle Zeitstunden, direkt als „lebendige“ Person am Telefon erreichbar. Er vergibt Termine für ein sogenanntes Vorgespräch, bei dem nur die Akte angelegt wird, der Patient gegebenenfalls Befunde et cetera mitbringt, die Praxis erstmals kennenlernt, die Versichertenkarte eingelesen wird und einiges Organisatorische besprochen wird. Auch erhält er bei diesem Termin zwei Screening-Bögen sowie einen persönlichen Bogen zum Ausfüllen für das erste ausführliche probatorische Gespräch bei mir.

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Dieser Vortermin dauert im Schnitt maximal zwei bis drei Wochen, dann erhält der Patient einen ersten Termin bei mir, der wieder auch nur circa drei, maximal vier Wochen dauert.

In diesem Vorgespräch werden keinerlei Inhalte der Therapie oder ähnliches besprochen, sondern es ist der erste Kontakt des Patienten mit der Praxis, er lernt die Bedingungen und Umstände, den Weg und so weiter kennen, es ist die erste Vorbereitung. Zu diesem Vortermin bin ich auch da, begrüße ihn allerdings nur und erkläre ihm kurz nochmals den an sich schon bekannten Charakter und Sinn dieses Vorgesprächs beim PTA.

Für den ersten ausführlichen Termin des Patienten bei mir habe ich jede Woche vier bis maximal fünf Blanko-Termine frei, die der PTA dann in der kommenden Reihenfolge nutzt und vergibt. Unabhängig davon haben wir durch dieses seit mehr als zwei Jahrzehnten nahezu problemlos funktionierende Verfahren folgende Untersuchungen seit mehr als acht Jahren mit praktisch nahezu konstanten Ergebnissen durchgeführt wie folgt (ich spreche von Mittelwerten):

Von 100 Anrufen zu den fixierten Zeiten fallen circa 25 Prozent der Anrufer aus, die gar nicht erst zum Vorgespräch kommen. Von den verbleibenden 75 Anrufern, die zum Vorgespräch kommen, kommen dann aber wieder circa 25 Prozent nicht zum ersten ausführlichen Gespräch bei mir (oft sogar mit der Ansage, sie hätten „noch einen kürzeren ersten Termin woanders. . .“ bekommen!!, also nichts mit Unterversorgung!).

Von den verbleibenden rund 50 Prozent der Anrufenden, die das erste ausführliche Gespräch bei mir wahrnehmen, fallen dann im Laufe der Probatorik nochmals circa 20 bis 25 Prozent heraus (fehlende klare Indikation, „Feuerwehr“-Anliegen oder sonstige Beratungsanliegen, reine Rentenanliegen mit Attestwünschen und so weiter).

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Was ich seit mehr als zehn Jahren fordere, ist, dass ein Therapeut eben nicht allein arbeiten darf oder sollte, sondern eine feste (wenigstens technische) Kraft angestellt hat und für die Menschen auch persönlich erreichbar ist und mit einer gewissen Distanz und ohne sich in inhaltliche Dinge einzumischen, ein sehr gutes Zeitmanagement betreibt.

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Ich habe diese Praxis kritisch und zusammenfassend genau beschrieben, die Mär von der Unterversorgung sollte ebenso endlich beseitigt werden wie diese sinnentfremdeten „Wartelisten“.

Dipl.-Psych. Priv.-Doz. Dr. phil. habil. Wolfram Zimmermann, PPT/KJPT, Hypnotherapeut (DGH), Lehrtherapeut, Supervisor, Balintgruppenleiter (DBG), 16321 Bernau

Zimmermann W: „Ambulante Psychotherapie im Berliner „Speckgürtel“ – Gesellschaftskritische historische Bilanzen nach Jahrzehnten im „Wandel“ der Systeme. Novum-Verlag , Neckenmarkt (Wien), Zürich, Frankfurt (Main), 2012.

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