ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2013Hochschulmedizin: Kampf der Kulturen?
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Was Jens Flintrop in seinem Leitartikel zur sogenannten Privatisierung vorträgt, mag dem Denkmuster weiter Teile der Ärzteschaft folgen und ihrer Zustimmung gewiss sein, aber ist es deshalb richtig?

Nicht zwei Welten prallen aufeinander, sondern die eine Welt liegt mit sich im Streit, weil wir die Dinge auseinanderbrechen und gegeneinander stellen.

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Wir Ärzte glauben dabei, den weitaus wichtigsten und wertvollsten Teil der zertrümmerten Welt in den Händen zu halten. Wenn es um das Leben und die Gesundheit gehe, müsse grundlegend anders gedacht und gehandelt werden als sonst in der Gesellschaft, so unser Credo.

Sind wir auch längst vom Olymp einer irdischen Zwängen enthobenen Heilkunst in den Sumpf der Fronarbeit für Krankenkassen und profitorientierte „Dienstleister“ herabgestürzt, wahrhaben wollen wir es noch lange nicht.

Nachdem sich staatsgelenkte Kliniken, ihre komplementären Einrichtungen und ein um sich selbst kreisender Politbetrieb und Umverteilungsapparat unfähig gezeigt haben, dies zu leisten, soll nun aus Gier und primitiver Denk- und Lebensart das Gold der sogenannten Spitzenmedizin gewonnen werden.

Es triumphiert die Doktrin, selbst die schlimmste menschliche Verworfenheit sei noch eine Segnung, wird sie vom Gewinnstreben befeuert. Wer die Dinge so auf den Kopf stellt, dem gelingt noch lange keine wirtschaftlich vernünftige Allokation begrenzter Ressourcen . . .

Es sind die Exzellentesten der Exzellenten, die zu ihrem Wohl und unserem Schaden das Gesundheitssystem der USA – im Schlepptau international agierender Großinvestoren – auf Deutschland übertragen wollen. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung das teuerste und ineffizienteste der Welt.

Solange wir uns diesen Leuten hingeben und ihre „Ökonomie“ als das Maß aller Dinge gelten lassen, solange wir nicht bereit sind, unsere Arbeit, auch in wirtschaftlicher Hinsicht, wieder zu einem vernünftigen Ganzen zusammenzufügen, wird es nichts werden.

Weder mit einer Sozialstaatsmedizin noch mit einer kapitalgesteuerten Investorenmedizin.

Wir müssen uns für einen anderen, den richtigen Weg entscheiden:

für ein freies Unternehmertum, organisch wachsend, beständig in seiner Grundlegung und innovationsstark die konkreten Anforderungen bewältigend. Nicht von oben bestimmt und hierarchisch fragmentiert, sondern vernetzt und übergreifende Strukturen bildend, wo es nötig ist. Von uns, auch wirtschaftlich, entscheidend mitgeprägt und mitverantwortet, den Menschen in ihrer Region und bei ihrer Arbeit verbunden . . .

Matthias Pester, 23774 Heiligenhafen

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