ArchivDeutsches Ärzteblatt15/2013Pädiatrie: Leitfaden für die interdisziplinäre Betreuung

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Pädiatrie: Leitfaden für die interdisziplinäre Betreuung

Dtsch Arztebl 2013; 110(15): A-724 / B-634 / C-634

Schulte-Cloos, Angelika

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Entwicklung beinhaltet Reifung, deren Richtung vorbestimmt ist, aber auch Entfaltung von Fähigkeiten, die durch Anlagen vorgegeben sind und von Umwelteinflüssen modifiziert werden.

Noch bis vor wenigen Jahrzehnten wurden in vielen Regionen Kinder mit schweren Entwicklungsstörungen vor der Öffentlichkeit versteckt, sie galten als nicht bildbar, Ausdruck der Erbsünde oder als vom bösen Geist befallen. Erst mit dem Beginn der Aufklärung wurde zunehmend auf die mögliche Förderung von Menschen mit Entwicklungsstörungen hingewiesen. Betreuungskonzepte für behinderte Kinder gibt es seit dem 19. Jahrhundert: Die Heilpädagogik wurde begründet, eine Anstalt zur Erziehung schwachsinniger Kinder errichtet, eine erste Nachhilfeschule in Halle an der Saale und eine Anstalt zur Erziehung und Bildung „krüppelhafter“ Kinder in München gegründet. In der Nazi-Zeit folgte eine schreckliche Epoche zur Vernichtung „lebensunwerten“ Lebens, mindestens 70 000 Menschen wurden so systematisch ermordet.

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Heute will man nach Möglichkeit das Auftreten von Störungen durch Prävention verhindern – gelingt dies nicht, so versucht man, den betreffenden Kindern und ihren Eltern möglichst umfassend zu helfen. Dafür notwendig ist ein entsprechendes fachliches Wissen zum Erkennen der Defizite und Abweichungen und ebenso zur Einleitung und Fortführung geeigneter Maßnahmen. Eine breite interdisziplinäre Zusammenarbeit von der Medizin über die Psychologie, Heilpädagogik, Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Sozialarbeit und auch die Rechts- und Sozialberatung kann zu einer optimalen Förderung des in seiner normalen Entwicklung gestörten Kindes führen.

Der Praxisleitfaden richtet sich an Ärzte, Therapeuten, Pädagogen, Psychologen und Juristen und hilft beim Erkennen von Abweichungen in der normalen Entwicklung. Mögliche Therapieformen werden ebenso wie Angebote zur Förderung und Betreuung differenziert und verständlich vorgestellt. Zusätzlich findet man alle notwendigen Informationen zur Rechts- und Sozialberatung und hilfreiche Adressen. In der fünften Auflage wurden besonders die aktuellen Entwicklungen der Humangenetik, der psychologischen Diagnostik und der Gesetzgebung berücksichtigt. Umfassend und kompetent. Angelika Schulte-Cloos

Hans-Michael Straßburg, Winfried Dacheneder, Wolfram Kress: Entwicklungsstörungen bei Kindern. 5. Auflage, Urban & Fischer, Elsevier, München 2012, 396 Seiten, kartoniert, 53,99 Euro

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