ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2013Personale Medizin: Beträchtlicher Erkenntnisgewinn

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Personale Medizin: Beträchtlicher Erkenntnisgewinn

Dtsch Arztebl 2013; 110(15): A-724 / B-634 / C-634

Frantz, Eckart

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Personale Medizin im Sinne von Danzer ist „Heilkunde von Personen für Personen“, also Medizin, die nicht nur die Person des Behandelten im Auge hat, sondern die Voraussetzungen in der Person des Behandlers in gleicher Weise. Sie ist „zuallererst Schul- und in keinerlei Hinsicht Para- oder Alternativmedizin“, wie eine starke Abgrenzung im Einführungskapitel lautet.

Wo muss und kann man denn nun „personale Medizin“ einordnen? Man muss bis Seite 207 des Werkes vordringen, um die Extrempunkte des Koordinatensystems für die personale Medizin genannt zu finden: die evidenzbasierte Medizin einerseits und die „narrative Medizin“ andererseits. Erstere ist in aller Munde und hat es (vorschnell) bis zur Ehre gesetzgeberischer Erwähnung (§§ 137 f, 139 a SGB V) gebracht. Letztere erläutert Danzer: die Heilkunde, in deren Zentrum die Aufgabe steht, „ein fremdes Du“, also den Patienten als kranke Person in ihrer Welt zu erfassen, zu verstehen, womit das Feld der Hermeneutik eröffnet ist. Beides ist personale Medizin nach Danzer nicht, nicht evidenzbasierte Medizin und nicht die Kunst des Verstehens in einer narrativen Medizin.

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Sie steht dazwischen, die personale Medizin. Wie sie dies tut, zeigt der Philosoph und Arzt nicht nur in abstrakten philosophischen Abhandlungen auf, sondern erläutert er – und da findet sich der philosophisch eher weniger aktive, stattdessen klinisch erfahrene ärztliche Leser dieses Buches leicht und aufgrund der klaren Gliederung des Buches in vielen Teilgebieten der klinischen Medizin gut zurecht – am praktischen, handfesten Beispiel, an Krankheitsentitäten. Unter diesen, in der Reihenfolge ihrer Erwähnung und Abhandlung, findet man zum Beispiel den Umgang mit manifesten Risikofaktoren, Krebserkrankungen, Herzerkrankungen (ausführlich: die arterielle Hypertonie), das Leben mit Implantaten, Demenzerkrankungen, Essstörungen, Ekstase, Rausch und Sucht, Schmerzzuständen. In einem Abschlusskapitel über „Soziokulturell-geistige Störungen“ werden philosophische Hintergründe vielfältiger psychischer und psychosomatischer Erscheinungen erörtert.

Erneut ist es Gerhard Danzer gelungen, ein Buch vorzulegen, das der klinisch aktive Arzt, der diskussionsfreudig ist und die Hintergründe und den philosophischen Kontext längst erklärter und geklärt geglaubter psychosomatischer Entitäten kennenlernen will, mit Interesse zur Hand nehmen wird und nach der Lektüre nur mit der Sicherheit, dazugelernt zu haben, wieder aus derselben legen kann. Es gilt erneut, was für zahlreiche andere Werke im atemberaubenden Œuvre dieses Autors gilt: ein Buch, welches man sich und seinen lesenden Angehörigen durchaus gönnen sollte, beträchtlicher Erkenntnisgewinn nicht ausgeschlossen. Eckart Frantz

Gerhard Danzer: Personale Medizin. Huber, Bern 2013, 559 Seiten, gebunden, 39,95 Euro

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