ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2013Börsebius: Die Dauerkatastrophe

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Börsebius: Die Dauerkatastrophe

Dtsch Arztebl 2013; 110(15): A-733 / B-641 / C-641

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Kaum jemand kann sich vorstellen, wie 18 eingefrorene Milliarden Euro aussehen, bedürfen sie etwa einer ganz besonderen Art der Lagerung, oder ergeben sie, übereinandergestapelt, die x-fache Verschuldung Zyperns? So weit der Spaß, für viele Anleger in etlichen offenen Immobilienfonds ist diese klotzige Summe jedoch bitterer Ernst, denn seit Jahren kommen sie in dieser Produktkategorie teilweise nicht an ihr Geld, weil die Gesellschaften manche ihrer Immobilienfonds erst über Monate eingefroren und nach langem quälendem Hinhalten wie auch beschwörenden Vertröstungen am Ende dann doch abgewickelt haben.

Dabei waren gerade offene Immobilienfonds in der Vergangenheit als solide und auskömmliche Anlageform bekannt und geschätzt, aber eben nur so lange, bis durch die Finanzmarktkrise eben genau diese Fonds in erhebliche Liquiditätsnöte gerieten. Wobei, um der Wahrheit die Ehre zu geben, keineswegs die Finanzmarktkrise als die eigentlich Schuldige bezichtigt werden darf. Sie hat lediglich strukturelle Defizite bei den offenen Immobilienfonds knallhart offengelegt, wie etwa das Problem der „echten“ Bewertung des Immobilienbestandes und der Hilflosigkeit in der Geldbeschaffung bei großen Anteilsrückgaben, denn ein Bürokomplex lässt sich nun mal eben nicht so mir nichts, dir nichts veräußern, wenn Not am Mann ist, und schon gar nicht zu den bilanzierten Werten.

Genau das ist jetzt auch das aktuelle Problem. Die frustrierten Anleger wollen einerseits schnell an ihr eingefrorenes Kapital, und die Gesellschaften, die ohnehin unter Zeitdruck stehen, weil ihnen sowohl die gesetzlichen Vorgaben als auch die Bankenaufsicht BaFin im Nacken sitzen, erzielen andererseits in der jetzigen Notsituation nicht die Werte, die sie bei den Verkäufen eigentlich haben müssten. Je früher (Morgan Stanley, Degi, TMW, Axa Immoselect) die gesetzliche Abwicklungsfrist liegt, desto schlimmer ist also die Not zum Verkauf um jeden Preis. Das führt logischerweise schon heute zu eklatanten Verlusten für die Anleger.

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Ein wenig mehr Luft haben lediglich Kanam Grundinvest (31. Dezember 2016) sowie CS Euroreal und SEB Immobinvest, die beide noch bis ultimo April 2017 Zeit haben, bessere Preise für ihre noch verbliebenen Immobilien zu erzielen. Spätestens dann sollte die Dauerkatastrophe ihr Ende finden. Die Größe des Schreckens wird sich dann noch zeigen.

Das Milliardengrab

Offene Immobilienfonds in Abwicklung

  • Morgan Stanley P2 Value
  • Degi Europa
  • Degi International
  • TMW Immobilien Weltfonds
  • Axa Immoselect
  • SEB Immoinvest
  • CS Euroreal
  • Kanam Grundinvest

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